Düsseldorf: „Osmanen-Rocker“ haben 156 Mitglieder in NRW

Düsseldorf: „Osmanen-Rocker“ haben 156 Mitglieder in NRW

Mit einer bundesweiten Razzia ist die Polizei gegen die türkisch-nationalistische Gruppierung „Osmanen Germania“ vorgegangen. Die Durchsuchungen fanden in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen statt. Allein in NRW, wo 800 Polizisten im Einsatz waren, wurden 41 Räumlichkeiten in 20 Städten durchsucht — unter anderem in Köln, Gladbeck, Wuppertal und Radevormwald.

Sichergestellt wurden Kutten, Datenträger, Schriftstücke, Waffen und Drogen.

Die Gruppierung steht nach Einschätzung des NRW-Innenministeriums in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und vertrete türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen. Es soll auch Kontakte ins Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geben. Beim Landeskriminalamt NRW werden die „Osmanen Germania“ im Lagebild „Rockerkriminalität“ geführt, das unserer Redaktion vorliegt. Darin heißt es, dass die Gruppierung über eine sehr ähnliche Aufbaustruktur verfüge wie die sogenannten Outlaw-Motorcycle-Gangs (OMCG) wie Bandidos und Hells Angels.

Demnach haben die „Osmanen“ in NRW 156 Mitglieder und zwölf Chapter (Vereinsheime). Bundesweit zählen die Behörden 300 Mitglieder mit 22 Ortsgruppen. Ein Teil der Mitglieder sollen ehemalige Bandidos und Hells Angels seien, die übergelaufen seien, heißt es aus Polizeikreisen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte: „Wir lassen uns von diesen Organisationen nicht blenden.“

Erich Rettinghaus, NRW-Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) betonte, dass die Mitglieder der „Osmanen“ brandgefährlich und gut ausgebildet im Nahkampf seien. „Früher hätte man sie als Straßengang bezeichnet. Aber heute fallen sie unter die Kategorie Rocker, weil sie sich bewusst deren Elemente wie den Kutten bedienen, auch wenn sie nach außen hin betonen, nur ein Boxclub zu sein“, erklärt Rettinghaus.

Das Bundesinnenministerium warnt, dass der Vereine „Osmanen Germania BC“, dessen Mitglieder überwiegend türkischstämmig sind, nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Er bezeichne sich als Boxclub und gebe vor, Jugendliche von der Straße holen zu wollen, hieß es. Tatsächlich aber liege der Zweck „in der gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber rockerähnlichen Gruppierungen“. So kam es in der Vergangenheit immer wieder zum Bandenkrieg mit der kurdischen Gruppierung „Bahoz“, die ebenfalls als „rockerähnlich“ eingestuft wird.