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Gedenkstunde für Flutopfer: Politiker versprechen Wiederaufbau nach Hochwasser-Katastrophe

Gedenkstunde für Flutopfer : Politiker versprechen Wiederaufbau nach Hochwasser-Katastrophe

Eine „Heimsuchung“ nennt Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Zeit von Pandemie und Flutkatastrophe. Er verspricht, die Opfer in den Hochwassergebieten nicht alleine zu lassen und warnt vor neuen Naturkatastrophen, die der Klimawandel mit sich bringt.

Mit dem Versprechen des Wiederaufbaus haben Landtag und Landesregierung in einer Gedenkstunde der Opfer der verheerenden Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen Mitte Juli gedacht. Vor Angehörigen, Rettungskräften, Helferinnen und Helfern versprach Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch im Landtag: „Auch wenn die Scheinwerfer weg sind, auch wenn keiner mehr berichtet, müssen wir uns selbst verpflichten weiter da zu sein uns weiter zu kümmern. Wenn die nächsten Meldungen schon das Ereignis verdrängen, sind wir es trotzdem den Opfern schuldig, weiter den Wiederaufbau voranzutreiben, den Wiederaufbau von Tausenden privaten Wohnungen und Häusern. Eine solche Aufbauleistung haben wir zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg bewältigen müssen.“

Laschet bezeichnete die Coronavirus-Pandemie und die Jahrhundertflut als eine „Heimsuchung“, die prägend im geschichtlichen Bewusstsein bleiben werde.

In einer Schweigeminute wurde der Opfer der Katastrophe gedacht. Im Plenarsaal waren Kerzen für die Opfer der Flut und weiße Blumengestecke aufgestellt. Auf der Regierungsbank saßen Mitarbeiter der Feuerwehren, des THW, des Roten Kreuzes. 49 Menschen hätten ihr Leben in Nordrhein-Westfalen verloren, weitere acht Menschen aus NRW seien bei der Flut in Rheinland-Pfalz ums Leben gekommen, sagte Laschet.

Landtagspräsident André Kuper versprach neben materiellen Hilfen, die das Parlament schnellstmöglich auf den Weg bringen werde, auch die Aufarbeitung der Katastrophe - „unabhängig von Wahlterminen“. Jetzt sei es wichtig, „die richtigen Schlüsse“ aus der Flut zu ziehen.

Nicole Didion, die als Leitende Notärztin im Flutgebiet im Einsatz war, schilderte in bewegenden Worten, auf welche Zerstörung und Verzweiflung sie getroffen war. „Ich war nicht annähernd darauf vorbereitet, was mich vor Ort wirklich erwartet hat“, sagte sie. „Wir haben erlebt, wie Menschen bis zur völligen Erschöpfung versucht haben, zu retten, was noch zu retten ist.“ Sie habe Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit und Perspektivlosigkeit gesehen. „Materielle Verluste mögen zu ersetzen sein, menschliche Verluste und vertraute Erinnerungen sind es nicht.“

Unwetter mit ungewöhnlich starken Regenfällen hatten Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst. Ganze Landstriche wurden von den Wassermassen verwüstet. Nach ersten Schätzungen entstanden allein in NRW Schäden in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro. Für den Wiederaufbau der betroffenen Gebiete wollen Bund und Länder in den nächsten Jahren 30 Milliarden Euro bereitstellen.

Laut Laschet hat die vom Land initiierte Aktion „NRW hilft“ zudem bislang 13,7 Millionen Euro an Spenden für die Opfer der Flutkatastrophe gesammelt. „Das ganze Land hat Anteil genommen“, sagte Laschet mit Blick auf „NRW hilft“ sowie zahlreiche weitere Spendenaktionen.

Mit Bezug auf den Wiederaufbau habe Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Recht von einem „langen Atem“ gesprochen, den man dafür brauche, sagte Laschet. „Auch wenn die Scheinwerfer weg sind, auch wenn keiner mehr berichtet“, müsse man weiter da sein und dürfe die Menschen im Flutgebiet nicht vergessen.

Der Ministerpräsident kündigte erneut Konsequenzen aus der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen an: „Wenn in Sekunden Wasser da ist, hilft die beste Warnung nicht. Aber wir müssen besser werden im Warnen“, so Laschet. Man wisse, dass Unwetterereignisse wie Starkregen und Dürre „die Folgen des Klimawandels sind.“ Solche Ereignisse würden in den kommenden Jahren „aller Voraussicht nach weiter zunehmen“.

Laschet verwies auf die Stadt New York, die vergangene Woche von einer Sturzflut betroffen war. „Solche Fluten können jeden Ort treffen“, betonte er. Darum komme auch der Anpassung an die Folgen des Klimawandels eine besondere Bedeutung zu.

Über die aktuelle Lage nach der Flut wollte die Landesregierung am Mittwochmittag (12.00 Uhr) berichten. Es war ein Bericht von Innenminister Herbert Reul (CDU) vorgesehen, der eine Aussprache folgen sollte.

(dpa)