Düsseldorf/Aachen: NRW-Ministerium benennt Aachen als Digitale Modellregion

Düsseldorf/Aachen: NRW-Ministerium benennt Aachen als Digitale Modellregion

Rund um die Uhr gemütlich vom Sofa aus sämtliche Behördengänge erledigen — das soll in Aachen und der Städteregion bald möglich sein. Nordrhein-Westfalens Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart (FDP) hat Aachen und die Städteregion am Freitag neben vier weiteren Regionen als Digitale Modellregion NRW benannt.

Damit will die Landesregierung unter anderem die Umstellung auf eine digitale Stadtverwaltung vorantreiben. 91 Millionen Euro stellt sie dafür während der vierjährigen Projektlaufzeit zur Verfügung.

Behördengänge sparen: Mehr als 50 Dienstleistungen können in Aachen bereits übers Netz in Anspruch genommen werden. Künftig sollen es noch deutlich mehr werden. Foto: Andreas Herrmann

Aktiv darum beworben, Modellregion zu werden und Fördermittel zu erhalten, hat sich die Stadt nicht, erklärte am Freitag auf Nachfrage Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen. Überrascht hat es ihn jedoch keineswegs: „Der Oberbürgermeister war seit einiger Zeit mit der Landesregierung wegen dieses Programms in Gesprächen.“

Andreas Pinkwart hat Aachen als Digitale Modellkommune ausgerufen. Foto: dpa

Es habe nahe gelegen, Aachen als Modellregion zu identifizieren, betont er, immerhin sprächen zwei Aspekte für die Region, nämlich die Anstrengungen in den Bereichen digitale Stadtverwaltung und digitale Stadtentwicklung.

Vorreiter in Sachen Digitalisierung

Marcel Philipp zumindest ist ausgesprochen zufrieden mit der Entscheidung des Ministeriums: „Aachen hat als Hochschul- und Wissenschaftsstandort allerbeste Voraussetzungen, Vorreiter in Sachen Digitalisierung zu sein.“ Das habe sich in vielen Belangen schon gezeigt. Die fulminante Entwicklung in der Elektromobilität und der Weg hin zu einer neuen Mobilität in der Innenstadt sei in diesem Kontext nur ein Beispiel.

Als besonders markantes Beispiel nennt Philipp das Serviceportal der Stadt Aachen, in dem Bürger Dienstleistungen der Verwaltung von zu Hause aus in Anspruch nehmen können. „In nur einem Jahr wurden schon 50.000 Bürgerkonten abgeschlossen“, erläutert Philipp. „Diese Resonanz begeistert uns, sie signalisiert aber auch die Erwartungshaltung der Bürger an eine moderne Verwaltung. Wir werden nun, unterstützt durch die Förderung des Landes, dieses Projekt vorantreiben, jede Dienstleistung auf den Prüfstand stellen und noch viele weitere Angebote digitalisieren.“

Ein weiterer Punkt, warum seine Stadt ausgewählt worden sei, nennt er die Bestrebungen hin zu einer digitalen Stadtentwicklung. „Wir entwickeln Aachen durch das engmaschige Netzwerk in der Digitalisierung neu — das reicht von der Bildung über die Gesundheit, die Mobilität bis hin zum Wohnen“, erklärt Marcel Philipp. Ein weithin sichtbarer Leuchtturm in dieser Entwicklung sei das Aachener digitalHUB in der Digi-Church an der Jülicher Straße, wo innovative Köpfe gemeinsam an Zukunftsideen für die Stadt und Region arbeiten.

Zum Leuchtturmgebiet werden

Auch Professor Malte Brettel, Initiator von „Aachen digitalisiert“ und Prorektor für Wirtschaft und Industrie der RWTH Aachen, verwundert die Entscheidung des Ministeriums für Aachen kaum: „Wir haben im digitalHUB so viele Menschen und Unternehmen zusammengebracht, wie keine andere Stadt in NRW“, betont er. „Dass Aachen ausgewählt wurde, wird der Stadt noch einmal einen Schub nach vorne geben“, sagt er.

Oliver Grün, Vorstandsvorsitzender digitalHUB Aachen, hofft gar, dass sich Aachen und die Städteregion zu einer Art Leuchtturmgebiet entwickeln. Immerhin habe die Region ein Alleinstellungsmerkmal: Als einzige der ausgewählten Modellregionen hat sie damals sowohl den Zuschlag für das digiHUB bekommen als auch jetzt für die Digitale Modellregion. „Eine Bündelung der beiden Initiativen, praktisch den gebündelten, digitalen Doppelschlag, gibt es nur am Standort Aachen“, betont Grün. Gerade diese Bündelung sei essenziell bei der Verfolgung der Vision, die Region zur digitalen Innovationsregion Nummer eins zu entwickeln. Somit sei die Nachricht aus dem Ministerium ein toller Meilenstein.

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