Aachen: Patenprojekt: Interkulturelle Unterschiede gemeinsam meistern

Aachen : Patenprojekt: Interkulturelle Unterschiede gemeinsam meistern

Mit 17 Jahren ist der heute 22-jährige Sajad aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. Vor vier Jahren lernte er in Aachen durch das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe „Maria im Tann“ seine Patin Barbara kennen. Bis heute sind die beiden ein starkes Team, das sich gegenseitig viel Vertrauen schenkt.

Barbara fühlte sich damals machtlos, wenn sie Nachrichten aus Kriegsgebieten sah. Sie wollte unbedingt helfen — und hat sich schließlich für eine Patenschaft entschieden. „Das ist meine Strategie gegen meine Ohnmacht“, sagt die 58-jährige Lehrerin. „Bei dieser Patenschaft habe ich das Gefühl, dass ich wenigstens in einem ganz kleinen Bereich etwas tun kann.“

Anfangs war vor allem die Wohnungssuche eine Aufgabe, die beide gemeinsam angingen. Sajad und Barbara sahen sich dadurch häufig und konnten einander intensiv kennenlernen. Seit Mai 2015 sind Barbara und Sajad nun offiziell Teil des „Aachener Hände Patenprojekts“.

Sajad, der eine Ausbildung zum Raumausstatter macht und bereits sehr gut Deutsch spricht, ist dankbar dafür, Barbara an seiner Seite zu haben. Dank ihr habe er viel über die deutsche Kultur, Politik und verschiedene Religionen lernen können. „Das war sehr wertvoll“, sagt er. Aber auch Barbara hat Aachen durch die Patenschaft noch einmal neu kennengelernt und geht heute mit anderen Augen durch die Stadt.

Lächelnd blicken beide heute auf Missverständnisse der Vergangenheit zurück, etwa als Sajad einer Kollegin nach deren Urlaub mit den Worten „Du bist dick geworden.“ ein Kompliment machen wollte. „Ich musste erst einmal lernen, dass so etwas in Deutschland nicht gut ankommt“, sagt der 22-Jährige.

Wenn er solche neuen Dinge lernt, nimmt er diese nicht nur für sich auf, sondern trägt sie auch an andere weiter. Der Kontakt zu anderen Menschen sei ihm generell wichtig, denn er sei der Meinung, dass man sich selbst einbringen muss, um sich in Deutschland zu integrieren. Ereignisse, wie der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember vergangenen Jahres, machen ihn sprachlos — und er hat Angst, dass dadurch alle Flüchtlinge als Verbrecher gesehen werden.

Barbara und Sajad sind inzwischen ein eingespieltes Team und schätzen es, dass sie einander so viel Respekt entgegenbringen. Sie hoffen, auch in Zukunft immer den Kontakt zueinander halten zu können.

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