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Vollgelaufene Keller, umgekippte Bäume: Pegelstände in der Region sinken nach Sturm

Vollgelaufene Keller, umgekippte Bäume : Pegelstände in der Region sinken nach Sturm

Tief Roxana ist am Sonntag durch die Region gezogen. Keller liefen voll, Bäume stürzten auf Straßen und die Pegelstände der Flüsse wurden kontrolliert. Größere Einsätze gab es aber nicht. Die Lage entspannte sich am Montag weiter.

Nachdem am Samstag noch die Sonne über der Region geschienen hatte, sorgte das Sturmtief Roxana dafür, dass die Menschen am Sonntag lieber in ihren Häusern blieben. Den ganzen Tag über regnete es, dazu kamen starke Windböen.

Auf vielen Straßen bildeten sich größere Pfützen, dazu behinderten heruntergefallene Äste mancherorts Autofahrer. Das rief auch immer wieder die Feuerwehren in der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Düren und Heinsberg auf den Plan. Am Abend hin kämpfen die Einsatzkräfte der Feuerwehr in der Städteregion Aachen mit erhöhten Pegelständen. Das heißt: vollgelaufene Keller auspumpen und die Flüsse und Bäche genau beobachten. Einige Fahrbahnen waren am Sonntag vorübergehend überflutet. Mit der Situation vom Hochwasser im Juli sei das allerdings nicht zu vergleichen.

Am Sonntagabend gegen 20.30 Uhr war die Lage in Eschweiler und Stolberg angespannt, aber laut Feuerwehr nicht kritisch. „Wir bereiten uns dennoch auf alles vor und sind zu jedem Zeitpunkt in der Lage einzugreifen“, versichert Michael Konrads, Pressesprecher der Feuerwehr in Stolberg, auf Anfrage unserer Zeitung. Der Vichtbach war an einer Stelle übergelaufen, dort sei ein Feld unter Wasser gesetzt worden. Die Feuerwehr berichtet außerdem von einem vollgelaufenen Keller. An zwei Einsatzstellen wurden Häuser mit Sandsäcken geschützt. In Eschweiler fielen die Pegelstände seit 2 Uhr in der Nacht wieder.

Die Hochwasserkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021 hat in den beiden Städten tiefe Spuren hinterlassen. Auch in der Erinnerung vieler Menschen, die die Flut erlebt haben – und mit ihr die bis dato unvorstellbare Zerstörung, die sie angerichtet hat. Das zeigt sich auch im Laufe des Sonntags, an dem sich nach stundenlangen sintflutartigen Regenfällen immer mehr besorgte Menschen bei den Feuerwehrwachen melden.

Im Kreis Heinsberg machte besonders der Wind Probleme. Die Feuerwehr Gangelt musste am Nachmittag zu einem sturmbedingten Einsatz ausrücken. Zwischen den Ortschaften Buscherheide und Kievelberg wurde von teils heftigen Sturmböen ein Baum entwurzelt und gegen eine Überführung an der Bundesstraße 56 gedrückt. Die Einsatzkräfte zerkleinerten den Baum und sicherten die Gefahrenstelle. Nach einer halben Stunde war Einsatz schon wieder beendet. Wegberg war ebenfalls stark betroffen, dort fielen Bäume auf die Fahrbahn und auf ein parkendes Fahrzeug. Auch eine Oberleitung wurde zerstört. In Geilenkirchen fielen Dachziegel von einem Haus. Heinsberg berichtet von umgefallenen Bäumen und Mülltonnen, die auf Radwege und Fahrbahnen geweht wurden.

 Mit einer Motorsäge zerkleinerten die Feuerwehrleute den Baumstamm.
Mit einer Motorsäge zerkleinerten die Feuerwehrleute den Baumstamm. Foto: Feuerwehr Gangelt/Oliver Thelen

In Nideggen im Kreis Düren war am Abend der Krisenstab zusammengekommen, um über die steigenden Pegel der Bäche in Muldenau, Embken und Wollersheim und das Vorgehen für die Nacht zu beraten. Gegen 1 Uhr meldete Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos), dass die Pegelstände in allen Ortsteilen spürbar sinken. Krisenstab und Einsatzkräfte rückten ab. Schon am Nachmittag waren Sandsäcke gefüllt und an die kritischen Stellen der Gewässer und Muldenau, Embken und Wollersheim gebracht worden. Laut Schmunkamp hätten viele kleine Maßnahmen dafür gesorgt, dass die Stadt nun besser für solche Fälle aufgestellt sei, als im vergangenen Sommer. Gleichwohl merkte man auch in Nideggen, dass der Schrecken aus dem Sommer 2021 einigen Menschen noch sehr präsent ist.

