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Köln: Pfarrer nach Streit mit Kardinal Meisner suspendiert

Köln : Pfarrer nach Streit mit Kardinal Meisner suspendiert

Nach einem schweren Konflikt mit dem Kölner Kardinal Joachim Meisner ist der Meckenheimer Pfarrer Michael Jung von der Ausübung des Priesteramtes suspendiert worden.

Das teilte das Erzbistum Köln am Abend mit. Die Bistumsleitung hatte Jung diesen Schritt angedroht, falls er nicht bis zum Mittwochmittag eine Erklärung über den Verzicht auf sein Amt unterzeichne.

Jung hatte sich geweigert. Dem Pfarrer wird vorgeworfen, die bischöfliche Visitation (Besuch) verweigert, Mitarbeiter zur Illoyalität gegenüber dem Erzbistum aufgerufen und das Bistum wegen verschiedener Sparmaßnahmen der Untreue bezichtigt zu haben.

Der Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp bedauerte die Suspendierung Jungs. Sie sei durch dessen Haltung aber unumgänglich geworden war.

Jung hatte am Mittwoch auf einer improvisierten Pressekonferenz vor seiner Pfarrkirche Meisner aufgefordert, seine zuvor ausgesprochene Amtsenthebung vom Pfarramt sofort zurückzunehmen. Er warf dem Kardinal unter Verweis auf widersprüchliche Schreiben vor, die Kontrolle über das Generalvikariat verloren zu haben.

Das Auftreten von Priestern und Mitarbeitern des Erzbistums in den vergangenen Tagen habe ihn wütend gemacht, sagte Jung. „Ich glaube aber, dass es sich dabei im Wesentlichen um den ehrlich gemeinten, allerdings inzwischen nicht mehr tragbaren Versuch handelt, das Verhalten von Kardinal Meisner zu tarnen, um Schaden von der Kirche abzuhalten.”

Die seit Monaten anhaltenden Querelen zwischen Jung und dem Erzbistum hatten am Freitag ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden: Jung weigerte sich, seine Amtsenthebung zu akzeptieren und die Schlüssel einem „Pfarrverweser” zu übergeben. Am Samstag erwirkte er beim Landgericht Rheinbach eine einstweilige Verfügung.

Darin wurde dem Erzbistum Köln aufgegeben, auf die Verlesung eines „Proclamandums”, der Begründung für die Amtsenthebung, zu verzichten. In dem Proclamandum hatte es unter anderem geheißen, Jung habe ein völlig inakzeptables und unangemessenes Verhalten an den Tag gelegt und alle Angebote zur Konfliktlösung verweigert.

Zu einem für Dienstag anberaumten Treffen im Kölner Generalvikariat erschien Jung nicht. In einem Brief an Meisner schrieb er, das Gespräch diene nicht der Klärung der Situation, sondern habe ausschließlich „die Umsetzung Ihres unrechtmäßigen Dekrets zum Ziel”. Der eigentliche Grund des Streits ist unklar.

In einem Brief an die Kirchenvorstände in Meckenheim bezeichnete Generalvikar Schwaderlapp den Konflikt am Mittwoch als „mehr als traurig”. Jung spiele sich „zum Richter über die Legitimität der gegen ihn nach einem monatelangen Verfahren getroffenen Entscheidung auf”.

Er suche deren Bekanntgabe sogar durch Einschaltung staatlicher Gewalt zu verhindern. Kardinal Meisner sehe derzeit keine andere Möglichkeit als die Suspendierung. Mit der Suspendierung sind Jung die Feier der Heiligen Messe und die Sakramentenspendung sowie alle priesterlichen Amtshandlungen untersagt.