Teile der Maastrichter Stadtmauer sind eingestürzt

Im Wasser gelandet : Teile der Maastrichter Stadtmauer eingestürzt

Teile der mehr als 500 Jahre alten Maastrichter Stadtmauer sind Ende März eingestürzt und ins Wasser gefallen. Glücklicherweise waren zum Zeitpunkt des Einsturzes weder Spaziergänger auf dem Bollwerk unterwegs noch Angler am Teich, so dass niemand verletzt wurde.

Da die Abbruchstelle einen desolaten Eindruck machte, wurde die Umgebung anschließend abgesperrt. Wenige Tage später stürzte ein weiteres Stück der Mauer in den Wassergraben. Am Dienstagabend kam heraus, dass die Schäden als schwerwiegender herausgestellt haben als zunächst erwartet, berichtete „De Limburger”.

Die Mauer muss zwischen dem Tor Waerachtig und dem Rundturm De Vijf Koppen komplett abgestützt, nach Ansicht von Fachleuten kontrolliert abgebrochen und anschließend möglichst authentisch wiederaufgebaut werden. Maastricht verfügt - ähnlich wie Aachen - über zwei mittelalterliche Stadtmauern, die erste wurde ab dem Jahr 1229 gebaut, das jetzt betroffene Stück im Süden entstand als eines der letzten Abschnitte im Jahr 1516.

Dabei waren im letzten Jahr noch Restaurierungsarbeiten an den historischen Bauwerken ausgeführt worden. Es stellte sich heraus, dass die Mauer in dem jetzt betroffenen Bereich ausgebeult war. Als Grund dafür wurde hereingelaufenes Wasser ausgemacht, das im Winter zu Eis wurde und Hohlräume schaffte. Dadurch wurde das Mauerwerk instabil.

Die schleichende Schädigung sprengte jedoch den Rahmen der routinemäßigen Wartung, für die mehr als 200.000 Euro aus dem Topf zur Erhaltung von Denkmälern bereitgestellt worden war. Eine akute Gefahr bestünde nicht, befanden die Experten damals im Juni 2018 – nach außen hin war zu der Zeit noch alles in Ordnung.

Da notwendige weitergehende Wiederherstellungsmaßnahmen nicht durch die vorhandene Genehmigung abgedeckt waren, beschloss man, die Überholungsarbeiten auszusetzen und Messpunkte in der Mauer anzubringen, die in der Folge aber keine Veränderungen aufzeigten. Auf vorläufige Stabilisierungsmaßnahmen wurde verzichtet, als die Arbeiten eingestellt wurden – wie sich herausstellen sollte, war dies ein Fehler.

Nachdem das erste Stück Ende März herunter gebrochen war, sank in der Nacht zum 3. April ein weiteres Mauerstück zwischen dem Tor Waerachtig und den Türmen De Vief Köp und Haet Ende Nijt in den davorliegenden Weiher. Verletzt wurde durch die eingerichtete Absperrung erneut niemand, doch das Unbehagen bei vielen Besuchern wuchs: Verschwindet ein historisches Stück einer der ältesten Städte der Niederlande womöglich für immer?

In einer ersten Reaktion informierte der zuständige Beigeordnete Gert-Jan Krabbendam wenig später den Gemeinderat, wie man mit der desolaten Situation umgehen wolle. Als erstes wurde der Wasserspiegel des Weihers gesenkt, um eine Stützkonstruktion darin zu verankern. Zudem wurde die desolate Mauer mit schweren Sandsäcken stabilisiert. Der Teich wurde mit Kies angefüllt, auf dem demnächst Container platziert werden sollen. Diese Maßnahme dient dazu, die anschließend zu errichtenden Stahlstützen zu stabilisieren.

Die ganze Prozedur werde wahrscheinlich einige Monate lang dauern, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Stadt: „Die Sicherheit hat die höchste Priorität.“ Wie anschließend die Mauer rekonstruiert wird, steht noch nicht fest. Auf alle Fälle will man der genauen Ursache des Einsturzes auf den Grund gehen. Vorgesehen ist laut Tageszeitung „De Limburger“ die abgerutschten Steine zu nummerieren, damit sie originalgetreu wieder zusammengesetzt werden können. Der Weg über die Stadtmauer wird wohl rund um den Einsturzpunkt auf Monate gesperrt bleiben. Um sie zu entlasten, mussten jüngst auch Bäume gefällt werden.

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