Simmerath/Aachen: Ölanschläge: Stolberger soll in Psychiatrie bleiben

Simmerath/Aachen: Ölanschläge: Stolberger soll in Psychiatrie bleiben

Die Suche nach dem Täter verlief fast zwei Wochen lang ergebnislos. Wer für die Öl-Anschläge in der Eifel verantwortlich sein könnte, war der Polizei ein Rätsel. Als dann zwei Zeugen unabhängig voneinander aussagten, einen 26 Jahre alten Mann aus Stolberg in Verdacht zu haben, waren die Ermittler fast ein bisschen überrascht.

Es dauerte nur wenige Stunden, bis sie den Verdacht erhärten konnten. Und als der Mann dann auch noch zugab, die Ölspuren in der Eifel tatsächlich gelegt zu haben, war der Fall schneller abgeschlossen, als sich anfangs abgezeichnet hatte.

Am Dienstag nun teilte die Aachener Staatsanwaltschaft mit, der Prozess gegen den 26-jährigen Stolberger könne in Kürze beginnen. Dem Mann werden unter anderem versuchter Mord und mehrere Sachbeschädigungen zur Last gelegt. Neben vier gezielten Öl-Anschlägen auf Motorradfahrer wirft die Staatsanwaltschaft dem 26-Jährigen vor, in 13 Fällen Verkehrsschilder, Leitplanken und andere Gegenstände mit Hakenkreuzen beschmiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hält den Mann aufgrund einer psychischen Erkrankung allerdings für schuldunfähig und beantragt, ihn dauerhaft in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen.

Zwischen dem 3. und 7. April hatte der Mann nach Erkenntnissen der Ermittler vier Ölspuren in Stolberg und Simmerath gelegt und die Motorradfahrer in der Eifel damit in Angst und Schrecken versetzt. Ein 47 Jahre alter Motorradfahrer aus Aachen rutschte auf einer der Ölspuren weg und verletzte sich schwer. Dass nicht mehr Unfälle passierten, war reiner Zufall.

Über die Lebensumstände des Mannes ist bislang wenig bekannt. Er sei alleinstehend und habe in einer Wohnung im Haus seiner Eltern gelebt, erklärte die Staatsanwaltschaft Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Er sei alleinstehend und erwerbslos. Einer rechtsextremen Vereinigung soll der 26-Jährige nach derzeitigen Erkenntnissen nicht angehören.

Die Motive des Mannes, Öl auf Landstraßen zu gießen, sind nicht ganz klar. „Es ist bei psychisch kranken Straftätern schwierig, die genauen Tatmotive zu ermitteln“, sagte Staatsanwalt Jost Schützeberg. „Eine gewisse Verärgerung über Motorradfahrer hat bei seinen Taten aber wohl eine Rolle gespielt.“ Der 26-Jährige habe nach seiner vorübergehenden Einweisung in die Psychiatrie abgelehnt, nochmals psychiatrisch begutachtet zu werden, sagte Schützeberg. Erst im Laufe des Prozesses werde ein weiterer Gutachter damit beauftragt, den Stolberger erneut zu untersuchen.

Der Fall der Eifeler Öl-Anschläge zeigte Parallelen zu einem Fall im Allgäu, in dem Polizei und Staatsanwaltschaft schon seit Jahren nach einem Täter suchen, der für mehrere Öl-Anschläge verantwortlich ist. Im April 2011 rutschte ein 37 Jahre alter Motorradfahrer auf einer Öllache weg und starb. Einen Verdächtigen, der das Öl auf der Straße verteilt hatte, konnten die Ermittler bislang nicht finden.

(gego)