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De Meinweg: Waldbrand führt zu Evakuierung von Herkenbosch

Herkenbosch evakuiert : Waldbrände halten Feuerwehren mehrerer Länder weiter in Atem

NRW droht das schlimmste Waldbrandjahr seit langem. Waldbrände halten die Feuerwehren im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, auch aber in anderen Landstrichen und in Polen in Atem.

Aufkommender Wind hat im Grenzgebiet zu den Niederlanden einzelne Brandherde auf deutscher Seite wieder entflammt. Das teilte ein Sprecher des Kreises Viersen am Mittwochnachmittag mit. Das Feuer habe unter anderem trockene Nadelbäume nahe der Staatsgrenze erfasst. Insgesamt ist eine Fläche von rund 170 Hektar betroffen.

Die Einsatzkräfte seien dort verstärkt worden, um eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Aus der Luft unterstützen zum Löschen umgerüstete Polizeihubschrauber die Feuerwehrleute, die in dem unwegsamen Gelände unterwegs sind. Um ein genaues Lagebild zu bekommen, sei unter anderem ein Helikopter mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera im Einsatz.

Auf der niederländischen Seite wurde mit zwei Bergepanzern eine Brandschneise durch den Wald gezogen, um eine Ausbreitung des Feuers über diese Linie hinaus zu verhindern.

Das Feuer im Nationalpark De Meinweg ist inzwischen unter Kontrolle. Allerdings wüssten die Einsatzkräfte nicht, wie sich die Feuer entwickeln werden, wenn nun der Wind wie von einer Wetterprognose angekündigt wieder erstarken sollte, teilte ein Sprecher des Kreises Viersen am Mittwochmittag zur Situation mit. Der Kreisbrandmeister Rainer Höckels habe die derzeitige Lage der Heide- und Waldbrände im Bereich Niederkrüchten/Meinweg als „instabil - stabil“ bezeichnet.

Die Feuer hätten sich am Dienstagnachmittag sogar auf rund 200 Hektar ausgedehnt. Aktuell breiteten sich die Flammen aber nicht weiter aus. Rund 200 Feuerwehrleute aus Deutschland seien derzeit im Einsatz. Seit Montag waren es den Angaben zufolge insgesamt knapp 1000.

Feuer wütet im Nationalpark De Meinweg

In der Nacht seien etwa 500 Einsatzkräfte vor Ort gewesen. Zunächst wurden zwei Pflegeheime in Herkenbosch evakuiert. Am frühen Mittwochmorgen hat die Polizei dann mit der schrittweisen Evakuierung des ganzen Ortes begonnen. Beamte baten die Bewohner, ihre Häuser zu verlassen.

Einsatzkräfte müssen Corona-Abstand einhalten

Erschwert wurde diese Maßnahme durch das Coronavirus. Auch die Einsatzkräfte mussten die Problematik beachten und mit mehr Fahrzeugen als üblich anfahren, damit die Wehrmänner nicht auf zu engem Raum zusammensitzen.

Menschen in häuslicher Quarantäne konnten aber in einem Hotel in Roermond weiter isoliert werden. Bei anderen Bürgerinnen und Bürger wurde während des Transports in Bussen auf Abstand- und Hygieneregeln geachtet.

Für die Betroffenen richtete das Rote Kreuz in 16 Turnhallen Notquartiere ein, wegen der Corona-Pandemie mit nicht mehr als 50 Betten je Halle. Nur ein geringer Teil der Menschen nutzte jedoch das Angebot. Wann die Einwohner in den abgesperrten Ort zurückkehren können, war nach Angaben der Gemeinde zunächst noch nicht absehbar.

Herkenbosch hat mehr als 4000 Einwohner, die von der Evakuierung betroffen sind. Grund sei der dichte Qualm mit einer hohen Konzentration von Kohlenmonoxid, der sich über dem Ort ausgebreitet hat, berichtet das niederländische Nachrichtenportal 1limburg.nl. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort, um für die Sicherheit im Ort nach der Evakuierung zu sorgen.

Der Fluss Schwalm wurde aufgestaut, um die Löschwasserversorgung sicherzustellen. Das Wasser wurde über mehr als sieben Kilometer zu den Einsatzkräften transportiert.

Nach Angaben der niederländischen Behörden war das Feuer am Montagabend aus unbekannter Ursache im Nationalpark De Meinweg ausgebrochen.

Großflächiger Waldbrand auch in Gummersbach

Mehr als 100 Kilometer entfernt vom niederländisch-deutschen Grenzgebiet löschten Feuerwehrleute in Gummersbach im Oberbergischen Kreis letzte Glutnester eines großflächigen Waldbrandes. Hunderte Helfer sowie zwei Polizeihubschrauber mit Löschwassergefäßen und Flugfeld-Löschfahrzeuge vom Airport Köln/Bonn waren beteiligt. Ein 24-Jähriger soll den Brand durch „leichtfertigen Umgang mit Feuer“ ausgelöst haben, wie es bei der Polizei hieß.

Ohnehin ist in etlichen Waldgebieten durch Sturmschäden oder die Borkenkäferplage viel leicht brennbares Material vorhanden. Ein Feuerwehr-Experte befürchtet bei anhaltender Trockenheit 2020 das schlimmste Waldbrandjahr für NRW seit langem.

Feuerwehrleute und Helfer kämpfen derweil gegen einen Waldbrand im größten polnischen Nationalpark. Das am Sonntag ausgebrochene Feuer habe eine Fläche von rund 6000 Hektar erfasst, teilte das Innenministerium am Mittwoch laut Nachrichtenagentur PAP mit. Der Biebrza-Nationalpark im Nordosten von Polen umfasst unter anderem das Biebrza-Tal, eines der größten Torfmoore in Mitteleuropa. Elche leben dort ebenso wie seltene Vogelarten.

Das sumpfige, von Weidendickicht und Röhricht bewachsende Gelände sei an vielen Stellen schwer zugänglich, teilte die Parkverwaltung mit. Außerdem könne sich das Feuer, das an der Oberfläche gelöscht sei, durch den Wind in dem torfigen Untergrund weiter verbreiten und wieder ausbrechen. Nach einem Winter mit nur wenig Niederschlag hat Polen wie Deutschland in diesem Frühjahr mit Trockenheit zu kämpfen. Laut dem staatlichen meteorologischen Institut ist auch in den kommenden Tagen nicht mit Regen zu rechnen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Großbrand wütet im Nationalpark De Meinweg

(jas/dpa)