"Ninja Warrior": Benedikt Sigmund und Arleen Schüßler wollen gewinnen

Arleen Schüßler und Benedikt Sigmund : Diese Aachener wollen den Sieg bei „Team Ninja Warrior Germany“

Arleen Schüßler und Benedikt Sigmund haben ein ehrgeiziges Ziel: Die beiden Aachener wollen den Sieg bei „Team Ninja Warrior Germany“ einfahren. Dafür trainieren sie hart: Acht mal pro Woche stählen sie fast jeden Muskel, den der Körper zu bieten hat.

Mehrere Meter über der Erde klammert sich Arleen Schüßler an einen Glaskubus. Mit ihren Fingern krallt sie sich an den Kanten fest, mit den Füßen sucht sie an den glatten Flächen nach Halt. Jetzt muss nur noch der Sprung auf die Matte gelingen. Wenn sie fällt, ist alles vorbei. Also zieht sie sich heran, bringt sich in Stellung und drückt sich mit voller Kraft ab. Geschafft! Damit ist Arleen Schüßler einer der schwersten Teile des Parcours bei „Ninja Warrior Germany“ gelungen.

Auch in diesem Jahr will Schüßler wieder bei der RTL-Show zeigen, was sie kann. Gemeinsam mit Benedikt Sigmund, der ebenfalls teilnimmt, bereitet sie sich darauf vor. Ihr Alltag? Acht Mal pro Woche trainieren – fast jeden Muskel, den der Körper zu bieten hat. Zwei Stunden lang Übungen für Kraft, Ausdauer, Balance und Koordination, mal eher locker, an anderen Tagen bis zur Schmerzgrenze. Die beiden Aachener haben ihr Ziel vor Augen: der Sieg bei „Team Ninja Warrior Germany“.

Bei der RTL-Show, bei der die Teilnehmer verschiedene Parcours bewältigen müssen, trifft sich sozusagen die Königsklasse der deutschsprachigen Ninja-Sportler. Ursprünglich ist das Ninja-Show-Format eine Erfindung aus Japan. Dort existiert ein ähnlicher Wettbewerb namens Sasuke bereits seit 1997. Mit Kampfkunst, die man auch mit dem Begriff „Ninja“ in Verbindung bringt, hat die Show aber nichts zu tun. Eher noch erinnert sie an „Takeshi‘s Castle“, eine japanische Fernsehshow der späten 80er, die eine Art reale Umsetzung von Jump-’n’-Run-Computerspielen darstellen sollte.

Zwei Aachener trainieren für „Ninja Warrior Germany“

Mittlerweile sorgt Ninja-Sport international für Begeisterung. Die erste Weltmeisterschaft wird in diesem Jahr in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut ausgetragen. Und auch in Deutschland werden immer mehr Wettkämpfe angeboten, sagt Benedikt Sigmund. „Der Sport gewinnt stetig an Popularität.“ Ausrichter sind die Betreiber spezieller Ninja-Hallen, in denen man verschiedene Parcours bewältigen kann. Dabei gilt es, sich an horizontalen Leitern entlang zu hangeln, über wackelige Balken ein paar Meter über der Erde zu balancieren und fast senkrechte Wände hochzurennen. Jede Halle ist anders, und die Liste der möglichen Hindernisse lässt sich noch lange fortsetzen.

Sigmund und Schüßler gelang bislang fast jeder Parcours. Sie nahmen bereits bei mehreren Staffeln von „Ninja Warrior Germany“ teil, sowohl im Teamformat als auch beim Einzelwettkampf. Vor Kurzem erst haben der 35-Jährige und die 27-Jährige das Casting für die nächste Staffel gemeistert, die Ende des Jahres ausgestrahlt werden soll.

Dabei hatten beide vor gut zweieinhalb Jahren noch so gar nichts von Ninja-Training gehört. Schüßler, die leistungsorientiert Stabhochsprung trainiert hatte, entschied sich damals spontan für eine Bewerbung, als sie vom RTL-Format erfuhr. „Ich wollte es einfach mal ausprobieren“, sagt die 27-Jährige.  Sigmund ließ sich von seinen Freunden bei einem Kneipenabend überreden. Was die beiden zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Dass sie einander begegnen würden. Und wie der Zufall es so wollte, teilen die Psychologiestudentin und der Fitnessökonom nicht nur die Leidenschaft zum Sport, sondern auch den Wohnort Aachen. Seit einem Jahr sind sie nun auch im Leben ein Paar. In den Sozialen Medien kennt man sie als das „Ninjacouple“, das Ninja-Paar.

