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Gedenkmarsch in Maastricht: Ein letzter großer Abschied für den kleinen Gino

Gedenkmarsch in Maastricht : Ein letzter großer Abschied für den kleinen Gino

Nach dem Trauermarsch für den getöteten Gino in Kerkrade, fand auch das gemeinsame Gedenken in seiner Maastrichter Heimat großen Zuspruch. Die Familie des Neunjährigen dankt für die Welle der Solidarität.

Schweigend zog der Trauermarsch am Donnerstagabend durch den Maastrichter Stadtteil Mariaberg. Vorbei an dem Haus, in dem Gino bei seiner Mutter bis vor einiger Zeit noch lebte. Nun ist der Neunjährige tot, ein 22-Jähriger wird des Mordes an dem unschuldigen Kind verdächtigt. Die Tat und die emotionale Suche in der vergangenen Woche sind nicht spurlos vorbeigegangen an den Menschen in Süd-Limburg.

Doch es ist auch ein Zusammenrücken in der Region, das bei den Trauermärschen in Maastricht und Kerkrade sichtbar und für die Familie von Gino spürbar wurde. Dafür bedankte sich nach der Gedenkveranstaltung am Donnerstagabend auch Ginos Schwester Naomi: „Es ist wunderbar zu sehen, dass viele Menschen auf unterschiedlichste Weise an uns denken. Die Trauer ist riesig und wird nicht weniger, aber das Mitgefühl tut uns gut.“

Doch hinter all der Trauer bleibt auch die Wut über die offenen Fragen. Wie konnte es sein, dass der einschlägig vorbestrafte und dringend tatverdächtige 22-Jährige nicht früher ins Visier der Beamten geriet? Warum wurde sein Rückfallrisiko falsch eingeschätzt? Warum wurde die Suche der Polizei nach Gino erst am Tag nach seinem Verschwinden aufgenommen?

„Das darf nie wieder passieren“, sagte Naomi van der Straeten, wie schon am Vorabend in Kerkrade. Sie hoffte, dass der Staat daraus Lehren ziehen werde, was die Sicherheit an Spielplätzen und die Überwachung von Sexualstraftätern angehe.

Auch Maastrichts Bürgermeisterin Annemarie Penn-te Strakte zeigte ihre Fassungslosigkeit. Sie beklagte das Leid, das Gino widerfahren ist, aber forderte auch, dass alle in der Gesellschaft für den Schutz der Kinder aufstehen müssen. Doch die gemeinsame Trauerbewältigung machte ihr auch Mut. „Nur wenn man solche Dinge gemeinsam erlebt, dann ist es noch einigermaßen machbar. Das ist alles, was wir haben: unser Zusammensein“, sagte Penn-te Strake. Daher werde das Gemeindezentrum in Mariaberg auch verstärkt, um Gesprächsmöglichkeiten für Erwachsene, Kinder und Mitschüler von Gino zu bieten.

Zum Abschluss ließen die hunderten Menschen vor dem Gemeindezentrum des dichtbesiedelten Stadtteils westlich der Innenstadt Ballons in die Luft steigen und schossen Feuerwerksraketen ab, von denen Gino so begeistert war. Ein letzter Abschied. Nach den zwei großen, öffentlichen Gedenkveranstaltungen will die Familie nun im privaten und kleinen Rahmen ihre Trauer verarbeiten. Gewiss, dass eine ganze Region hinter ihnen steht.