Malmedy: Omelett-Festival trotz des Eier-Skandals

Malmedy: Omelett-Festival trotz des Eier-Skandals

Viele Köche verderben den Brei? Nicht in Malmedy. Dort werden sogar viele Köche gebraucht, damit das gigantische Omelett in der Pfanne nicht anbrennt. Jedes Jahr am 15. August feiert die belgische Kleinstadt ihr Omelett-Festival. In diesem Jahr fand es zum 22. Mal statt. Davon konnte die Veranstalter weder der aktuelle Eier-Skandal abhalten noch das Unwetter mit Starkregen, das über die Region zog.

Noch kurz bevor sich die Bruderschaften zum traditionellen Festumzug bereit gemacht hatten, schüttete es wie aus Eimern. Der ganze Place de Rome sah aus wie leer gefegt. Kaum ein Besucher stand hinter den Absperrgittern. Einzig das Holzfeuer, über dem später das Omelett zubereitet werden sollte, trotzte dem Regen.

Zusammen mit vielen Helfern verteilt Anika Gangolf (rechts) das Omelett an die wartende Menge. Foto: Katharina Menne

Doch es riss nicht nur pünktlich zur Mittagszeit der Himmel auf, auch der Eier-Skandal bereitete der „Bruderschaft des Riesen-Omeletts“ eher Freude als Schrecken. „Es haben sich noch nie so viele Medien für uns interessiert“, sagte Anika Gangolf, Gründungsmitglied der Bruderschaft, am Dienstag während der Veranstaltung. „Letztlich ist der Skandal eine unerwartet effektive Werbung für unser Fest.“

Angst davor, dass die Eier mit Fipronil verseucht sein könnten, schien keiner der etwas über Tausend Besucher zu haben. Auch Heidemarie Cohnen nicht. Sie war zusammen mit ihrem Mann aus Aachen angereist und das erste Mal beim Omelett-Festival dabei. „Es ist fantastisch, wie auch die Kinder schon miteinbezogen werden“, sagte sie. „Die sind mit Eifer dabei.“ Über den Eier-Skandal habe sie gelesen. „Ich habe aber keinerlei Sorge, dass mit den Eiern etwas nicht stimmen könnte.“

Diese Sorge sei auch völlig unbegründet, betonte Bénédicte Mathy, die Präsidentin der Bruderschaft. „Wir haben uns viel Mühe gegeben, Eier zu finden, die unbedenklich und zertifiziert sind. Viel schlimmer ist das schlechte Wetter. Das hat bestimmt viele, die kommen wollten, davon abgehalten, sich überhaupt auf den Weg zu machen.“

Deshalb landeten in diesem Jahr auch nur knapp über 6000 von den 10.000 vorrätigen Eiern in der Pfanne. Die waren zuvor alle kontrolliert worden. Etwas mehr als 8000 Eier stammten demnach von einer Farm, die im rund 40 Kilometer entfernten Aubel liegt. Die restlichen Eier waren von zwei Supermarkt-Ketten geliefert worden, die die Veranstaltung sponsern.

Doch bevor die Eier zusammen mit einer entsprechend großen Menge Pflanzenöl, Speck, Schnittlauch und Gewürzen in der Pfanne verrührt werden konnten, mussten sie erst aufgeschlagen werden. Große und kleine Helfer wuselten dazu auf dem Platz wild durcheinander. Es grenzte an ein Wunder, dass nur wenige Eier neben den Eimern landeten. Auch die zweijährige Flora half tatkräftig mit. Zaghaft nahm sie Ei für Ei aus dem Karton und reichte sie an ihre Oma weiter, die diese dann in eine Schüssel schlug. Verrührt wurden die Eier anschließend in riesigen Bottichen mit zu Quirlen umfunktionierten Bohrmaschinen.

Überwacht wurde alles von Jean-Marie Lambert, in diesem Jahr Chefkoch der Veranstaltung und von Haus aus Schlachter. „Malmedy ist die Feierstadt Belgiens“, sagte er strahlend. Nichts könne ihnen hier die Stimmung verderben.

Seinen Ursprung hat das Riesen-Omelett in Bessières bei Toulouse im Südwesten Frankreichs. Von dort verbreitete sich die Tradition in weitere französischsprachige Teile der Welt. Heute gibt es die „Weltweite Bruderschaft des Riesen-Omeletts“ auch in Neukaledonien im Pazifik, im US-Bundesstaat Louisiana, in Fréjus an der Côte d‘Azur, in Argentinien, in der kanadischen Provinz Quebec und natürlich in Malmedy.

Der Schalenhaufen, der zu Demonstrationszwecken aufgeworfen wurde, wuchs und wuchs. Brigitte Jansen und Annelie Küppers aus Erkelenz waren ganz begeistert von der geschäftigen Atmosphäre. „Es ist herrlich hier“, sagte Jansen. „Die Lockerheit und die Leichtigkeit, mit der die Malmedier feiern, ist beeindruckend.“ Man könne die Atmosphäre kaum beschreiben — „das muss man gesehen haben.“

Nach gut anderthalb Stunden Vorbereitung kippten die Helfer dann endlich die Eiermasse über den angebratenen Speck in die riesige Pfanne. Sofort lag ein köstlicher Duft über dem Platz: Die vielen Köche hatten diesen „Eier­-Brei“ einfach vorzüglich zubereitet.