Bei der Team-Show im vergangenen Jahr erreichten Benedikt Sigmund und Arleen Schüßler den zweiten Platz. Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Doch die beiden haben nicht nur Romantik zu bieten, sondern auch jede Menge Action, die sie ihren Followern auf Fotos und in Videos präsentieren. Sie sind oft in Kletterhallen unterwegs und bauen sich Fitnessstationen in Sigmunds Studio in Aachen auf. Seit Neuestem gehört zu diesem auch ein Ninja-Parcours auf dem Dach des Studiogebäudes. So ziemlich jede Station des Parcours findet ein paar Meter über dem Grund statt. „Man darf keine Angst haben und braucht ein gutes Gefühl dafür, was der Körper kann“, erklärt Sigmund.  „Bei jeder Bewegung sollte man voll konzentriert sein. Wenn du dich vertrittst, kann es schon vorbei sein. Jeder Fehler wird bestraft.“

Während man im Wettkampf damit aus dem Rennen ist, sind beim Training zum Glück mehrere Versuche möglich. Mit dem Parcours auf dem Dach kann sich das Ninja-Paar bestens vorbereiten. Verschiedene Elemente wie Würfel mit Griffen und Bretter mit schmalen Kanten, an denen man sich entlang hangeln muss, sind Teil des riesigen Gerüstes. Ein anderes Hindernis sind aalglatte Platten, die senkrecht an Ketten befestigt und parallel nebeneinander hängen. Arleen zeigt, wie es geht: Mit ihren Fingern hält sie sich an den Kanten der wackligen Platten fest, mit den Beinen klammert sie sich an die flachen Seiten. In Millisekunden löst sie den Griff, um an der nächsten Platte wieder kräftig zuzupacken. Mit etwas Schwung zieht sie die Beine nach. „Bei den meisten Hindernissen braucht man vor allem Kraft in den Fingern“, sagt die 27-Jährige.

Arleen Schüßler ist eine der wenigen Frauen in der deutschen Ninja-Szene. Foto: MG RTL D / Stefan Gregorowius

Was die gebürtige Hessenerin mal eben so kurz vormacht, ist für die meisten Menschen ohne Training ein Ding der Unmöglichkeit. In Deutschland ist sie eine der wenigen Frauen, denen ein Parcours wie der bei „Ninja Warrior“ gelingt. In der nächsten Einzel-Show soll es erstmals den Titel „Last-Woman-Standing“ geben, den sich Schüßler auf keinen Fall entgehen lassen will. Dass sie das schaffen kann, bezweifelt wohl kaum noch jemand nach ihrer Leistung in der vergangenen Show: Fast 44.000 Aufrufe hat ein Video bei Youtube, das die „Wonder Woman“ Arleen Schüßler im Parcours zeigt.

Die Community spornt die beiden Sportler an. „Unsere ,Fans’ wissen, was wir leisten und zeigen uns ihre Begeisterung. Das ist großartig!“, sagt Sigmund, der auch als „Ninjaking Benni“ bekannt ist. So ist es auch schon einige Male – vor allem kurz nach den Shows – vorgekommen, dass er und seine „Ninjaqueen“ Arleen auf der Straße erkannt wurden und Autogramme gegeben haben. Das stört die beiden aber nicht. Im Gegenteil: Sie treten gerne in Kontakt mit den Leuten, die sie unterstützen. Denn ohne Fans sei es heutzutage schwierig, Sponsoren von sich zu überzeugen. Und ohne Sponsoren ist es kaum möglich, ihr Hobby in der Weise zu leben, wie sie es gerade tun.

Auch in diesem Jahr stehen wieder viele Reisen auf dem Plan der beiden. Denn die Aachener Athleten wollen sich mit den Größen des Ninja-Sports weltweit messen. Dabei reisen sie sogar bis in die Karibik. Außerdem haben Schüßler und Sigmund eine ganz besondere Einladung aus Asien bekommen: zum „Sasuke Vietnam“, das erste Show-Format des Ninja-Sports. „Die Champions League dieser Sportart“, sagt Sigmund. „Eine Einladung ist eine der größten Ehren für jeden Nina-Sportler.“

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