Risiken im Internet: NRW-Schulministerin rät ab, das Zeugnis zu posten

Risiken im Internet : NRW-Schulministerin rät ab, das Zeugnis zu posten

Das Halbjahreszeugnis ist richtig gut, sogar mit Empfehlung fürs Gymnasium - aber trotzdem sollte man es nicht in den sozialen Medien posten, rät Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP): „Ich persönlich halte es für keine gute Idee, das eigene Zeugnis zu posten. Mir wäre das Risiko zu groß, dass ein persönliches Dokument wie ein Zeugnis unkontrolliert im Internet verbreitet wird.“

Junge Menschen sollten in der Schule auch den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen. „Dazu gehört auch, dass sie lernen, selbst zu entscheiden, welche Informationen sie mit anderen in den sozialen Netzwerken teilen und welche besser nicht“, stellte sie fest.

An den meisten Schulen des Landes werden am Freitag die Halbjahreszeugnisse verteilt. Vor einem Wechsel auf eine weiterführende Schule steigt damit nach Einschätzung der Landesschülervertretung der Druck durch die Erwartungshaltung von Eltern.

„Die Schüler mit den schlechten Noten verlassen dann traurig und manchmal auch weinend die Klassen, die mit den guten Noten strahlen“, beschrieb der 17-jährige NRW-Landesschülervertreter Timon Nikolaou eine für ihn typische Situation bei der Zeugnisvergabe. „In der Regel werden ja nur die guten Zeugnisse gepostet“, meint er.

Auch für die beiden Lehrergewerkschaften Gewerkschaft, Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) haben Zeugnisse nichts in den sozialen Medien zu suchen, ein Zeugnis sei schließlich ein persönliches Dokument.

Bedenken äußern daneben die Datenschützer. „Einmal veröffentlichte Informationen können schnell kopiert werden und von anderen weiter veröffentlicht werden“, sagte der Sprecher der Landesschutzbeauftragen für Datenschutz und Informationsfreiheit in NRW, Nils Schröder. Es sei kaum absehbar, was mit den Informationen passiere - jetzt oder auch später: „Nicht jeder möchte, dass die Zeugnisse aller Welt bekannt sind, zum Beispiel auch späteren Arbeitgebern oder den eigenen Kindern.“ Eltern sollten die Entscheidung ihren Kindern nur dann überlassen, wenn diese die Konsequenzen absehen könnten.

Besonders vor dem Wechsel auf weiterführende Schulen stellen die Halbjahreszeugnisse mit ihrer Empfehlung für eine bestimmte Schulform wichtige Weichen. Entsprechend sei der Druck in den Grundschulen, sagte der Vorstand der Landesschülervertretung, Timon Nikolaou: Noch mehr als die Schüler machten sich die Eltern aus bildungsnahen Schichten den Druck. Kaum jemand wolle sein Kind auf der Hauptschule sehen.

Empfehlungen der Schule würden deshalb von Eltern auch ignoriert, beobachtet die Lehrergewerkschaft GEW. Eltern wünschten sich das Abitur als den bestmöglichen Schulabschluss für ihr Kind, „auch wenn die Grundschulempfehlung eine andere Schulform benennt“, sagte GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer.

„Eltern sind gut beraten, die Empfehlung der Grundschule für die weitere Schullaufbahn anzunehmen und zu beachten“, empfahl Ministerin Gebauer. Eltern könnten die Beratungsangebote der Schule in Anspruch nehmen, wenn ihre eigene Wahrnehmung von der Empfehlung abweiche. „Für eine erfolgreiche Schullaufbahn ist es wichtig, das Kind weder zu überfordern, noch zu unterfordern“, mahnte die Ministerin.

(dpa)
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