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Gedenkfeier: Warum am Sonntag Düsenjäger über das Grenzland donnern

Gedenkfeier : Warum am Sonntag Düsenjäger über das Grenzland donnern

Die große Gedenkfeier im niederländischen Margraten findet traditionell am letzten Sonntag im Mai statt. Dazu donnern Düsenjäger im Tiefflug – und sind im Grenzland zu hören.

Am letzten Sonntag im Mai findet traditionell die große Gedenkfeier auf dem amerikanischen Ehrenfriedhof im niederländischen Margraten statt. Und auch in diesem Jahr werden am Memorial Day Düsenjäger im Tiefflug über den Netherlands American Cemetery and Memorial donnern, dem einzigen amerikanischen Soldatenfriedhof in den Niederlanden, und deutlich zu hören im gesamten Grenzland – diesmal also am 29. Mai. Die Verantwortlichen haben das so entschieden und nehmen in Kauf, dass Kriegsängste geschürt werden, etwa bei den 100 ukrainischen Flüchtlingen, die in Eijsden-Margraten untergebracht sind. Allerdings soll die Bevölkerung entsprechend gewarnt werden.

Das knapp 30 Hektar große Areal, rund 15 Kilometer von Maastricht und 21 Kilometer von Aachen entfernt, gehörte im Zweiten Weltkrieg zu einer der ersten Gemeinden der Niederlande, die von den Alliierten eingenommen wurden: Margraten wurde am 13. September 1944 von der amerikanischen 1. Armee erobert und schon wenig später von der niederländischen Regierung aus Dankbarkeit als Gedenkplatz für mehr als 8300 Soldaten auf Dauer den USA zur Verfügung gestellt. Die meist sehr jungen Männer hatten ihr Leben für die Befreiung von Nazi-Deutschland, etwa während der Ardennen-Offensive oder der Befreiung der Niederlande, lassen müssen. Weitere 1722 Namen stehen auf der Mauer der Vermissten in Margraten.

Schon schnell entstand eine ungewöhnlich innige Verbindung der Bevölkerung mit dem Ehrenfriedhof, für alle Gefallenen und Vermissten fanden sich Paten, die oft Kontakte mit den Angehörigen der Soldaten aufnahmen und über Jahrzehnte Verbindungen zwischen den Familien auf beiden Seiten des Atlantiks aufbauten. Von fast allen wurde ein Foto herbeigeschafft und den Toten so ein Gesicht gegeben. So vorbildlich war die Fürsorge, dass 2005 der US-amerikanische Präsident George Bush dem Memorial Day in Margraten einen Besuch abstattete. Zehn Veteranen, die zur diesjährigen Zeremonie anreisen, alle um die 100 Jahre alt, bedanken sich jetzt bei den Paten durch kleine Marmorstücke, die aus demselben Stein angefertigt sind, der für die Grabkreuze auf dem Nationalfriedhof in Arlington verwendet wird.

Zum Ritual seit einer Reihe von Jahren gehört auch, dass nicht nur Kränze niedergelegt werden, sondern die Königliche Luftwaffe der Niederlande einen Salut ausbringt, in Form der sogenannten „Missing Man-Formation“. Vier F16-Mehrkampfflugzeuge fliegen über den Friedhof, einer verlässt die Gruppe als Symbol für die Gefallenen. Die Mindestflughöhe ist per Ausnahmegenehmigung auf 500 Fuß festgesetzt.

Die Zeremonie beginnt am Sonntag, 29. Mai, um 15 Uhr, und nach einem Bericht der Tageszeitung „De Limburger“ hat man nicht überlegt, diesen Teil des Gedenkens angesichts des Kriegs in der Ukraine fallen zu lassen. Es handele sich um eine liebgewordene („mooie“) Tradition, wird Bürgermeister Sjraar Cox zitiert, die man nicht dem „Alleinherrscher in Russland“ opfern wolle.

Wegen der angespannten Gesamtsituation werde man aber die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen, die aber nicht so intensiv ausfielen wie bei Besuch von Bush vor 17 Jahren. Insgesamt werden zum Memorial Day in Margraten am Sonntag bis zu 7000 Gäste erwartet, der auf ausdrücklichen Wunsch der Amerikaner jedem Besucher offenstehen soll. In den letzten beiden Jahren hatte die Zeremonie wegen der Corona-Pandemie nur eingeschränkt stattfinden können.