Umweltministerin Ursula Heinen-Esser über das Waldbaukonzept: NRW will Zustand der Wälder stärken

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser über das Waldbaukonzept : NRW will Zustand der Wälder stärken

Heiße und trockene Sommer, heftige Stürme und plötzliche Unwetter hinterlassen ihre Spuren: Seit Beginn der Aufzeichnungen für den Waldzustandsbericht Mitte der 1980er Jahre ging es den Wäldern des Landes nie schlechter als heute.

Deshalb müssen sie nach Ansicht der Förster und Waldbesitzer stabiler und anpassungsfähiger werden. Ausgehend vom jüngsten Waldzustandsbericht hat Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) mit Experten ein Konzept erarbeitet, das helfen soll beim Bepflanzen des Waldes.

Was ist das Problem?

Der Zustand der Wälder ist miserabel. Inzwischen gelten 39 Prozent der Bäume als stark geschädigt – das ist ein alarmierender Sprung im Vergleich zur Vorjahresquote, die bei 25 Prozent lag. Unter den Hauptlaubbaumarten ist sogar jeder zweite Baum stark geschädigt. Nur jeder fünfte Baum in NRW weist keinen bemerkenswerten Blattverlust in der Krone auf. Gesunde Wälder aber sind Grundlage für gute Luft, Wasser, Boden und Vielfalt der Arten.

Woran liegt das?

Verantwortlich für die Schäden ist vor allem der Klimawandel. NRW wurde in diesem Jahr besonders hart getroffen: Erst wehte das Orkantief Friederike im Januar 2,5 Millionen Festmeter „Sturmholz“ um. Zwischen April und August erlebte das Land anschließend die wärmsten, sonnigsten und niederschlagsärmsten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes 1881. Auch die Borkenkäferplage macht den Waldbesitzern große Sorgen, das kleine Tier gibt den von Sturm und Dürre ohnehin schon stark geschwächten Wäldern den Rest.

Was muss man über den Waldbestand in NRW wissen?

935 000 Hektar und damit 27 Prozent der Landesfläche sind mit Wald bedeckt. Damit liegt das Land unter dem Bundesdurchschnitt von 32 Prozent. Besonders waldreich sind die Mittelgebirgslagen der Eifel, des Sauer- und Siegerlands sowie des Weserberglands. Bei der Landwirtschaftsinventur 2014 wurden 51 Baumarten erfasst, dabei liegt das Verhältnis von Laubbäumen zu Nadelbäumen bei 58 zu 42 Prozent. Vor allem Fichten, Buchen, Eichen und Kiefern prägen die Wälder, die Bäume sind meist zwischen 40 und 100 Jahre alt. NRW hat mit 63 Prozent bundesweit den höchsten Privatwaldanteil. Insgesamt sind die Wälder in NRW damit zu alt und zu wenig durchmischt.

Welche Ziele hat das Waldbaukonzept?

Das Waldbaukonzept soll die Bäume widerstandsfähiger machen, damit sie gegen die klimatischen Herausforderungen besser gewappnet sind, um so auch Risiken für die Forstwirtschaft zu verringern. Ziel ist eine Art Bedienungsanleitung unter anderem für Förster und Waldbesitzer. Was sollen sie pflanzen, wie sollen sie die Wälder pflegen? Tipps und Werkzeugkasten der Ministerin sind abhängig von Standortfaktoren wie Temperatur, Wasserbedingungen oder Nährstoffversorgung. Dazu zählen Empfehlungen für die Mischung der Baumarten, für die Biodiversität und den Naturschutz, das Wildmanagement und die Jagd, die Holzverwendung sowie die Waldnutzung – zum Beispiel für Spaziergänger. Wichtig ist der Wechsel zwischen Nadel- und Laubbäumen. Heimische Baumarten stehen dabei im Vordergrund. Für bestimmte Wälder kann es sich aber auch lohnen, eingeführte Arten wie etwa die Roteiche oder die Douglasie zu pflanzen.

Was sagen die Verbände zum neuen Konzept?

Die Verbände sind zwar froh, dass sie beim Erstellen des Konzepts gefragt wurden. Der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht tadelt aber das Ergebnis: „Der Schwerpunkt des Konzeptes liegt zu sehr auf dem Aspekt des Anbaus. Man kann einen Wald aber nicht pflanzen, er muss aus sich heraus wachsen“, sagt Sticht. Fremdländische Arten, wie etwa die amerikanische Küstentanne oder die Douglasie, würden außerdem das Risiko von neu eingeführten Krankheiten bergen und somit die „Probleme von morgen“ schaffen. „Wir sollten auf heimische Arten setzen“, fordert der BUND.

Mehr von Aachener Zeitung