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Trends und Probleme: Die Gastronomie-Branche feiert sich in Maastricht

Trends und Probleme : Die Gastronomie-Branche feiert sich in Maastricht

In Maastricht findet die „BBB/Folie Culinaire“ statt - eine Fachmesse für Hotels, Restaurants und Catering. Was sind die aktuellen Trends? Und wo liegen die Probleme?

Im Eingangsbereich des Maastrichter Kongresszentrums MECC warten unzählige – zumeist junge – Menschen bei wummernder Partymusik auf den Einlass zur Gastronomie-Messe „BBB/Folie Culinaire“. Hat die Gastronomie-Branche in der aktuellen Situation tatsächlich Grund zum Feiern? Ein Rundgang durch zwei Messehallen, in denen über 400 Aussteller technische Neuerungen, Produkte und Dienstleistungen für den Horeca-Sektor präsentieren, soll Aufschluss geben.

Dass man in Süd-Limburg zu feiern weiß, ist keine Überraschung, die Nachbarn rühmen sich gerne des besonderen „bourgondischen“ Lebensgefühls. Gutes Essen und Trinken gehört tatsächlich nicht nur zum touristischen Aushängeschild der südlichen Niederlande, die hochprofessionell organisierte Fachmesse demonstriert auch den Wirtschaftsfaktor des Gastgewerbes und des produzierenden Lebens- und Genussmittelsektors.

Die 68. Ausgabe der BBB wurde von Emile Roemer, Kommissar des Königs in Limburg, und Jos Lantmeeters, Gouverneur von Belgisch-Limburg, eröffnet. Belgien ist dieses Jahr Gastland und wird in einer besonders deklarierten Ausstellungszone vorgestellt, dementsprechend sind auch zahlreiche Gastronomen aus Belgien anwesend und suchen den Austausch mit niederländischen Kollegen und Produzenten.

In diesem Kontext fällt ein deutliches Defizit an Teilnehmern und Besuchern aus Deutschland auf. Ob dies an der mangelnden Bekanntheit dieser Traditionsmesse liegt oder an vermeintlichen Verständigungsschwierigkeiten bleibt unklar, als Fachmesse sollte die BBB/Folie Culinaire eigentlich auf dem Lehr- und Fortbildungsplan jedes gastronomischen (Ausbildungs-)Betriebs stehen.

Trends und Lösungswege

Personalmangel und die Bindung von Fachpersonal ist eines der großen Themen im Vortrags- und Wettbewerbsprogramm der Messe. Am Eröffnungstag ging es in der BBB-Academy unter anderem um Investmentfonds, zu denen Erik Theeuwes von Restaurant Company Europe (die größte niederländische Horeca-Gruppe mit rund 75 Restaurants, darunter Happy Italy, Beers & Barrels und Popo The Mexican) referierte.

Im Anschluss diskutierten Trendforscher Herman Konings, Bier-Experte Hans Glandorf, Biersommelier und Autor Frits Dunnik und Getränkeproduzent Joris Brams mit Unternehmer Charles van Gogh (Mise en Place, Maastricht) über den vermeintlich größten Trend des Gastgewerbes – alkoholfreie und alkoholarme Drinks. Während Glandorf und Dunnik die Zunahme an alkoholfreien Alternativen vor allem in der verbesserten Qualität der Getränke, beispielsweise bei alkoholfreiem Bier, das inzwischen auch als IPA erhältlich ist, sehen, skizzieren sowohl Konings als auch van Gogh einen insgesamt gewandelten Lebensstil nicht nur der jüngeren Generation zu gesunder Ernährung und damit auch reduziertem Alkoholkonsum.

Krise schafft Veränderung

Diesen Ansatz griff Trendforscher und Psychologe Herman Konings in seinem Vortrag auf und demonstrierte, dass Veränderungsprozesse vor allem in Krisenzeiten Aufschub erhielten und die Gesellschaft nachhaltig veränderten. Der erfahrene Dozent, der in den letzten zwanzig Jahren mehr als 3000 Vorlesungen und Workshops in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg zu Trendverschiebungen und Zukunftserwartungen hielt, spannte seinen Bogen zu gesundheitsbewusster Lebensweise von den Babyboomern bis zur Generation Z, für die alkoholfreier Genuss genau wie pflanzenbasierte Kost inzwischen eine Selbstverständlichkeit sei.

