Region: OB Reker: Silvesternacht hat Willkommenskultur nicht verändert

Region : OB Reker: Silvesternacht hat Willkommenskultur nicht verändert

Trotz der Silvesternacht hat die Willkommenskultur in Köln nach Meinung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker nicht gelitten. „Ich bin stolz auf die Kölner, dass sie ihre Willkommenskultur nicht verändert haben”, sagte die parteilose Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Sie haben sehr schnell gemerkt: Hier ist etwas passiert, was zu uns nicht passt, was importiert worden ist. Wir waren die Bühne dafür. Aber das hat bei ihnen eben nicht zu veränderten Einstellungen gegenüber Migranten und Flüchtlingen geführt. Köln ist so offen geblieben, wie es war.”

An Silvester 2015/16 waren rund um den Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell bedrängt und bestohlen worden. Viele Tatverdächtige waren Flüchtlinge oder Migranten. Bundesweit wurde die Kölner Silvesternacht vielfach als Wendepunkt im Verhältnis der Deutschen zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und sogar als Ende der Willkommenskultur gedeutet.

Die Vorkommnisse vor zweieinhalb Jahren machten weltweit Schlagzeilen. Den dadurch entstandenen Imageschaden habe Köln aber mittlerweile überwunden, sagte Reker: „Wir haben mehr Touristen und Gäste als jemals zuvor.”

Reker setzt auch in Zukunft auf eine Zusammenarbeit mit dem islamischen Dachverband Ditib, der wegen seiner Nähe zur türkischen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan umstritten ist. Der Verband hat seinen Hauptsitz in Köln. „Ich bin davon überzeugt, dass es zum Dialog mit der Ditib keine Alternative gibt”, sagte Reker. „Ich habe immer, auch in schwierigen Situationen, mit der Ditib gesprochen. Wir haben es oft nicht leicht miteinander, ich finde da oft deutliche und kritische Worte. Aber den Dialog gebe ich nicht auf.” Es lebten viele türkische Bürger in Köln, und sie sei auch deren Oberbürgermeisterin.

Reker hat mittlerweile die Hälfte ihrer fünfjährigen Amtszeit hinter sich. Die heute 61 Jahre alte Politikerin wurde 2015 gewählt, während sie nach einem lebensgefährlichen Messerattentat im künstlichen Koma lag. „Mich hat die Attacke gelehrt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden”, sagte die gebürtige Kölnerin. „Das hat mich wirklich nachhaltig geprägt. Wenn man weiß, was wirklich schlimm ist, regt man sich über Nebensächlichkeiten nicht mehr auf.”

Ob sie 2020 noch einmal antreten werde, wisse sie nicht: „Ich habe mich wirklich noch nicht entschieden. Es kommt darauf an, wie ich in eineinhalb Jahren bewerte, wie die Strukturen, die ich geschaffen habe, wirken, wie weit man damit gekommen ist.”

Als parteilose Kandidatin war Reker 2015 im Wahlkampf von CDU, FDP und den Grünen unterstützt worden. Im Wahlkampf versprach sie einen „tiefgreifenden Wandel” in der viertgrößten deutschen Stadt, deren Selbstbewusstsein schon damals durch Skandale wie den Archiveinsturz erschüttert war.

(dpa)
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