Düsseldorf: Opposition kritisiert „Notruf-Chaos”

Düsseldorf : Opposition kritisiert „Notruf-Chaos”

Die Erreichbarkeit der Polizei in Nordrhein-Westfalen unter der Notrufnummer 110 lässt nach Ansicht der Opposition sehr zu wünschen übrig. Seit 2012 seien mehr als eine halbe Million Notrufe nicht angenommen worden, kritisierte der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Theo Kruse, am Donnerstag und sprach von einem „Notruf-Chaos”.

Der dem Landtag vorgelegte Bericht von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeichne ein erschreckendes Bild. Tatsächlich seien wohl noch weit mehr als eine halbe Million Notrufe nicht angenommen worden, denn jede dritte Kreispolizeibehörde habe keine Zahlen geliefert, so Kruse weiter. Die Dunkelziffer der verloren gegangenen Anrufe dürfte somit noch weitaus höher liegen.

Die Quoten der nicht angenommen Notrufe sind von Polizeibehörde zu Polizeibehörde unterschiedlich. Von im Durchschnitt sechs Prozent nicht angenommener Notrufe, berichtete die Opposition, bei einzelnen Behörden seien es in manchen Monaten sogar zwölf Prozent. Das Ministerium wollte keine Quoten nennen: Die Erfassung sei nicht einheitlich. Manche Behörden hätten sämtliche nicht angenommenen Anrufe erfasst, andere nur die, bei denen der Anrufer länger habe klingeln lassen.

Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, durch die längst überall verfügbaren Handys würden bei Notfällen wie Feuer oder Explosionen die Zahl der Notrufe in die Höhe schnellen. „Da greifen dann 30 Leute zum Handy und viele kommen erst einmal nicht durch. Trotzdem wird der Notfall erfasst und Hilfe geschickt.”

Es könne allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass in einer solchen Flut auch Hinweise auf andere Notfälle untergehen. „Wir wollen deswegen neue Leitstellentechnik”, sagte der Ministeriumssprecher. Bei Überlastung könnten dann weitere Polizei-Leitstellen mithelfen, die Notrufe anzunehmen. Einen Zeit- und Kostenplan zur Einführung der neuen Technik gebe es aber noch nicht.

(dpa)
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