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NRW: Lohnlücke zwischen Frauen und Männern „hartnäckiger“

„Gender Pay Gap“ in NRW : Lohnlücke zwischen Frauen und Männern hält sich hartnäckig

Frauen verdienen erheblich weniger als Männer. In NRW hält sich diese Gehaltslücke - auch „Gender Pay Gap“ genannt - sehr hartnäckig. Das hat auch mit der historischen Stärke des Landes zu tun: der Industrie.

Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen in Nordrhein-Westfalen halten sich hartnäckig - das liegt auch an der Historie als Industrieland. „Männer arbeiten in der Regel in besser bezahlten Berufen, zum Beispiel in der Industrie, und Frauen eher in den geringer vergüteten Dienstleistungsbranchen“, sagte Ute Klammer, Geschäftsführende Direktorin des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

In NRW sehe man die bundesweiten Hindernisse für Frauen somit „im Brennglas stärker ausgeprägt“. Männerspezifische Berufe seien angesehener und besser bezahlt als frauentypische Berufe. Oft bleibe dann die Frau zuhause, wenn sich Nachwuchs ankündige.

Wie das Statistische Landesamt NRW mitteilte, verdienten Frauen im bevölkerungsreichsten Bundesland im vergangenen Jahr im Schnitt 21 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst habe bei Frauen 17,36 Euro betragen, bei Männern 21,90 Euro.

Anlass der Erhebung ist der internationale Aktionstag für die Entgeltgleichheit, der sogenannte Equal Pay Day, am 17. März. In NRW veränderte sich den Statistikern nach an der ungleichen Bezahlung in den vergangenen Jahren nur sehr wenig. 2006 lag die Lohnlücke bei 24 Prozent, 2018 bei 22 Prozent.

Laut Klammer kann man NRW aber nicht vom Bund abkoppeln. Die Vorgaben zur Entlohnung seien grundsätzlich überall identisch, es gelte „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“, sagte sie. „Der Gender Pay Gap existiert überall in Deutschland.“ Ein Strukturwandel könnte den Angaben der Wissenschaftlerin zufolge Abhilfe leisten. So solle man beispielsweise Teilzeitbeschäftigten ermöglichen, leichter in Führungspositionen aufzurücken. Zudem sei die häusliche Arbeit weiterhin zu Lasten der Frauen aufgeteilt - auch das müsse sich ändern.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund NRW fordert, dass frauenspezifische Berufe besser bezahlt werden müssen. Dazu brauche es unter anderem Tarifverträge. „Dort, wo Tarifverträge gelten, ist die Lohnlücke um ganze zehn Prozentpunkte kleiner“, teilte die stellvertretende Landesvorsitzende Sabine Graf mit. Frauen hätten demnach 77 Tage länger im vergangenen Jahr arbeiten müssen, um das Einkommen zu erzielen, das Männer innerhalb des Jahres erhielten.

(dpa)