Die Polizei Düren wurde am Sonntag überwiegend in den Nachmittag- und Abendstunden zu rund 24 Einsätzen alarmiert. Es wurden Pkw-Anhänger, Baumaterial, Schilder und Bauzäune durch den oft stürmigen Wind umgeweht. Auch Verkehrszeichen ragten vereinzelt in die Fahrbahn. Die Gegenstände konnten durch die Polizeibeamten gesichert werden. Umgestürzte Bäume oder Äste auf der Fahrbahn mussten in einigen Ortsteilen durch den Einsatz der Feuerwehren beseitigt werden.

In zwei Fällen kam es zu Unfällen, die mit dem Wetter in Zusammenhang stehen. In Düren-Birkesdorf in der Nordstraße wurden einem Autofahrer gegen 20.40 Uhr zwei Verkehrsbaken durch starken Wind gegen den Wagen geschlagen. Dabei entstand aber nur geringer Sachschaden. In Hürtgenwald wurde ein Auto gegen 18.15 Uhr während der Fahrt auf der Bundesstraße 399 von einem umfallenden Baum getroffen. Der Fahrer hatte allerdings Glück im Unglück und trug nur leichte Verletzungen davon, wie die Freiwillige Feuerwehr Hürtgenwald berichtet.

In der Nacht zum Montag beruhigte sich die Wetterlage, jedoch entstanden ab 4 Uhr aufgrund überfrierender Nässe und Schneefall in den Höhenlagen wie Hürtgenwald-Raffelsbrand teils schwierige Straßenverhältnisse. Durch einen querstehenden Lkw konnte die B399 in Fahrrichtung Simmerath nicht freigeräumt und gestreut werden. Derzeit kann noch nicht bestimmt werden, wann die Strecke nach der Sperrung wieder freigegeben wird.

In den benachbarten Niederlanden kam es ebenfalls zu sturmbedingten Einsätzen. Ein Teil einer Hausfassade in Kerkrade war eingestürzt. Es wurde dabei niemand verletzt, jedoch entstand erheblicher Schaden am Gebäude.

Im Rest von NRW meldeten die Feuerwehren bis zum Sonntagnachmittag allenfalls vereinzelt Einsätze – vom umgekippten Baum bis zur vom Wind auf die Autobahn gewehten Plane. Größere Hochwasserlagen wurden nicht bekannt. Gleichwohl riefen die Feuerwehren von Hagen und Wuppertal/Solingen Anwohner entlang der Flüsse zu besonderer Vorsicht auf, sollten Gewässer über die Ufer treten oder Keller volllaufen.

Für Teile der Westeifel, des Bergischen Landes, Sauer- und Siegerlandes sowie des Eggegebirges hatte der Deutsche Wetterdienst Warnungen vor Dauerregen ausgegeben: Es seien Niederschlagsmengen von 30 bis 50 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden zu erwarten. Bis Sonntagmittag waren etwa in Hückeswagen oder Meinerzhagen im Bergischen Land Regenmengen von mehr als 30 Litern in zwölf Stunden gemessen worden. Die erwarteten Niederschlagsmengen seien jedoch deutlich geringer als bei der Hochwasserkatastrophe im Juli, hatte ein Meteorologe bereits am Samstag beruhigt. Bei der großen Flut hatte es über eine noch längere Zeitspanne deutlich größere Mengen Regen gegeben.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) berichtete am Sonntagnachmittag von moderat steigenden Wasserständen in weiten Landesteilen. An mehreren Hochwassermeldepegeln überschritten die Wasserstände im Tagesverlauf die erste Schwelle, ab der das Lanuv vor der Gefahr überfluteter land- und forstwirtschaftlicher Flächen und leichten Verkehrsbehinderungen warnt. So wurden entlang der Volme sowie der Ruhr im Sauerland, der Sieg in Südwestfalen sowie am Vichtbach in der Eifel am Sonntagnachmittag Pegelstände oberhalb dieses Schwellenwerts gemessen.

Zum Abend hin sind sowohl Wind als auch Regen langsam abgeflaut. Auch am Montagmorgen war die Wetterlage entspannt.Vor allem im Bergland und in der Nordosthälfte könne es noch einige Regen- und Schneeschauer mit Glätte geben, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Morgen in Essen mit. Zum Nachmittag hin lockere es von Westen her auf. Bei Höchstwerten zwischen sechs und neun Grad soll es verbreitet böig bleiben, in höheren Lagen sei vereinzelt auch mit stürmischen Böen zu rechnen.

In der Nacht zu Dienstag bleibt es laut DWD-Vorhersage meist trocken, im Norden und Nordwesten könne es noch einzelne Schauer geben. Die Temperaturen sinken demnach auf vier bis zwei Grad, im Bergland sind minus zwei Grad möglich. Der Wetterdienst warnt vor glatten Straßen durch gefrierenden Regen oder Sprühregen.

(cheb/smb/nick/gro/jas)