Pfarrer aus Hückelhoven soll 120.000 Euro veruntreut haben

Verdacht in Hückelhoven : Hat der Pfarrer 120.000 Euro veruntreut?

Ein Geistlicher soll in Hückelhoven Geld aus der Gemeindekasse genommen haben. Der Fall schien klar, doch die Ermittlungen sind mittlerweile ins Stocken geraten.

Die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft hat die Anklage gegen den früheren Hückelhovener Pfarrer K. vorläufig zurückgezogen. Das teilte das Landgericht Mönchengladbach am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung mit. Der Pfarrer wird verdächtigt, fast 120.000 Euro aus der Kasse der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven veruntreut zu haben.

Dieser Verdacht bestehe auch weiterhin, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte. Doch das Amtsgericht Mönchengladbach, das zu entscheiden hat, ob die Beweise ausreichen, um einen Prozess gegen den Pfarrer zu eröffnen, hat der Staatsanwaltschaft zu verstehen gegeben, dass weitere Ermittlungen notwendig seien. Das bedeutet: Aufgrund der bislang zusammengetragenen Beweise ist es nicht wahrscheinlich, dass der Pfarrer gerichtlich verurteilt werden kann.

Der Verdacht gegen Pfarrer K. war erstmals im Frühjahr 2018 aufgekommen. Damals hatte eine interne Untersuchung des Bistums Aachen, zu dem die GdG Hückelhoven gehört, ergeben, dass ein relevanter Betrag aus der GdG-Kasse entnommen worden war und ein Zusammenhang mit Pfarrer K.s Amtsführung bestehen könnte. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren, und im Laufe des Jahres 2018 erhärtete sich der Verdacht. gegen den Geistlichen.

22 Überweisungen, 119.355,72 Euro

In der nun zurückgezogenen Anklageschrift, die im Frühjahr 2019 verfasst und dem Amtsgericht Mönchengladbach vorgelegt wurde, war die Rede von 22 Überweisungen, die Pfarrer K. zwischen Januar 2017 und Februar 2018 unrechtmäßig veranlasst haben soll. Danach fehlten 119.355,72 Euro in der Gemeindekasse, wie ein Gerichtssprecher gegenüber unserer Zeitung vergangenen April erklärt hatte. Das entspräche pro Überweisung im Schnitt fast 5500 Euro.

Völlig unklar ist jedoch, was mit dem Geld im Weiteren passiert ist. Weder der Gerichtssprecher noch K.s Anwalt wollten sich im April dazu äußern. Ob Pfarrer K. das Geld behalten, für sich ausgegeben oder an Dritte weitergeleitet hat, blieb offen. Möglich ist allerdings, dass es bei den nun eingeleiteten Nachermittlungen genau um die Beantwortung dieser Fragen geht.

Ergebnisse bis Ende August

Im Laufe des Jahres 2018 gelang es der Staatsanwaltschaft noch, einen Teil des Vermögens von Pfarrer K. sicherzustellen und zu beschlagnahmen. Dabei handelte es sich nach Informationen unserer Zeitung um einen Betrag in etwa der gleichen Höhe, die Pfarrer K. der GdG-Kasse entnommen haben soll.

Der 1963 geborene Geistliche hatte erst im März 2016 die Leitung der GdG Hückelhoven übernommen, vorher war er unter anderem als Militärpfarrer im Ausland tätig. Doch bereits im Februar 2018, also nicht einmal zwei Jahre nach seinem Dienstantritt in Hückelhoven, bat K. den Aachener Bischof Helmut Dieser überraschend darum, ihn von der Leitung der GdG zu entpflichten – „aus persönlichen Gründen“, wie es damals hieß. Am 5. März 2018, als die finanziellen Unregelmäßigkeiten in Hückelhoven dem Bistum bekannt geworden waren, kam Bischof Dieser Pfarrer K.s Bitte nach.

Der Pfarrer zieht aus Hückelhoven weg

Seit das Bistum ihn entpflichtet hat, zahlt es K. eine sogenannte Sustentatio, einen geringen monatlichen Unterhalt, von dem er lebt. Wo der Pafrrer mittlerweile lebt, möchte das Bistum Aachen nicht sagen, nur so viel: Im Gebiet der GdG Hückelhoven lebt er inzwischen nicht mehr.

Bis Ende August sollen die Nachermittlungen gegen Pfarrer K. abgeschlossen sein, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach am Donnerstag mitteilte. Danach wird die dann ergänzte Anklageschrift voraussichtlich erneut dem Amtsgericht Mönchengladbach vorgelegt.