Thijs H. macht Geständnis zum Doppelmord in Brunssummerheide

Tote in Brunssummerheide : Verdächtiger gesteht Dreifachmord vor Gericht

Im Fall des Dreifachmordes von Brunssummerheide und Scheveningen hat der Tatverdächtige Thijs H. am Freitag vor Gericht in Maastricht die Taten gestanden. Der 27-jährige Student soll drei Spaziergänger erstochen haben.

Thijs H. bestätigte am Morgen nach Angaben der niederländischen Zeitung De Limburger bei einer sogenannten Pro-Forma-Sitzung zudem die Ausführungen des Richters. Der zitierte die Aussage des Tatverdächtigen vom 2. August, während einer Psychose „Befehle oder Botschaften“ erhalten zu haben, Menschen töten zu müssen, weil sonst seine eigene Familie getötet werden würde. Ihm täten die Taten „schrecklich leid“, sagte der in Untersuchungshaft sitzende Thijs H. in Richtung der anwesenden Angehörigen der Opfer.

Die Staatsanwaltschaft teilte in der mündlichen Verhandlung mit, dass bei Untersuchungen festgestellt worden sei, dass Thijs H. regelmäßig Webseiten besucht habe, auf denen es um Fragen wie „Wie verhält man sich als Psychopath?“ oder „Warum werden gute Menschen böse?“ ging.

Damit sei nicht auszuschließen, dass der Tatverdächtige nicht aufgrund einer Psychose, sondern aus freiem Willen gehandelt habe. Es sei noch nicht klar, weshalb er die Spaziergänger getötet habe und was sich bei ihm im Kopf abgespielt habe. Deshalb gehe die Anklagebehörde nicht davon aus, dass er die Wahrheit gesagt habe, sagte die Staatsanwaltschaft. Laut der Polizei habe der 27-Jährige, der sich seit längerer Zeit in psychiatrischer Behandlung befindet, Dextroamphetamine zu sich genommen – Stimulanzien des zentralen Nervensystems, die zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten, Hyperaktivitätsstörungen und Narkolepsie (Schlafkrankheit) verschrieben werden.

Staatsanwalt Joan Holthuis erklärte vor Gericht, dass man über ausreichend DNA-Spuren verfüge, die Thijs H. in Verbindung mit den drei Bluttaten bringt. Es gebe auch Hinweise, dass die Kleidung und das Tatmesser gesäubert worden seien, die Eltern hätten nicht zu jeder Zeit an der Aufklärung des Falles mitgewirkt.

Am 4. Mai war in den Wäldern des Küstenortes Scheveningen bei Den Haag eine 56-jährige Frau erstochen worden, die ihre beiden Hunde ausführte. Am 7. Mai wurden mittags eine 63-Jährige und ein 68-Jähriger im Naturschutzgebiet Brunssummerheide, das an Heerlen und Landgraaf grenzt, auf die gleiche Weise getötet.

Zweimal geflüchtet

Wenige Stunden später war Thijs H. nach bisherigen Erkenntnissen blutverschmiert und mit einem Messer in einer psychiatrischen Klinik in Maastricht erschienen. Nur kurz darauf verschwand er wieder aus der Anstalt, indem er Stühle übereinander stapelte und über eine Mauer kletterte. Am Abend dieses Tages brachten seine Eltern ihn zurück, mit sauberen Kleidern.

Am Morgen des folgenden Tages konnte er noch einmal entkommen, nachdem er einen Brandalarm ausgelöst hatte. Erst danach informierte die Klinikleitung die Polizei über ihren Verdacht. Zwölf Stunden später wurde Thijs H. in Margraten gefasst.

Die nächste Sitzung des Gerichts findet am 4. November statt. Bei einer sogenannten Pro-Forma-Sitzung wird der Stand der Untersuchungen dargelegt und über die Verlängerung der Untersuchungshaft und die weitere Prozessplanung beraten.

(hau)
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