Königswinter: NRW-Zukunftskongress: Integration und Bildung wichtigste Aufgaben

Königswinter: NRW-Zukunftskongress: Integration und Bildung wichtigste Aufgaben

Die Zukunft lag im Nebel beim Kongress der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf dem Petersberg bei Bonn.

„Wie wollen wir im Jahr 2025 leben?”, gab Ministerpräsident Jürgen Rüttgers am Freitag das Thema vor und fügte hinzu: „Die Betonung liegt auf ,wollen!” 16 Jahre in die Zukunft zu blicken höre sich an wie eine leichte Aufgabe, meinte Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio - aber wer 1909 versucht hätte, die Zukunft Deutschlands bis 1925 vorauszusagen, wäre sicher gescheitert. Die Sicht vom Petersberg war also nicht nur wegen des Wetters alles andere als klar.

Dennoch waren sich die Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft, die bei der „Petersberger Convention” diskutierten, über die wichtigsten Aufgaben rasch einig: Für eine lebenswerte Zukunft brauche es Integration, Bildung und umweltverträgliches Wachstum.

Das Altern der Bevölkerung, die Zuwanderung und das drohende Auseinanderfallen der Gesellschaft in wirtschaftlich Erfolgreiche und Arme seien für die Lebenswelt 2025 prägend, sagte Di Fabio: „Wer diese Trends überzeichnet, wird in einem gefährlichen Kulturpessimismus enden. Wer sie aber schönredet, verspielt die Chance auf pragmatische Gestaltung der Zukunft, die aus solchen Problemen lernt.”

Zum Zukunftskongress, der in den nächsten Jahren regelmäßig stattfinden soll, hatte Rüttgers die frühere Dressurreiterin und heutige UNICEF-Vizevorsitzende Ann Kathrin Linsenhoff, den Viva- Gründer und Vorsitzenden des Bundesverbands Musikindustrie Dieter Gorny, RWE-Chef Jürgen Großmann, den Ruhr.2010-Vorsitzenden Fritz Pleitgen, den Musiker Peter Maffay, Telekomchef René Obermann und viele andere eingeladen.

Zeitgleich diskutierten 300 Schüler und Studenten in Bonn die Fragen, wie sich eine lebenswerte Zukunft angesichts von Globalisierung, demografischem Wandel, Wirtschaftskrise und Klimawandel gestalten lässt.

Linsenhoff und viele andere empfahlen Sport als Weg zum Zusammenhalt der Gesellschaft. „Da spielt Hautfarbe keine Rolle, da spielt Religion keine Rolle, das ist Integration pur”, sagte Linsenhoff. Der Publizist Peter Scholl-Latour stimmte ihr zu.

In seiner Kindheit sei im Ruhrgebiet Polnisch noch wichtig gewesen, und die Rivalität sei unter anderem durch den Sport abgemildert worden: „Das zeigt, dass die Gegensätze überwunden werden können.” Maffay meinte, wer gemeinsam musizieren wolle, brauche außer der Tonleiter einen neunten Ton, ohne den nichts gehe: „Und dieser neunte Ton ist der gute Ton, der Umgangston.”

Rüttgers gab als Ziel bis 2025 vor: „Nordrhein-Westfalen soll Innovationsland Nummer 1 in Deutschland werden. Auch nach der Krise wollen wir Industrieland sein. Aber es muss dann ein modernes Industrieland sein.” Dafür müssten unter anderem die Datenautobahnen gebaut und in Bildung investiert werden. Der Unternehmensberater Jürgen Kluge verlangte, Umwelt, Menschen und Wachstum müssten im Einklang stehen.