Düsseldorf: Polizei rüstet auf: Mit „Bodycams” in der Düsseldorfer Altstadt

Düsseldorf : Polizei rüstet auf: Mit „Bodycams” in der Düsseldorfer Altstadt

Fußballfans singen sich warm. Das Bier fließt in Strömen. In der Düsseldorfer Altstadt hat am Freitagnachmittag das Wochenende begonnen. Noch ist es friedlich an der „längsten Theke der Welt”. Aber in der Nacht, wenn der Alkohol und andere Drogen ihre Wirkung zeigen, schlägt die Stimmung rasch um.

Dann ist auch die Polizei nicht mehr sicher vor Attacken. Von denen gab es im vergangenen Jahr in Düsseldorf statistisch gesehen fast täglich eine - insgesamt waren es 357 - 704 Polizisten waren betroffen. Dagegen haben die Beamten nun eine neue „Waffe” - die „Bodycam”.

Die Polizistinnen Zwarte und Schippers sind schon seit zwei Wochen mit den kleinen Kameras auf der Brust auf Streife. Es waren offenbar zwei friedliche Wochen, denn Einschalten mussten sie sie bislang nicht. „Wenn wir die Kamera einschalten, müssen wir unserem Gegenüber Bescheid sagen, dass er ab jetzt gefilmt wird.” So sehe es das Gesetz vor.

Für den Pilotversuch der nordrhein-westfälischen Polizei hat die Düsseldorfer Altstadtwache 50 der rund 1000 Euro teuren Körperkameras bekommen. Landesweit sind 200 Kameras im Einsatz.

Die kleinen Kameras sind kaum größer als eine Zigarettenpackung und haben ein Display, in dem sich der Angreifer selbst sehen kann. „Wir wollen ihnen so den Spiegel vorhalten. Die hässliche Fratze der Gewalt soll direkt im Bild sein, wenn man so will”, sagt Polizist Thorsten Fleiß. Die Botschaft laute: „Du wirst gerade gefilmt.”

Davon verspricht sich die Polizei zwei Effekte: Die Zahl der Attacken auf Polizisten soll sinken. Von 2015 auf 2016 waren die Fälle von Pöbeleien und tätlichen Angriffen auf Polizisten in NRW um über 20 Prozent gestiegen. Im Fall von handfesten Straftaten gegen Beamte soll außerdem die Beweislage vor Gericht deutlich verbessert werden.

Neben Düsseldorf sollen die „Bodycams” auch in Duisburg, Köln, Wuppertal und im Kreis Siegen-Wittgenstein eingesetzt werden. Die Polizei verzichtet auf einen Vorlauf der Kameras. Völlig überraschende Attacken „aus dem Nichts” werden daher auf den Aufnahmen fehlen. In anderen Ländern laufen die Kameras permanent mit und haben beim Einschalten auch schon immer die vorangegangenen 60 Sekunden „im Kasten”.

Die 32-Gigabyte-Speicherkarte lässt sich in der Wache auslesen und die Bilder lassen sich per Beamer an die Wand werfen. „Wir sind begeistert, wie gut die Qualität der Aufnahmen ist”, sagt Fleiß. Auch die Stimmen werden aufgenommen.

Nicht nur bei Einsätzen in der Altstadt mit berauschten Gästen, auch etwa bei häuslicher Gewalt - wenn der Ehemann außer Rand und Band ist - sollen die Kameras künftig laufen - immer, wenn die Beamten sich bedroht fühlen.

Ob die Kameras tatsächlich dafür sorgen, dass die Aggressiven sich gegenüber der Polizei künftig besser im Griff haben, soll wissenschaftlich untersucht werden. Dafür ist ein Team der Fachhochschule in Gelsenkirchen zuständig.

Den Passanten scheint das neue Guckkästchen an der Polizeiuniform ziemlich egal zu sein. „Wir sind bislang noch nicht darauf angesprochen worden”, sagen die beiden Polizistinnen.

(dpa)
Mehr von Aachener Zeitung