Nach Lügde: Polizei in Region rüstet auf gegen Kinderpornografie

Nach Lügde : Polizei in Region rüstet auf gegen Kinderpornografie

Die Gräueltaten von Lügde haben auch strukturelle Konsequenzen: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die 47 Kreispolizeibehörden angewiesen, das eingesetzte Personal in diesem Deliktbereich mindestens zu verdoppeln.

Der Politiker hatte erschreckt registriert, dass von 1895 anhängigen Kinderpornografie-Verfahren im Bereich nur 228 in der Auswertung sind, allein 557 Durchsuchungsbeschlüsse warten noch auf Vollstreckung.

Beim Polizeipräsidium in Aachen ist das entsprechende Kommissariat schon vor der Ministerweisung aufgestockt worden, sagt Sprecherin Dana Zimmermann. Die Fallzahlen machten es notwendig. Ein Zwischenerfolg: Im Gegensatz zu anderen Behörden seien in Aachen keine Beschlüsse verjährt. „Die Leute sind viel sensibler für das Thema geworden“, sagt sie.

Nicht nur aus der Bevölkerung kommen mehr Hinweise, auch die Betreiber der Server reichen Material ein. Für die Auswertung gibt es eine unterstützende Software, am Ende des Tages muss aber ein geschulter Beamter die Frage beantworten, ob ein Verfahren eröffnet wird. Die Perversionen zu ertragen, bringt auch gestählte Ermittler an ihre Grenzen. Ihnen wird psychologische Beratung angeboten.

Auch bei der Polizei in Düren türmen sich die Datenberge: etwa 20 Terrabyte müssen hier derzeit akribisch begutachtet werden. Der Anblick sei manchmal „unerträglich“, sagt Sprecherin Ingrid Königs. „Dennoch gibt es Freiwillige, die sich der Belastung im Sinne der geschändeten Kinder aussetzen.“ In Düren wird das zuständige Kommissariat personell mehr als verdoppelt, drei zusätzliche Mitarbeiter werden dorthin versetzt. Mehr Personal in dem einen Kommissariat bedeute aber weniger Personal und Arbeitsverdichtung in einem anderen Kommissariat.

Bei der Kreispolizeibehörde in Heinsberg sind derzeit zwei Sachbearbeiter und zwei IT-Fachleute für die Auswertung der Daten zuständig, die Zahl wurde schon im April erhöht, weitere Verstärkung wird geprüft, sagt Sprecherin Angela Jansen. Sie bekräftigt aber auch, dass das Sichten der Videos und Bilder sehr zeitaufwändig sei. „Wie landesweit kommt es deshalb auch in unserer Behörde bei der Bearbeitung zu Verzögerungen.“

(pa)
Mehr von Aachener Zeitung