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Aachen: Pilgern à la Hape Kerkeling

Aachen : Pilgern à la Hape Kerkeling

Tausende Menschen tun es Jahr für Jahr: pilgern. Entertainer Hape Kerkeling ist den Jakobsweg nach Santiago de Compostela gegangen und hat darüber sogar einen Bestseller geschrieben. Am 5. Juni machen es ihm unter anderen 3550 Schüler nach und pilgern auf dem Jakobsweg.

Allerdings nicht in Spanien, sondern in Aachen während der Aachener Heiligtumsfahrt 2007. Ein Teil des Jakobswegs führe vom Aachener Ortsteil Kornelimünster in die Aachener Innenstadt, erläutert Franz-Josef Staat, Leiter des Wallfahrtsbüros. Er weiß auch, dass der Pilgergedanke dank Kerkeling wieder deutlich populärer geworden sei. „Das Buch hat schon seine Bedeutung. Und das Pilgern erfährt Gott sei Dank heute wieder eine Bedeutung. Die Menschen suchen wieder nach Inhalten.”

„Die Menschen”, das sind im Fall der traditionsreichen Aachener Heiligtumsfahrt, die seit 1349 alle sieben Jahre stattfindet und auf Kaiser Karl den Großen zurückgeht, rund 100.000 Pilger, die vom 1. bis 10. Juni in Aachen erwartet werden. „Die Aachenfahrt ist eine Tagespilgerfahrt. Wenn das Wetter mitspielt, hoffen wir, dass die Zahl der Pilger sechsstellig wird”, sagt Staat.

Ähnliche große Zahlen soll es bereits im Mittelalter gegeben haben: Gegen Ende des 15. Jahrhunderts, als die Stadt 10.000 Einwohner hatte, zählte man an einem einzigen Tag 142.000 Pilger an den Stadttoren. Im Mittelalter war die Aachener Heiligtumsfahrt so bedeutend wie die Wallfahrten nach Rom, Jerusalem oder Santiago de Compostela.

In Aachen werden die vier Reliquien gezeigt, die der Patriarch von Jerusalem Karl dem Großen 799 übergeben haben soll: das Kleid Mariens, die Windeln Jesu, das Enthauptungstuch Johannes des Täufers und das Lendentuch Christi. Diese Heiligtümer werden sieben Jahre lang im Marienschrein im Aachener Dom aufbewahrt, der nur für die Heiligtumsfahrt geöffnet wird - in diesem Jahr bei der Eröffnungsvesper am 1. Juni um 19 Uhr.

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff erhebt die Heiligtümer dann feierlich in Gegenwart von Vertretern der Stadt. Beim jeweiligen Oberbürgermeister der Stadt liegt die Mitverantwortung für den Schutz der Reliquien des Marienschreins. Der Schlüssel zum Schloss, das den Marienschrein nach der Heiligtumsfahrt wieder verschließt, wird zerbrochen, die Teile gehen an das Domkapitel und an den Oberbürgermeister.

Zur so genannten Erhebung der Heiligtümer muss das Schloss am Marienschrein aufgebrochen werden. Das zerbrochene Schloss geht an die Domschatzkammer; das neue Schloss wird traditionell von einem Gold- oder Silberschmied aus dem Bistum Aachen angefertigt.

Ob die Heiligtümer, die während der Heiligtumsfahrt täglich um 11 Uhr während der Pilgermesse auf dem Aachener Katschhof und danach im Oktogon des Doms zu sehen sind, tatsächlich echt sind oder nicht, spiele eine eher untergeordnete Rolle, sagt Dompropst Herbert Hammans: „Die Reliquien sollen unseren Glauben echt machen. Es sind Symbole, in die im Laufe von 1200 Jahren unheimlich viel hineingewebt wurde: die Not, Tränen und Hoffnung einfacher Leute. Die Echtheit ist da kein Problem. Die Geschichte der Pilger, die in die Tücher aufgenommen wurde, rechtfertigt schon ihre Verehrung.”

Auch in Kornelimünster, einem etwa zehn Kilometer südlich der Innenstadt gelegenen Stadtteil, sind Reliquien zu sehen. Ludwig der Fromme, der Sohn Karls des Großen, stattete die freie Reichsabtei mit Reliquien aus dem Schatz seines Vaters aus. So sind denn während der Wallfahrt in Kornelimünster das Schürztuch, das Grabtuch sowie das Schweißtuch Jesu zu sehen.