Tiny Houses: Platz ist in der kleinsten Hütte

Tiny Houses : Platz ist in der kleinsten Hütte

In „ein bis zwei Jahren“ will sich Petra Ferreira dann auch so ein Tiny House bauen und einziehen. Die Bautechnikerin aus Aachen kennt sich gut aus mit diesen „winzigen Häusern“. Und deswegen wird die Expertin am Freitagabend einen sogenannten Impulsvortrag in Aachen halten.

Vor ein paar Wochen hatte sich der Architekt Christoph Allemand, der seit kurzem für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) im Aachener Stadtrat sitzt, eher unverbindlich auf seiner Facebook-Seite nach dem regionalen Interesse für die Mini-Häuser erkundigt. „So einen Rücklauf hatten wir selten“, sagt Allemand, der nun den Info-Abend organisiert hat.

Das Thema trifft gerade einen Zeitnerv. Die Tiny-House-Bewegung ist der Gegenentwurf zur Verschwendungssucht. „Es gibt immer mehr Menschen, die sich für ein besseres Klima einsetzen und achtsam mit den Ressourcen umgehen wollen“, sagt Ferreira. Die Anhänger der „winzigen Häuser“ setzen auf Nachhaltigkeit. „Die verwendeten Materialien sind baubiologisch hochwertig“, sagt Allemand. Der Lebensraum wird verkleinert, Küche, Wohn- und Schlafzimmer werden detailverliebt auf 15 bis 50 Quadratmetern untergebracht.

Informieren über alternative Wohnformen: Petra Ferreira und Christoph Allemand. Foto: ZVA/Christoph Pauli

Die Minimalismus-Idee ist dann irgendwann mal von dem Kontinent hinübergeschwappt, auf dem die Häuser bevorzugt größer geplant werden. Nachdem aber in den USA die Immobilienblase geplatzt ist, verkleinerten sich die Grundrisse enorm. So entstand die Tiny-House-Welle: Manchmal erwarben die Eigentümer Immobilien, häufig aber Mobilheime, die von Küste zu Küste transportiert wurden. Der Trend erreichte bald Kanada und Australien, bevor vor etwa fünf Jahren auch in Europa die ersten Tiny Häuser gesichtet wurden.

Ein neues Zuhause in wenigen Wochen

Geldmangel ist auch auf dem alten Kontinent zuweilen ein Motiv für den Erwerb eines solchen Hauses, das sich vielleicht schon für 20.000 Euro anschaffen lässt. In Zeiten steigender Mieten oder geringer Rentenzahlungen bekommt das alternative Wohnmodell verstärkten Zulauf. Längst gibt es professionelle Anbieter der Holzhäuser, aber auch handwerklich begabte Menschen können sich innerhalb weniger Wochen ein neues Zuhause zimmern.

Die Holzhütten lassen sich stationär errichten, dann unterliegen sie den umfangreichen Bauvorschriften in Deutschland. Oder die Tiny Houses werden auf Anhängern gebaut, weil vielen Eigentümern die Aussicht auf wechselnde Aussicht gefällt. Sie müssen sich dann mit den Vorgaben der Straßenverkehrsverordnungen auseinandersetzen. Aber auch, wer dauerhaft in einem mobilen Tiny House lebt, benötigt eine Baugenehmigung. Solche behördlichen Vorgaben werden dann auch ein Thema des Vortrages von Petra Ferreira am Freitag sein.

Klein aber fein: Die Tiny Häuser werden oft auf Anhängern gebaut. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

In Berlin wird gerade getestet, ob eine Tiny-House-Siedlung nicht für Studenten geeignet ist. Auch die Stadt Düsseldorf prüft, ob und wo das Aufstellen ermöglicht werden kann. Im Naturpark Eifel sind sie schon einen Schritt weiter, bei Mechernich ist eine kleine Siedlung geplant. Das ist die Ausnahme: Die wenigsten Kommunen haben bislang erschlossene Areale für die kleinen Holzhäuser ausgewiesen.

Die Begeisterung für die alternative Lebensform werde anwachsen, vermutet Allemand, der das Thema mit anschieben will. Etwa 10.000 Gegenstände besitzt ein Mitteleuropäer im Durchschnitt. In sein kleines Blockhaus kann er nur ein Bruchteil davon unterbringen, Ballast wird abgeworfen. „Man kann seinen ökologischen Fußabdruck minimieren, spart Geld und gewinnt mehr Zeit für wichtige Dinge“, sagt Ferreira über die alternative Wohnform.

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