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Attacken auf Ponys am Niederrhein: NRW will Abschüsse von Wölfen in Teilen zulassen

Attacken auf Ponys am Niederrhein : NRW will Abschüsse von Wölfen in Teilen zulassen

40 Attacken von Wölfen auf Nutztiere gab es 2021 in NRW – allein die Hälfte im Wolfsgebiet am Niederrhein. Dort wurden in jüngster Zeit vermehrt auch Ponys gerissen. Die Empörung ist groß, das Land will nun neue Regeln festlegen.

Nach zahlreichen Nutztierrissen von Wölfen vor allem am Niederrhein plant die NRW-Landesregierung eine Wolfsverordnung mit genauen Regelungen für Wolfs-Entnahmen, also den Abschuss von Tieren. Grundlage werde dabei die entsprechende niedersächsische Regelung sein, sagte NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Dienstag in Düsseldorf. Übergeordnetes Ziel bleibe, den Artenschutz des Wolfes und den Schutz der Weidetiere in Einklang zu bringen.

„Wir würden die niedersächsische Verordnung auf nordrhein-westfälische Verhältnisse anpassen“, sagte die Ministerin. Ein Entwurf solle zu Jahresbeginn mit den Fraktionen im Landtag diskutiert werden. Nach dem bisherigen Rechtsstand seien Entnahmen nicht möglich, wie ein aktuelles Rechtsgutachten vor kurzem noch einmal bestätigt habe, bekräftigte Heinen-Esser.

Da sich in dem niederrheinischen Wolfsgebiet bei Wesel-Schermbeck in jüngster Zeit Wolfsattacken auf Ponys gehäuft haben, würden dort ab 2022 Schutzzäune auch für Fohlen, Ponys und Jungpferde finanziell gefördert, versprach die Ministerin. Außerdem sollten Herdenschutzanträge künftig von der Landwirtschaftskammer NRW bearbeitet werden, um die Verfahren zu straffen.

2021 seien Weidetierhalter NRW-weit bereits mit 1,5 Millionen Euro für Schutzzäune und Hütehunde unterstützt worden. 2022 seien weitere Mittel geplant – nach früheren Angaben des Ministeriums allein bis zu sieben Millionen für den Schutz von Pferdehaltungen.

Die niedersächsische Verordnung erlaubt Entnahmen unter anderem dann, wenn Wölfe sich Menschen gegenüber aggressiv zeigen, sich ihnen auf unter 30 Metern nähern oder wenn sie Wolfschutzzäune mindestens zweimal überwunden und ein Tier gerissen haben. Aus jetziger Sicht müssten solche Übersprünge eines 1,20-Meter-Elektrozaunes „mehrfach in engem zeitlichem Zusammenhang“ passieren, um eine Verhaltensauffälligkeit des Wolfes anzunehmen, sagte die Ministerin.

Laut Heinen-Esser gab es NRW-weit 2021 bisher rund 40 Angriffe von Wölfen auf Nutztiere, knapp die Hälfte davon durch das Wolfsrudel am Niederrhein. In der Mehrzahl der Fälle sei aber kein ausreichender Schutz gegen Wölfe vorhanden gewesen, erklärte das Ministerium.

Die Bürgerinitiative „Gahlener Bürgerforum“, die die Wolfsattacken am Niederrhein ebenfalls erfasst, sprach von 20 Übergriffen mit 34 getöteten Tieren im ablaufenden Jahr. In sechs Fällen hätten Wölfe dabei Elektrozäune von 1,20 Meter und mehr überwunden, schreibt die Bürgerinitiative, was das Land aber bestreitet.

NRW hat vier Wolfsgebiete: das Rudel mit vier Welpen in Schermbeck am Niederrhein, weitere Rudel an der Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz und in der Eifel sowie einen allein lebenden Wolf in der Senne.

(dpa)