Hambacher Forst: Polizei räumt nächstes Baumhausdorf „Kleingartenverein“

Hambacher Forst : Polizei räumt nächstes Baumhausdorf „Kleingartenverein“

Im Rheinischen Braunkohlerevier haben die Behörden die Räumung des Hambacher Waldes fortgesetzt. Am Mittwoch begann die Polizei mit der Räumung des nächsten Baumhausdorfes „Kleingartenverein“.

Nach den Worten eines Polizeisprechers ließen sich etwa 20 Teilnehmer einer Sitzblockade friedlich wegtragen. Parallel begannen in einem weiteren Baumhausdorf „Lorien“ nach Beobachtungen eines dpa-Reporters offensichtlich Vorbereitungen für die nächsten Räumungen.

Junge Birken seien gefällt und auf dem freiwerdenden Platz der Boden verdichtet worden. Aus einer Menschenkette habe sich ein Mensch vor einen Radlader geworfen. Polizisten hätten ihn augenscheinlich unverletzt weggeholt. Bis zum Dienstagabend wurden nach Angaben der Polizei Aachen 53 Baumhäuser abgebaut.

Der Bereich rund um das Dorf „Lorien“ sei durch dichtes Unterholz sehr unübersichtlich. Die Baumhäuser befänden sich in sehr großer Höhe, sagte der Sprecher. Die Polizei legte große Sonnenschirme bereit, um sich damit vor möglichen Fäkalienwürfen zu schützen, wie der dpa-Reporter berichtete.

Rund 750.000 Menschen haben inzwischen eine Online-Petition für den Erhalt des Hambacher Forstes unterschrieben. Allein in den vergangenen 14 Tagen seien etwa 300.000 Unterstützer hinzugekommen, wie eine Sprecherin der Organisation Campact mitteilte. Neben Campact gehören auch die Naturschutzverbände BUND und Greenpeace zu den Initiatoren.

Umweltschützer protestieren seit Jahren dagegen, dass der Energiekonzern RWE weite Teile des Waldes roden will, um Braunkohle zu baggern. RWE hält die Rodung für unerlässlich, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern.

Seit Beginn des Einsatzes vor knapp zwei Wochen wurden laut Polizei 113 Menschen vorläufig festgenommen. Außerdem habe es 222 Gewahrsamnahmen und knapp 670 Platzverweise gegeben. Den Angaben zufolge wurden 30 Polizisten verletzt und 43 Beamte mit Fäkalien beworfen.

Um ausreichend Kräfte in Hambach zu haben, zieht das NRW-Innenministerium Bereitschaftspolizisten unter anderem aus Marxloh im Duisburger Norden ab. Das sei „vertretbar“, teilte das Ministerium am Mittwoch auf Anfrage der SPD-Landtagsfraktion mit. Die Polizei in Duisburg könne die Sicherheit im Norden der Stadt auch ohne Kräfte der sogenannten Hundertschaft Marxloh gewährleisten. Marxloh gilt als ein Problemviertel, in dem Bereitschaftspolizisten die Polizeipräsenz verstärken.

(dpa)