Bonn: Neuer Prozess um Betrug bei Bonner Konferenzzentrum begonnen

Bonn : Neuer Prozess um Betrug bei Bonner Konferenzzentrum begonnen

Vom Prestigeprojekt zum Millionengrab: Der millionenschwere Skandal um das Bonner Kongresszentrum WCCB beschäftigt seit Dienstag erneut die Justiz. Vor dem Bonner Landgericht müssen sich die beiden städtischen Projektleiter verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mittlerweile pensionierten Stadtdirektor besonders schweren Betrug und Untreue vor, die Bürgeramts-Chefin wird des schweren Betrugs und der Beihilfe zur Untreue beschuldigt.

Mit dem WCCB (World Conference Center Bonn) wollte die Stadt Bonn ihre Stellung als UN-Standort stärken. Den Auftrag für das 140-Millionen-Euro-Projekt erhielt der inzwischen wegen Betrugs verurteilte und nach Südkorea ausgeliefert Investor Man-Ki Kim. Er besaß nicht einmal annähernd das geforderte Eigenkapital von 40 Millionen Euro.

Die beiden angeklagten Projektbeauftragten sollen schon frühzeitig gewusst haben, dass die Finanzierung des Bauvorhabens unzureichend war. Dennoch hätten sie 25 Millionen Euro Landesförderung für das Projekt erschlichen, indem sie gegenüber der Bezirksregierung falsche Angaben machten, erläuterte der Staatsanwalt. Der Ex-Stadtdirektor soll zudem eigenmächtig eine Vereinbarung der Stadt Bonn mit der kreditgebenden Sparkasse Köln-Bonn geändert haben. Im Ergebnis verpflichtete sich die Stadt, eine Art Bürgschaft von bis zu 74 Millionen Euro zu übernehmen, falls dem Investor in der Bauphase das Geld ausginge.

Der Verteidiger des Ex-Stadtdirektors wies die Vorwürfe als unbegründet zurück. Sein Mandant sei - wie viele andere Menschen auch - von Kim getäuscht worden. „Niemand ist davon ausgegangen, es mit einem Betrüger zu tun zu haben.” Auch der Verteidiger der Bürgeramts-Chefin hatte erklärt, er sei überzeugt, dass sich die Unschuld der 61-Jährigen erweisen werde.

Das Bonner Landgericht hatte Kim 2013 wegen schweren Betrugs zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, im vergangenen Sommer wurde er an Südkorea ausgeliefert. Ein Ermittlungsverfahren gegen die frühere Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann wurde 2012 aus Mangel an Beweisen eingestellt.

(dpa)
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