Niederländischer Autodieb am Landgericht Aachen zu Haft verurteilt

Urteil am Landgericht Aachen : Auftrags-Autodieb fährt für vier Jahre ins Gefängnis ein

Der Angeklagte hatte zur Feier des Tages ein weißes Hemd angezogen, eine blütenweiße Weste hatte er deswegen aber nicht. Am Dienstagmittag verurteilte die Jugendkammer des Landgerichts Ricardo S. aus Heerlen wegen bandenmäßigen Autodiebstahls, schweren räuberischen Diebstahls und mehreren Einbrüchen zu einer Haftstrafe von vier Jahren.

Nach Auffassung des Gerichts gehört der 21-Jährige zu einer Bande von „Auftragsdieben“.

In besseren Wohngegenden hielten sie Ausschau nach Luxuswagen. Auftraggeber waren Hintermänner, die auch in dem laufenden Verfahren nicht bekannt wurden. Mal war es ein Landrover, ein Mercedes der S-Klasse oder ein BMW X6, den sie nach zeitnah nach ihren Erkundungsfahrten entwendeten. BMW waren ohnehin bevorzugte Beute. In der Anklage tauchten mehr als 30 Straftaten auf, begangen zwischen Mai 2017 und Mai 2018, bevorzugt in der Region Selfkant, Gangelt, Geilenkirchen und Heinsberg. Fahrzeuge im Gesamtwert von nahezu einer Million Euro sollen die Männer gestohlen haben.

Bei ihren Straftaten waren sie durchaus flexibel. Mal wurde ein Fahrzeug mittels elektronischem Codeknacker entriegelt und gestohlen, mal wurden die Wagenschlüssel bei Hauseinbrüchen entwendet. Ein anderes Mal wurde ein Autoschloss nach alter Sitte durchaus rustikal geknackt. Als ein Opfer den Wagendiebstahl bemerkte und er sich mit einem anderen Auto den Dieben in der Sackgasse in den Weg stellte, fuhr Ricardo S. ohne zu zögern gegen seinen Wagen.

Die Limousinen wurden nicht an Interessenten verscherbelt, vielmehr noch am gleichen Tag in angemieteten Garagen im Grenzgebiet in Einzelteile zerlegt, nachdem vorher die Ortungstechnik ausgeschaltet wurde. Ein lukratives Geschäft. Deutsche Polizisten beklagen seit Jahren das geringe Interesse und die geringe Kooperationsbereitschaft ihrer niederländischen Kollegen, wenn es darum geht, solche Banden dingfest zu machen.

Nach Auffassung der Kammer war Ricardo S. keinesfalls der Kopf der Bande, spielte aber auch keine unbedeutende Rolle. Zudem ist Ricardo S. sowohl in den Niederländen als auch in Belgien einschlägig in Erscheinung getreten, hat bereits Haftstrafen verbüßt. Richterin Regina Böhme attestierte ihm eine erhebliche „kriminelle Energie“, eine „schädliche Neigung“, aber auch eine deutliche „Reifeverzögerung“. Ein Beispiel dafür wurde in dem Verfahren per Video eingeführt. Bei einem nächtlichen Diebstahl bemerkte der unmaskierte Angeklagte eine Kamera. Er drehte ab, um Sekunden später mit einer Kapuze im Gesicht wieder zu erscheinen.

„Sein Verhalten kommt eher einem Jugendlichen gleich“, fand das Gericht und wendete auch das Jugendstrafrecht für den 21-Jährigen an, während die Staatsanwaltschaft eine Freiheitstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten nach dem Erwachsenenstrafrecht für den jungen Mann gefordert hatte, der bislang keine Berufsausbildung absolviert hat. Strafmildernd wirkte sich auch sein umfangreiches, „sehr glaubhaftes“ Geständnis aus, so Böhme.

Der Staatsanwalt hatte einen „Wertersatz“ von Ricardo B. in Höhe von 463.000 Euro gefordert. Die Kammer blieb weit unter dem Antrag, verurteilte ihn nur zu einer Buße von 5000 Euro, was seiner 500-Euro-Prämie entspricht, die er nach zehn vollendeten Autodiebstählen jeweils erhalten hatte.

Das Verfahren gegen seinen Komplizen Manolito B. musste kurzfristig abgetrennt werden. Der ebenfalls 21-Jährige, der letzte Woche aus der U-Haft entlassen wurde, erschien nicht. Er soll krank sein. Der Mann aus Brunssum soll nur eine untergeordnete Rolle in dem Verfahren gespielt haben, der Staatsanwalt hat eine siebenmonatige Bewährungsstrafe gefordert. Das Urteil soll nun am Donnerstag nachgeholt werden. Zu der niederländischen Bande gehört noch ein weiterer Niederländer, der schon im Juli 2018 zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt wurde.

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