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Köln: Nur eine „Verzweiflungstat”?

Köln : Nur eine „Verzweiflungstat”?

Im Prozess um den Dreifachmord von Overath hat die Verteidigung für den angeklagten Ex-Söldner 14 Jahre und sechs Monate Haft wegen Totschlags gefordert.

Für die heute 20-jährige Mitangeklagte plädierte die Verteidigung am Freitag vor dem Kölner Landgericht auf Freispruch.

Der Hauptangeklagte aus der rechten Szene soll im Oktober 2003 mit seiner damaligen Freundin eine dreiköpfige Anwaltsfamilie erschossen haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Beschuldigte Höchststrafen wegen Mordes gefordert. Laut Gutachten sind sie voll schuldfähig.

Die 20-Jährige Jennifer D. bedauerte, was passiert war: „Ich bin kein gefühlskaltes Monster, das nicht an die drei Menschen gedacht hat, die jetzt tot sind”, sagte sie in ihrem Schlusswort unter Tränen.

Der Hauptangeklagte Thomas A. nahm sie in Schutz. Seine ehemalige Freundin habe von seinen Plänen nichts gewusst und habe nicht ahnen können, dass er den Verstand verliere.

Der ungelernte und arbeitslose Mann habe die Frau des Anwalts im Affekt erschossen, sagte der Verteidiger Ralf Schwarz in seinem Plädoyer. Dann habe er sich in die Rolle eines kämpfenden NS- Sturmbannführers versetzt.

Das sei die „bizarre Rechtfertigung” dafür gewesen, Minuten später dann auch Anwalt und die Tochter durch Kopfschüsse zu töten. Heimtücke, Habgier oder niedrige Beweggründe hätten keine Rolle gespielt.

Deshalb seien die Taten nicht als Mord, sondern als Totschlag zu werten. Anders als die Staatsanwaltschaft sah die Verteidigung keinen Grund für eine Sicherungsverwahrung.

„Bei näherer Betrachtung waren das Verzweiflungstaten”, sagte Schwarz am 32. Verhandlungstag. Der Angeklagte habe sich mittlerweile von der Tat distanziert.

An Händen und Füßen gefesselt, folgte der glatzköpfige Mann äußerlich unbewegt den stundenlangen Plädoyers. Wenige Meter vor ihm saß seine Ex-Freundin leichenblass und in sich zusammengesackt, die gesenkte Miene vom halblangen dunklen Haar verdeckt.

„Jeder muss gesehen haben, wie sehr sie unter dem Geschehen leidet, mitleidet”, sagte ihr Anwalt Frank Seebode. Die junge, damals verliebte Frau, habe nichts von den Plänen für den Überfall gewusst.

Ganz unvermittelt hätten beide an jenem Tag vor der Kanzlei mit dem Auto gehalten. „Im entferntesten konnte sie nicht ahnen, dass es zu einer solchen Gewalttat mit so verheerenden Folgen kommen sollte”, sagte Seebode.

Kurz nach dem Betreten der Kanzlei sei der erste Schuss gefallen. „Was sie in dieser Situation verspürt hatte, war Angst, und zwar existenzielle Angst”, beschrieb der Anwalt.

Sie sei deshalb den Anweisungen des damaligen Freundes gefolgt und habe die Anwaltstochter gefesselt.

An dem Blutbad habe sie keine persönliche Schuld. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen Mordes mit zehn Jahren die höchste Jugendstrafe gefordert.

Das Urteil soll am 7. Dezember gesprochen werden.