Aachen: Neues RWTH-Zentrum für E-Mobilität eröffnet

Aachen : Neues RWTH-Zentrum für E-Mobilität eröffnet

Professor Achim Kampker schwärmt von einer „einzigartigen Umgebung für die Elektromobilität“: Auf dem Campus-Gelände der RWTH Aachen ist am Dienstag das neue Zentrum für Elektromobil-Produktion (ZEP) eingeweiht worden. Und Kampker, Chef des Lehrstuhls für Produktionsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor (WZL), ist einer der führenden Protagonisten in dieser Sparte.

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Zudem führt der Wissenschaftler auch die Geschäfte der Streetscooter GmbH in Aachen. Sie hat sich bereits einen ausgezeichneten Namen mit der Fertigung eines Elektromobils geschaffen, das zudem die Deutsche Post so überzeugt hat, dass sie dieses Fahrzeug in Bonn und Umgebung im Zustelldienst einsetzt.

Die Streetscooter-Plattform, in der mehr als 80 Unternehmen aus der Region und weit darüber hinaus eng zusammenarbeiten, um das neue Stromer-Projekt voranzutreiben, spielt denn auch beim Aufbau des ZEP eine wichtige Rolle, wie Kampker darlegt.

Dieses Projekt, das in der hochkarätigen Maschinenausstattung bis kommenden März komplett eingerichtet sein soll und vorerst im Cluster Logistik etabliert worden ist, kostet 17,6 Millionen Euro. Die Kosten werden großenteils vom Land Nordrhein-Westfalen getragen. Zudem steuert das Bundeswirtschaftsministerium einen Teil dazu bei.

Zur Eröffnung des ZEP unterstrich NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) die Bedeutung und Strahlkraft dieser Top-Einrichtung, die bei vielen aus der Branche in den Fokus rücke, um von den Erkenntnissen zu profitieren. In ihrem Endausbau besteht das Zentrum aus einer sogenannten Anlauffabrik, einem Elektromobilitätslabor (E-Lab) und einer Demonstrationsfabrik. Mit dieser Investition leiste das Land einen „weiteren wichtigen Baustein zum Ausbau der Rolle Deutschlands zum Leitanbieter von Elektromobilität“, unterstrich der Minister. Produkte entwickeln und auf Herz und Nieren testen, dies sei vor allem für kleine und mittlere Unternehmen ein „unverzichtbarer Bestandteil des Entwicklungsprozesses hin zu qualitativ hochwertiger Elektromobilität“. Das ZEP werde sich erfolgreich zwischen Forschung und Produktion positionieren und zum Wissenschaftstransfer aus den Hochschulen in die Unternehmen beitragen.

In den neuen Dienstleistungszentrum können die Firmen Prototypen entwickeln sowie Produktionsverfahren und Komponenten testen. Das ZEP werde dazu beitragen, dass Innovationsschritte deutlich schneller als gewohnt in der Praxis etabliert werden könnten, zeigte sich Prof. Kampker überzeugt. Er sprach von einer Reihe von Partnerunternehmen, die sich bereits für eine Mitarbeit im ZEP angemeldet hätten, darunter etwa Trumpf, der namhafte Hersteller von Lasermaschinen aus Baden-Württemberg.

Doch auch regionale Firmen wie etwa das Laser-Bearbeitungs- und Beratungszentrum (LBBZ) in Geilenkirchen und der Aachener Batterie-Dienstleister Digatron sind dabei. Laut Bert Wirtz, dem Präsidenten der Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK), gebe es in der Region rund 200 Firmen, die als Zulieferer der Automobilindustrie tätig seien und damit für ein Engagement im ZEP in Frage kämen. „Die Wirtschaft ist elektrisiert“, sagte er. Die Kammer fördert das Projekt intensiv, so auch am heutigen Mittwoch mit einem „Forschungsdialog“, der „Perspektiven und Chancen für produzierende Unternehmen“ gerade in der Elektromobilität aufzeigen soll.

Kampker ist zuversichtlich, dass es mit Unterstützung des ZEP gelingen könne, das Investitionsvolumen für Kleinserienteile für die Automobilindustrie auf ein Zehntel der heutigen Kosten herunterschrauben zu können. Damit werde es leichter, den „Teufelskreis“ des hohen Kostendrucks zu durchbrechen und damit auch der Elektromobilität einen kräftigen Schub zu verleihen.

Ein wirksames Instrument dieser Strategie sollen beispielsweise auch 3D-Drucker werden, die benötigte Werkzeuge leichter verfügbar machten. „Wir wollen noch mehr Fahrt aufnehmen“, unterstrich Kampker.
Für Bernhard Heitzer, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, zeigt die Ansiedlung der Produktionsanlage für Elektrofahrzeuge, dass Deutschland ein „interessanter Standort für die Erforschung und Produktion innovativer Güter und Technologien wie der Elektromobilität“ sei. Er sprach von „gut angelegtem Geld“.

RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven unterstrich die Bündelung der Aktivitäten mehrerer Institute der Hochschule im ZEP, um gemeinsam besser voranzukommen. Das jetzt vorgestellte Ergebnis sei „ein großartiger Beweis, dass dies gelingen kann“.

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