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Delta-Rhein-Korridor: 260 Kilometer lange Pipeline soll sechs Milliarden kosten

Delta-Rhein-Korridor : 260 Kilometer lange Pipeline soll sechs Milliarden kosten

Tausende Grundstücke sind betroffen: Pipelines und Leitungen für Chemikalien, CO₂ und Strom sollen künftig Rotterdam, das Ruhrgebiet und Chemelot in Geleen verbinden.

Eines der teuersten Infrastrukturprojekte aller Zeiten in den Niederlanden ist der Verwirklichung ein Stück näher gerückt, es ist nämlich zu einem Projekt von nationaler Bedeutung erklärt worden: Für rund sechs Milliarden Euro sollen Pipelines und Leitungen für Chemikalien, CO₂ und Strom zwischen Rotterdam, dem deutschen Ruhrgebiet und Chemelot in Geleen gebaut werden.

Allerdings ist noch nicht sicher, ob der Chemiekomplex Chemelot einen Anschluss erhält, weil sich wichtige Betriebe dort noch nicht an dem Konsortium, das den Bau realisieren soll, beteiligt haben. Auf dem 800 Hektar großen Gelände am Schnittpunkt zweier Autobahnen mitten in der Provinz Limburg erwirtschaften mehr als 8000 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro. Er ist einer der größten Schadstoffemittenten der Niederlande, die Verantwortlichen beschäftigen sich schon seit Jahren mit der Frage, wie die meist petrochemischen Betriebe in eine Zukunft mit regenerativer Energie geführt werden können.

Die Rohre des sogenannten Delta-Rhein-Korridors zwischen der Nordsee und dem Binnenland sollen durch drei niederländische Provinzen und 28 Gemeinden verlaufen. Die Schwerindustrie erhält durch sie Wasserstoff, Chemikalien und Strom. Ebenso wichtig: In der Gegenrichtung soll Kohlendioxid an die Küste geleitet werden, um es in leeren Gasfeldern unter der Nordsee zu speichern. Im April oder Mai werden die Bürger und Unternehmen in der Nähe der Trasse über die Pläne informiert.

Die 260 Kilometer lange Strecke führt von der Rotterdamer Maasvlakte nach Reuver. Dort soll es eine Abzweigung über Venlo ins Ruhrgebiet und in Richtung Süden nach Chemelot geben. Ziel ist es, Ende 2026 oder Anfang 2027 fertig zu sein. Die Strecke nach Geleen wird dabei die größten Probleme aufwerfen. Sie durchquert drei Naturschutzgebiete: das Schwalmtal, den Meinweg und das Rurtal. Tausende Grundstücke sind betroffen, allerdings steht die genaue Trasse noch nicht fest. Umweltverbände setzen sich für Wegführung ein, die negative Auswirkungen auf die Natur so weit wie möglich vermeidet, indem die geschützten Gebiete möglichst ausgespart werden. Die von ihnen geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorgenommen werden.

Als Investoren treten Unternehmen wie Shell und BASF auf, die bei Chemelot ansässigen Unternehmen sind bisher jedoch nicht dabei. Maarten van Gaans, Regionalminister in Maastricht, bezeichnet das gegenüber der Tageszeitung „De Limburger“ als ein beunruhigendes Signal. „Dann besteht die Gefahr, dass das Konsortium im Falle von Rückschlägen eher beschließt, die Leitungen von Reuver nach Geleen nicht zu bauen. Ohne diese Pipelines für Wasserstoff, CO₂ und Ammoniak wird es sehr schwierig, nachhaltig zu wirtschaften.“ Die Beteiligung von Chemieunternehmen wie Sabic und OCI, die arabische und ägyptische Eigentümer haben, sei auch von Belang wegen der Einstufung als Projekt von nationaler Bedeutung.

Der Bau des Korridors soll nach den bisherigen Vorstellungen komplett von der Wirtschaft bezahlt werden. Die Gesamtkosten werden je nach Anzahl der zu verlegenden Rohre auf vier bis acht Milliarden geschätzt. Allerdings könnte das niederländische Stickstoffproblem noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Um die benötigte Ausnahmegenehmigung zu bekommen, sollen beim Bau etwa elektrisch betriebene Bagger eingesetzt werden. Der Chemiekomplex Chemelot ist das einzige Industriecluster in den Niederlanden, das nicht am Meer liegt und daher nicht so einfach von der dort ausgehenden Versorgung mit grüner Energie und Rohstoffen profitieren kann.

(hau)