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Köln: Pfälzer ersteigern „Das Wunder von Bern”

Köln : Pfälzer ersteigern „Das Wunder von Bern”

Fritz Walter, der große alte Kicker von 1954, wird sich am Samstag gewiss breit über die Himmelsbalustrade gelehnt und lächelnd auf Köln geblickt haben.

Denn im Sportmuseum der Domstadt kam am Wochenende der einzige bekannte Farbfilm der legendären Fußball-Weltmeisterschaft von 1954 unter den Hammer.

Er kehrt zurück in Walters Heimatstadt Kaiserslautern, ersteigert für 7600 Euro von einem Beauftragten der Kommune. Die will den Film im kommenden Jahr in den Mittelpunkt einer Ausstellung zum 50. Jahrestag des „Wunders von Bern” stellen.

Ausgerichtet wurde die Versteigerung von der Kasseler Firma „Agon Sports World”, nach Aussage von Auktionator Wolfgang Fuhr das drittgrößte Sport-Auktionshaus der Welt.

Den Zuschlag erhielt für die Stadt Kaiserslautern Dirk Leibfried, der mit seiner Kommunikationsagentur „vis-à-vis” die Ausstellung im Kulturzentrum „Kammgarn” vorbereitet - und außerdem die Stadionzeitung des 1. FC Kaiserslautern produziert.

Bis vor einiger Zeit spielte er in der Reserve-Elf des SV Alsenborn. Der Club mischte als Dorfverein lange Zeit die Regionalliga auf und war damals bei seiner Gründung mit juristischen Tricks aus der 2. Bundesliga gehalten worden.

So nimmt es denn auch kaum Wunder, dass Leibfried bei der Auktion „einen gewissen Thrill” nicht verleugnen konnte und wollte. Warum sich Kaiserlautern so engagierte? „Weil in der WM-Elf von 1954 fünf Lauterer standen”, so Leibfried.

Und natürlich, weil dort 2006 Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen werden. Der auf 16-Millimeter-Material gedrehte Film, der bei einer Spieldauer von 65 Minuten Szenen aus neun Spielen - darunter auch das Finale Deutschland-Ungarn - zeigt, ist übrigens nicht die einzige Kostbarkeit, die Leibfried für das Lauterer WM-Büro (das die Ausstellung organisiert) ersteigert hat.

Auch für eine Endspiel-Karte und ein Programmheft sowie den nach Abschluss der 1954er WM veröffentlichten Bildband des „Kicker” erhielt er den Zuschlag.

Die Dokumente zu den Ruhmestaten der Brüder Fritz und Ottmar Walter und ihrer Mitstreiter sind übrigens nicht die einzigen Kostbarkeiten, die in Köln neue Besitzer fanden.

Unter anderem wurden ein Orginaltrikot der portugiesischen Spielerlegende Eusebio und ein Torwart-Handschuh Toni Schumachers von dessen Abschiedsspiel am 14. April 1992 versteigert.

Dirk Leibfried und seine Mitstreiter müssen derweil noch ein weiteres Problem lösen: Den Film besitzen sie zwar jetzt - aber noch nicht die Aufführungsrechte. Die liegen noch bei der Erbin des Besitzers der Firma Burlet, die 1954 den Film gedreht hat.