Aachen/Köln: Poco-Erpresser: Anklage erhoben

Aachen/Köln: Poco-Erpresser: Anklage erhoben

Die Molotowcocktails, die er in die Lagerhallen in Köln und Aachen warf, hatte er offenbar zu Hause hergestellt, die Polizei fand bei der Wohnungsdurchsuchung noch Reste eines Brandbeschleunigers.

Außerdem fanden die Beamten Schriftstücke, die den Verdacht nahelegen, dass der 43-Jährige aus Lohmar der Täter sein muss. Seit dem 3. Juni sitzt er in Untersuchungshaft, nun hat die Kölner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Mann erhoben.

Im Gewerbegebiet an der Gut-Dämme-Straße sind am Montag das Lager des Möbel-Discounters „Poco“ und das „Selection“-Fitnessstudio komplett abgebrannt. Foto: Ralf Roeger

Sie glaubt, ihm räuberische Erpressung und zwei Fälle von besonders schwerer Brandstiftung nachweisen zu können. Doch der 43-Jährige bestreitet jeden der Vorwürfe.

Poco zahlt nicht

Laut Anklage soll der 43-Jährige am 22. Mai eine Lagerhalle des Möbeldiscounters Poco mit Hilfe mehrerer selbst gebastelter Molotowcocktails in Brand gesetzt haben, der entstandene Sachschaden liegt bei etwa einer Million Euro.

Vier Tage später, am 26. Mai, traf bei Poco ein Erpresserschreiben ein, in dem der 43-Jährige zwei Millionen Euro forderte. Das Schreiben soll er selbst bei Poco eingeworfen haben, wie ein Sprecher des Kölner Landgerichts im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte.

Kurz darauf fand eine fingierte Geldübergabe statt, bei der ein 51 Jahre alter Mann festgenommen wurde, der wie der 43-Jährige in Lohmar wohnt. Aus Mangel an Beweisen musste der 51-Jährige wieder freigelassen werden, doch die Ermittlungen gegen ihn liefen weiter.

Am 29. Mai rief der 43-Jährige laut Anklageschrift selbst bei Poco an und verlieh seiner Forderung Nachdruck. Er verlange zwei Millionen Euro, anderenfalls werde er weitere Gebäude des Möbeldiscounters in Brand setzen. Poco zahlte nicht.

Am Morgen des 1. Juni, einem Montag, ging bei der Aachener Feuerwehr um 3 Uhr die Meldung ein, dass in einem Gewerbegebiet nahe dem Tivoli eine Lagerhalle und angrenzende Gebäude brennen würden. Trotz stundenlangen Einsatzes brannten die Lagerhalle, die Poco gehörte, und ein Fitnesscenter völlig aus. Der Sachschaden ist immer noch nicht genau beziffert, die Kölner Staatsanwaltschaft geht von mehreren Millionen Euro aus, so steht es in der Anklage.

Noch am selben Tag ging bei Poco ein weiteres Schreiben des 43-Jährigen ein, wieder forderte er zwei Millionen Euro.

Nach dem Anschlag in Aachen verstärkte die Polizei ihre Bemühungen, fast 200 Ermittler arbeiteten zeitweise an dem Fall. Bereits zwei Tage später, am 3. Juni, stießen die Beamten auf den 43-Jährigen aus Lohmar und durchsuchten noch am selben Abend seine Wohnung. Wie die Polizei ihn so schnell ermitteln konnte, ließ sie ausdrücklich offen. Allerdings soll er in einem Unternehmen gearbeitet haben, das mit Poco kooperiert. Mehr ist nicht bekannt.

Zwei bis 15 Jahre Haft

Dass die Kölner Staatsanwaltschaft kaum drei Monate nach der Verhaftung des 43-Jährigen Anklage erhebt, ist ein Zeichen dafür, dass sie ihrer Sache sicher ist und die Beweise wirklich stichhaltig sind. Die Ermittlungen gegen den vorübergehend festgenommenen 51-Jährigen aus Lohmar allerdings wurden eingestellt, die gegen einen weiteren zwischenzeitlich Verdächtigen ebenfalls, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

Der Prozess gegen den 43-Jährigen könnte, wenn das Landgericht Köln die Anklage zulässt, noch im Herbst beginnen. Dem Mann droht bei einer Verurteilung eine Strafe zwischen zwei und 15 Jahren Haft.