Anschlag in Kerkrade: Mann fährt mit Auto in Polizeiwache

Anschlag in Kerkrade : Mann fährt mit Auto in Polizeiwache

Auf die Polizeiwache in Kerkrade ist in der Nacht zu Freitag offenbar ein Anschlag verübt worden. Ein Mann durchbrach mit einem Auto, in dem sich Behälter mit womöglicher brennbarer Flüssigkeit befanden, die Eingangstür.

Der Vorfall ereignete sich gegen 5 Uhr an der Wache am Kerkradersteenweg, in der Nähe des Gaia-Zoos. Der Fahrer versuchte noch, den Wagen – einen dunklen Volkswagen Passat – in Brand zu setzen, bevor er flüchtete. Es entstand jedoch nur ein kleines Feuer, das rasch gelöscht werden konnte. In die sofort ausgelöste Suche nach dem Mann wurde auch die deutsche Polizei eingeschaltet. Die Fahndung blieb zunächst ergebnislos.

Nach Auskunft der Behörde war bei dem Anschlag niemand verletzt worden. Als der rückwärts fahrende Wagen die gläserne Tür des Gebäudes durchbrach, befanden sich zwar zwei Beamte in den Räumen der Wache, sie hielten sich allerdings nicht in Eingangsnähe auf.

Gegen 6 Uhr meldete sich ein 30-jähriger Mann aus Brunssum bei der Polizei in Heerlen; er wurde vorläufig festgenommen. Mittlerweile soll er die Tat gestanden haben. Nach Berichten niederländischer Medien ist unklar, ob es sich bei ihm um den Besitzer des Wagens handelt und ob er schon strafrechtlich in Erscheinung getreten ist. Auch das Motiv der Tat liegt noch im Dunklen.

Die Polizei sperrte für die Spurensuche den Tatort weiträumig mit Sichtschutzsperren ab, der Verkehr wurde umgeleitet. Um was es sich bei der Flüssigkeit in den Behältern handelte, stand zunächst noch nicht fest. Nach einer ersten Einschätzung könne es sich um Benzin handeln. Anfangs vermuteten die Behörden, dass der Täter noch Komplizen hatte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden jedoch keine weiteren Personen angetroffen.

Ein Polizeisprecher konnte auf Anfrage keine Auskunft darüber geben, ob es in letzter Zeit Drohungen gegen die Polizei gegeben hat. Die Ermittlungen liefen.

Nach den ersten Verhören stellte sich heraus, dass der Täter keine Verbindung zur organisierten Kriminalität habe. Darüber herrscht Erleichterung in Kerkrade, auch wenn die Beweggründe des Mannes immer noch nicht klar geworden ist. Die Polizei geht davon aus, dass es sich nicht um eine gezielte Aktion gegen die Behörde handelte. Allerdings wisse man noch nicht, ob es der Täter etwa aus geistiger Verwirrung heraus gehandelt habe.

Auf das Rathaus in der Stadt Waalre der Provinz Brabant war 2012 ein ähnlicher Anschlag verübt worden. Zwei Fahrzeuge waren in das monumentale Gebäude gesteuert und angezündet worden. Es brannte völlig aus, erst 2018 wurde ein neues Gemeindehaus eröffnet. Die Täter wurden bisher nicht ermittelt.

Justizminister Fred Grapperhaus in Den Haag nannte den Anschlag einen sehr ernsten Zwischenfall, auf den der Staat mit aller Macht reagieren müsse. Der Sicherheitsminister nannte in diesem Zusammenhang auch die Anschläge gegen die Tageszeitung „De Telegraaf“ und die Zeitschrift „Panorama“, die auf ähnliche Weise attackiert worden waren und die möglicherweise im Zusammenhang mit Drogenkriminalität stehen.

Die Sicherheit in und um Polizeiwachen werde regelmäßig und unabhängig kontrolliert, erklärte Grapperhaus. Bevor er weitere Rückschlüsse ziehe, werde er weitere Ermittlungsergebnisse abwarten.

Die Kerkrader Bürgemeisterin Petra Dassen-Housen zeigte sich gegenüber der Tageszeitung „De Limburger“ entsetzt über den Anschlag. „In dem Büro arbeiten Menschen, die für Sicherheit des Zusammenlebens eintreten. Sie müssen ihre Arbeit unbeschadet verrichten können.“

Das Gebäude wurde durch den Anschlag erheblich beschädigt. Es soll noch bis Montag geschlossen bleiben. Die Bevölkerung wurde an die Wachen in den Nachbarstädten Heerlen und Brunssum verwiesen.

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