Nörvenich: Neuer Eurofighter der Bundeswehr in Nörvenich vorgestellt

Nörvenich: Neuer Eurofighter der Bundeswehr in Nörvenich vorgestellt

Die Alarmglocken schrillten im Frühjahr 2016. Damals machten vertrauliche Inhalte aus dem Rüstungsbericht des Bundesverteidigungsministeriums die Runde: Danach gab es Befürchtungen, Deutschland könne seine Verpflichtungen in der Nato mit dem Eurofighter womöglich nicht erfüllen.

Der wurde zu diesem Zeitpunkt gerade mit einem neuen Waffensystem aufgerüstet, um auch Bodenziele bombardieren zu können. Airbus hatte den Eurofighter einst als reines Jagdflugzeug für Luft-Luft-Einsätze konzipiert. Ziele am Boden sollte er nicht ins Visier nehmen. Doch das hat sich geändert.

Feierliche Übergabe: Im Fliegerhorst Nörvenich sind 31 Eurofighter stationiert, die mit dem modernen Waffensystem GBU-48 ausgestattet werden. Das Geschwader umfasst in der Regel 35 Piloten. Foto: Clemens-Smicek

Gerade diese Kernfähigkeit hatte die Nato der Bundeswehr für das Jahr 2018 ins Stammbuch geschrieben. Zudem wurde das Taktische Luftwaffengeschwader 31 Boelcke in Nörvenich für die Nato Response Force im kommenden Jahr gemeldet.

Welt ist nicht sicherer geworden

Eineinhalb Jahre später haben sich die Befürchtungen als unbegründet erwiesen: In einer Halle des Fliegerhorsts in Nörvenich wurde am Montag der erste mit vier Präzisionsbomben vom Typ Guided Bomb Unit (GBU)-48 bestückte Eurofighter präsentiert. „Ich freue mich“, sagte Generalmajor Klaus Veit, und ihm war die Erleichterung anzusehen.

In seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) übergab Veit symbolisch den ersten Eurofighter mit dem neuen Waffensystem der Luftwaffe.

Doch der Hintergrund der Umrüstung ist ernst, wie Generalmajor Günter Katz, Kommandeur Fliegende Verbände, nicht unerwähnt ließ. „Unsere Welt ist in den letzten Jahren und Monaten nicht friedlicher geworden“, sagte der General. Im Süden Europas habe sich ein Krisenbogen verfestigt, der durch staatliche Fragilität, blutige Konflikte und langdauernde Kriege gekennzeichnet sei.

„Zudem schwelt in unserem regionalen Umfeld im Osten Europas noch immer der Konflikt zwischen russischen Separatisten und der ukrainischen Zentralregierung. Ich übertreibe sicherlich nicht, wenn ich feststelle, dass wir derzeit in einem hoch dynamischen Umfeld mit deutlichen Herausforderungen an uns alle leben“, analysierte Katz. Diese Entwicklungen verlangten von der Bundeswehr, auf diese Veränderungen entsprechend zu reagieren und sich den gestiegenen Anforderungen anzupassen.

Katz: „Ich sage ihnen deutlich: Wir stellen uns diesen Herausforderungen.“ Deutschland und die Bundeswehr benötigten aber hochmoderne Technik, um in Einsätzen der Zukunft zu bestehen. „Für uns sind die Übernahme einer neuen Bewaffnung, ebenso wie moderne Waffensysteme und einsatzbereite, fortschrittliche Flugzeuge kein Selbstzweck.“

Als modern lassen sich die neuen Fähigkeiten des Euro- fighters fraglos bezeichnen. Er kann die GBU-48 — vom Wetter völlig unabhängig — aus einer Höhe von zehn Kilometern und einer Entfernung von bis zum 20 Kilometern per Laser und GPS bis auf eine Genauigkeit von drei Metern ins Ziel lenken.

Die GBU-48 gehört mit ihrem Gewicht von gut 500 Kilogramm und einer Länge von 3,68 Metern zu den sogenannten bunkerbrechenden Bomben, die auch panzergesicherte Bunker zerstören können. Unter Experten gilt der Eurofighter nicht als besonders schnell. „Die vier Bomben pro Maschine dürften den Vogel nicht gerade schneller machen“, meinte ein Ex-Pilot gegenüber unserer Zeitung.

Einig waren sich die Redner in Nörvenich in dem Wunsch, dass die GBU-48 nicht irgendwann einmal zum Einsatz kommen muss. Doch nicht zuletzt mit Blick auf die neue Rolle der Nato im Verhältnis zu den USA spielt auch die Bundeswehr denkbare Szenarien durch. Laut General Katz reichen diese von der „klassischen Bündnisverteidigung mit in erster Linie abschreckender, rückversichernder Funktion, bis hin zu Szenarien, in denen die politischen Entscheidungsträger aus unterschiedlichsten politischen und militärischen Erwägungen einen Einsatz von Bodentruppen eher zurückhaltend betrachten“.

In diesem Fall könne die Luftwaffe ihre Stärken zur Wirkung bringen. Übrigens: Ein solcher Einsatz müsste vom Bundestag abgesegnet werden.