Andrang in der „Pubstreet“

Den Ausführungen zu alkoholfreien Getränken in Verbindung mit deutlich wachsenden Zahlen bei den Marktanteilen – allein das sollte Gastronomen motivieren, sich dem Thema zu widmen – steht ein weiterer Schwerpunkt der Messe diametral entgegen: Die „Pubstreet“ wurde allein im letzten Jahr von rund 14.000 Besuchern aufgesucht. Auch dieses Jahr präsentieren sich wieder zahlreiche Brauereien und Getränkeproduzenten, darunter auch regionale Brauereien wie Val Dieu, Ter Dolen oder die Brasserie Rolduc. Die immense Auswahl an alkoholischen Getränken sorgt für entsprechenden Andrang des jüngeren Publikums – gratis Bier und Cocktails trinken während der Fortbildungszeit schafft auch beim gastronomischen Nachwuchs Aufmerksamkeit. Neben einigen Anbietern von alkoholfreien Drinks wie „Agroposta“ mit Bio-Limonaden und „Nona“ mit „non-alcoholic Spirits“ im Spritz- und Gin-Stil erinnert das Team der Initiative BOB, die unter dem Motto „Bob jij of Bob ik?“ dazu aufruft, beim Fahren auf Alkohol zu verzichten, ein wenig an das berühmte gallische Dorf, das nicht von Römern, aber von Brauereien und Destillerien umgeben ist.

 Großer Andrang in der „Pubstreet“,
Großer Andrang in der „Pubstreet“, Foto: Belinda Petri

Spitzenköche in Aktion

Hohe Aufmerksamkeit herrscht auch beim „Chef's Table by Gault&Millau“: Unter der markanten Lichtinstallation sorgen verschiedene Spitzenköche der Region mit vorab gebuchten Menüs für eine Demonstration ihres Könnens, am Montag standen Gilbert van Berg (Restaurant Studio) und Rodney Welters (Novo New Dining) am Herd, am Dienstag sorgten Peter van Roij (Restaurant Vanille) und Sven Nijenhuis (Restaurant Ambrozijn) für kulinarische Highlights, am Mittwoch werden Zwei-Sternekoch Guido Braeken (Château Wittem) und Timo Reichelt (Au Coin des Bons Enfants) erwartet.

Mit der Auswahl dieser Spitzenköche zeigt die BBB die Verbundenheit zur Region ebenso wie bei der Auszeichnung von Betrieben mit der „Horeca Inspiratie Troffee“ für innovative Themen und der Präsentation des Weinguts Apostelhoeve bei den Wein-Tastings, bei denen Weine aus Süd-Limburg eine wichtige Rolle spielen. Zu den erfrischenden Neuentdeckungen gehört die „Lyck Urban Winery“ aus Lüttich, die ihre Rot-, Weiß- und Rosé-Weine aus belgischer Produktion vorstellen.

Weitere Trendthemen wie die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung und Abfallvermeidung sehen sich ebenso dem Dilemma ausgesetzt, dass auf der Messe viele Probierhäppchen und -schlückchen in Einwegbehältnissen ausgegeben werden, wie gleichermaßen die Huldigung des regionalen Lebens- und Genussmittelhandwerks mit der Präsentation von Convenience-Waren für Hotels, Restaurants und Catering konkurriert.

Umso erfreulicher, dass sich die Branche um Nachwuchs kümmert und bei der am Eröffnungsabend stattfindenden „Limburgs Culinair Gala“ mit Menüs von Hans van Wolde (Brut 172), Robin van de Bunt (De Leuf), Robert Levels (Château Neercanne) und Guido Braeken (Julemont – Château Wittem) auch die Preisträger des „Jong Limburgs Horecatalent“ bekanntgab: David Manders (Het Arresthuis) kann sich über die Auszeichnung im Bereich Service, Ilse Knop (Beejekurf) im Bereich Küche und Patriek Doelen als Jung-Unternehmer freuen.

Der Blick in die Zukunft des Horeca-Sektor ist zumindest in Süd-Limburg optimistisch, statt zu jammern wird hier gefeiert. Das mag an die Bordkapelle der Titanic erinnern, wenn ein Branchenmagazin in seinem zeitgleich veröffentlichten Newsletter Tipps zum professionellen Kochen ohne Gas ankündigt.