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Tödliches Unglück beim Pinkpop 2018: Staatsanwaltschaft fordert anderthalb Jahre Haft für Unfallfahrer

Tödliches Unglück beim Pinkpop 2018 : Staatsanwaltschaft fordert anderthalb Jahre Haft für Unfallfahrer

Am Ende des Pinkpop-Festivals 2018 erfasste ein heute 37-Jähriger eine Personengruppe mit seinem Auto. Ein Mann starb. Am Mittwoch begann der Prozess gegen den Unfallfahrer. Die Staatsanwaltschaft fordert 18 Monate Haft, sein Verteidiger einen Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft war sich am Ende des Prozesses sicher: Der Angeklagte aus Heerlen hätte am 18. Juni 2018 die Gruppe von Festivalbesuchern sehen können, die er mit seinem Auto auf dem Mensheggerweg in Landgraaf erfasste. Wegen dem Verursachens eines tödlichen Unfalls und Fahrerflucht fordert sie 18 Monate Haft. Zudem solle er seinen Führerschein für fünf Jahre abgeben.

Zuvor rekonstruierte das Gericht mit Hilfe der Aussagen von Betroffenen, Zeugen und auch des Unfallfahrers selber den Tatablauf, berichtet das niederländische Nachrichtenportal „1limburg”.

Das Pinkpop ging am Sonntagabend zu Ende, danach saß eine Gruppe noch gegen 4 Uhr auf einer Straße, die bereits wieder freigegeben wurde, am Ausgang eines Campingplatzes. Dort galt Tempo 30.

Der heute 37-jährige Angeklagte übersah die Gruppe in der Nacht und erfasste sie mit seinem Auto. Nach Ermittlungserkenntnissen auf Basis der Schäden am Auto und des GPS-Systems sei er mit rund 50 Stundenkilometern statt der erlaubten 30 unterwegs gewesen. Da die Straßenbeleuchtung und die Beleuchtung des Autos funktionierten, geht Staatsanwalt Rob van Dartel davon aus, dass er die Gruppe hätte sehen können. Doch es kam zum Zusammenstoß. Ein Mann starb, drei weitere Männer und Frauen im Alter zwischen damals 23 und 30 Jahren wurden schwer verletzt.

Der Mann aus Heerlen floh daraufhin vom Unfallort. Ihm sei erst bei seiner Rückkehr in Amsterdam bewusst geworden, was dort passiert sei. Alkohol oder Drogen hatte er jedoch nicht konsumiert, zudem stellte er sich freiwillig der Polizei.

Vor Gericht gab er laut „1limburg” zu Protokoll, dass er verwirrt war, weil mehrere Straßen gesperrt waren. Da es finster gewesen sei, habe er die Leute erst wahrgenommen, als es schon zu spät war, um den Aufprall zu verhindern. Er sei völlig geschockt gewesen und wisse heute nicht mehr, warum er nicht gestoppt habe. Vor ihm hätten bereits mehrere Autofahrer die Gruppe jedoch wahrgenommen und auch teilweise gewarnt, sagten demnach Zeugen aus.

Verteidiger Raimon Maessen fordert jedoch einen Freispruch für seinen Mandanten. Er betonte, dass die Schilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung nicht ordnungsgemäß angebracht wurden. Demnach sei der Unfallfahrer mit rund 50 Stundenkilometern sogar deutlich langsamer unterwegs gewesen, als das übliche Tempolimit von 80 Stundenkilometern. Zudem sei zu berücksichtigen, dass er sich wenige Stunden nach der Tat gestellt habe und die Gruppe kaum zu sehen war.

Das Urteil soll in zwei Wochen fallen, schloss das Gericht am Mittwoch.

(cheb)