Kerpen: Polizei sind Tunnelsysteme im Hambacher Forst nicht bekannt

Kerpen: Polizei sind Tunnelsysteme im Hambacher Forst nicht bekannt

Mehr als tausend Menschen haben am von Klimaaktivisten angekündigten „Wochenende des Widerstands“ an einer Führung durch den Hambacher Forst teilgenommen. Darunter waren viele Familien und Kinder.

Zu dem mehrstündigen Waldspaziergang am Sonntag seien mehr als 1100 Menschen gekommen, sagte der Umweltschützer und Naturführer Michael Zobel.

Die Polizei machte keine Angaben zur Teilnehmerzahl. „Die Lage ist aber unverändert ruhig“, sagte ein Sprecher am Nachmittag. Die Beamten seien am Forst präsent. Auch die Rodungsgegner meldeten keine Zwischenfälle. Bereits am Samstag war es demnach friedlich geblieben. Die Aktivisten hatten vor dem Wochenende angekündigt, sich aus Protest gegen die Rodungspläne des Energiekonzerns RWE erneut auf den Weg in das Braunkohlerevier zu machen.

Zeitgleich kletterten Aktivisten am Sonntagmorgen auf einen Baukran und rollten ein Transparent mit der Aufschrift „Hambi bleibt“ aus. Noch am Vormittag zogen sie nach Polizeiangaben mit dem Plakat wieder ab. In der Ortschaft Buir in unmittelbarer Nähe des Hambacher Forsts war für den Nachmittag eine Tanzdemo angekündigt.

Die Grünen in Nordrhein-Westfalen kündigten an, ihren Landesparteirat mit zahlreichen Delegierten am 7. Oktober an den Forst zu verlegen. „Wir werden mit diesem Parteitag direkt am Hambacher Wald ein deutliches Signal an RWE, Landes- und Bundesregierung für einen Rodungsstopp senden“, sagte die Landesvorsitzende Mona Neubaur dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstag). Die Beratungen sollen demnach in einem Zelt auf einem Grundstück des Umweltverbandes BUND an der Abbaukante des Tagebaus stattfinden. Die NRW-Grünen erwarten zwischen 150 und 200 Teilnehmer, darunter etwa 80 Delegierte, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) kritisierte die Pläne der Grünen. „Jetzt einen Parteitag am Hambacher Forst abzuhalten, ist kein Beitrag zu der von ihnen geforderten Deeskalation“, sagte Reul der „WAZ“ (Montag).

Polizei dementiert

Derweil hatte die Aachener Polizei am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt, dass ihr bislang keine Erkenntnisse über Tunnelsysteme im Hambacher Forst vorliegen. „Die Polizei Aachen hat Erdlöcher und Depots im Hambacher Forst gefunden. Uns, als einsatzführende Behörde, liegen jedoch keine Erkenntnisse zu Tunnelsystemen im Hambacher Forst vor“, teilte das Polizeipräsidium Aachen am Sonntag auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Unsere Redaktion hatte berichtet, dass die Polizei in dem Waldstück bei Kerpen Tunnel entdeckt hat. Die Angaben in dem Bericht wollte die Polizei Aachen nicht kommentieren mit dem Verweis, dass diese nicht aus ihrem Hause stammen. Auch das NRW-Innenministerium dementierte die Recherchen unserer Redaktion.

Unsere Redaktion hatte Einblick in mehrere Dokumente über den Einsatz der Polizei im Hambacher Forst, darunter auch in den fortlaufenden Einsatzbericht (Stand: von August 2018 bis zum vergangenen Donnerstag). In diesem werden alle polizeirelevanten Vorkommnisse rund um die Rodungsgegner festgehalten.Der Bericht wird von der Polizei immer aktualisiert, wenn es neue Vorkommnisse gibt.

Am 28. August 2018 ist dort vermerkt gewesen, dass die Polizei im Zuge der Durchsuchung des sogenannten Wiesencamps am Hambacher Forst auf eine Luke gestoßen ist, die zu einem Tunnel führt. Explizitist in dem Dokument von „Tunnel“ die Rede. Das Einstiegsloch wird mit einer Größe von 60 mal 60 Zentimeter angegeben. Im weiteren Verlauf des Tages wurden laut Bericht dann weitere Tunnel und Erdlöcher mit Beton verfüllt, nachdem man sich vergewissert hatte, dass sich keine Person mehr darin aufhielten. Unsere Redaktion konnte die Tunnel selbst nicht in Augenschein nehmen.

(dpa)
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