Kampagne gegen Motorradlärm: Politik unterstützt Aufruf und fordert Kontrollen

Kampagne gegen Motorradlärm : Politik unterstützt Aufruf und fordert Kontrollen

NRW-Opposition begrüßt Kampagne: Anwohner und Motorradfahrer vor Lärm schützen. Ein Betroffener im Bergischen erzählt.

Die Eifeler Region sucht mit ihrer Aktion Verbündete, um so auch Druck für schärfere Auflagen und höhere Bußgelder in Sachen Motorradlärm zu machen. Das unterstützt der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, André Stinka: „Ich würde strengere Maßnahmen gegen Motorradlärm begrüßen.“ „Wir haben insgesamt eine hohe Lärmbelästigung in unserer modernen Gesellschaft. Und da müssen sich auch Motorradfahrer entscheiden: Will ich Motorrad fahren oder will ich Lärm machen?“

Ein „Kontrolldefizit“ im Umgang mit Motorradfahrern, „die sich über ihren Lärm definieren“, sieht Umweltpolitiker Norwich Rüße (Grüne). „Vor diesem Lärm, der auch krank machen kann, müssen wir sowohl die Anwohner beschützen als auch die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer, die sich vernünftig verhält.“ Die Motorradsaison stehe jetzt an, deswegen würden neue Gesetze, die Zeit brauchen, nicht helfen. Stattdessen müsse vermehrt kontrolliert werden.

Die Eifel ist nicht die einzige Mittelgebirgsregion in NRW, die das Problem Motorradlärm betrifft. Im Bergischen Land hat die Stadt Wermelskirchen reagiert. 2016 und 2017 maß sie den Lärm an Hotspots, die sie zuvor mit Anwohnern erarbeitet hatte, besonders an den Landstraßen 409 und 101 – kurvenreiche Strecken mit schönem Panorama und daher beliebt bei Motorradfahrern. Dabei kam heraus, dass es besonders sonntags laut war, also an jenem Tag der Woche, an dem Anwohner ihre Ruhe haben wollen. Die Stadt stellte daraufhin sogenannte Dialogdisplays auf, die Motorradfahrern signalisierten, ob sie zu laut waren. Das hatte immerhin einen gewissen Effekt. Doch weil das meiste nur auf Bundes- oder EU-Ebene geregelt werden kann, verabschiedete die Stadt im Juli 2018 neun Forderungen, die denen ähneln, die gestern das Aktionsbündnis in Simmerath vorgestellt hat.

Günter Mikoleizig ist einer der Anwohner, die unter diesen schwarzen Schafen leiden. Der 68-Jährige wohnt mit seiner Frau im Wermelskirchener Stadtteil Dhünn-Halzenberg in der Nähe der L409. Am vergangenen Wochenende war das Wetter gut und die Lärmbelastung deshalb wieder groß. „Es gibt Gruppen, die verwechseln die Strecke mit dem Nürburgring“, sagt er. Das führt dazu, dass er am Wochenende kaum in seinem Garten sitzen kann.

Bis zu 200 Motorräder pro Stunde hat er in Spitzenzeiten gezählt – und schätzt, dass 30 bis 40 Prozent ihr Motorrad manipuliert haben, damit es noch lauter ist. 80 Dezibel sind zugelassen, er sagt, es gehe bei einigen Fahrzeugen eher in Richtung 90 bis 100. Mikoleizig plädiert dafür, bestimmte Strecken auch mal zeitweise für Motorradfahrer zu sperren. „Warum soll das nicht gehen?“, fragt er.

(aldo/dal)