Düsseldorf: Polizei verteidigt sich gegen Kritik nach „Rocker-Party”

Düsseldorf : Polizei verteidigt sich gegen Kritik nach „Rocker-Party”

Die Polizei hat Kritik an einem Einsatz gegen die Rockergruppe Hells Angels in Düsseldorf zurückgewiesen. Ein Rechtsanwalt und Betroffene hatten der Polizei im Nachgang einen rechtswidrigen Einsatz und Unverhältnismäßigkeit vorgeworfen. Bereits am Boden liegende gefesselte Besucher der Party seien in der Landeshauptstadt misshandelt worden.

Die Polizei versprach am Montag, die eingegangene Strafanzeige zu prüfen. Zugleich präsentierte sie Fotos vom Einsatzort, die nach dem Ende des Einsatzes aufgenommen worden seien: Die Verwüstungen, die später auf Fotos aus dem Umfeld der Rocker präsentiert worden seien, stammten nicht vom Polizeieinsatz.

Eine Frau, die behauptete, einen doppelten Fußbruch beim Polizeieinsatz erlitten zu haben, habe sich die Verletzungen vorher zugezogen. Sie sei bereits - auf Bitte eines Rockers - in einem Rettungswagen behandelt worden, als der Einsatz der Spezialeinheiten begann. Mehr als 400 Polizisten waren in der Nacht zum Samstag im Einsatz.

Die Lage im Rockermilieu ist in Düsseldorf der Polizei zufolge angespannt. Zwei Ortsclubs der Rockergruppe, „Oldtown” und „D-City”, ringten dort derzeit um Macht und Marktanteile. Unlängst hatten Rocker versucht, einen Altstadt-Imbiss zu stürmen.

250 Meter vom Gelände der Party am Wochenende entfernt liegt zudem das Großbordell „Oceans”, dessen Betreiber den Rockern öffentlichkeitswirksam Hausverbot erteilt hatte. Die Polizei hatte nicht ausgeschlossen, dass die Rocker das Bordell stürmen könnten. Außerdem vermuteten die Ermittler, es könne zu einer erneuten Machtdemonstration von Rockern in der Altstadt kommen.

Zunächst hatten die Beamten nur die ankommenden Gäste kontrolliert und durchsucht. Dann hatten plötzlich Spezialeinsatzkräfte das Gelände gestürmt. Es habe während der Feier einen Hinweis gegeben, dass sich in den von den Rockern angemieteten Räumen Waffen befänden. Daraufhin habe man einen Durchsuchungsbefehl beantragt. Bei der Durchsuchung seien dann aber keine Waffen gefunden worden.

Mehr als 400 Polizisten waren an dem gut zehnstündigen Großeinsatz beteiligt. Dabei wurden zwei Personen, die mit Haftbefehl gesucht worden waren, festgenommen und fünf Messer, ein Reizstoffsprühgerät und Betäubungsmittel sichergestellt. 300 Menschen und 150 Autos seien überprüft worden. Dabei seien Rocker aus weiten Teilen des Bundesgebiets angetroffen worden.

„Die Feiernden haben sich vollkommen rechtskonform verhalten”, kritisierte Rechtsanwalt Wolf Bonn, der die Hells Angels seit langem vertritt. Die Erklärung der Polizei „Wir dulden keinen rechtsfreien Raum” sei eine „absolute Farce”. Die Begründung, es hätten sich Waffen in den Räumen befunden, entbehre jeder Grundlage. Gefesselte Gäste mussten, zum Teil auf dem Boden liegend, über Stunden in der Kälte verharren. Ein Mann habe einen epileptischen Anfall erlitten.

(dpa)
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