Aachen: Neue Prognos-Studie: Ohne Digitalisierung keine Zukunft

Aachen: Neue Prognos-Studie: Ohne Digitalisierung keine Zukunft

Man sollte meinen, dass es genügend Studien über Struktur, Probleme und Perspektiven des Wirtschaftsraums zwischen Wegberg und Blankenheim gibt. Die Prognos AG hat im Auftrag des Zweckverbands Region Aachen eine weitere erstellt, die im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum von Prognos-Vizedirektor Olaf Arndt vorgestellt wurde.

Nun nur müde abzuwinken, würde dieser Arbeit nicht gerecht werden. Denn sie bündelt nicht nur das Datenmaterial, sondern versucht, aus der Analyse von sechs Leitmärkten Handlungsansätze für eine regionale Wirtschaftspolitik zu formulieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Innovationspotenziale, deren Klammer die Digitalisierung ist.

Die sechs Leitmärkte bilden 55 Prozent der Beschäftigten der Region (Städteregion Aachen sowie die Kreise Düren, Heinsberg und Euskirchen), 64,5 Prozent des erwirtschafteten Umsatzes und 35 Prozent der Unternehmen ab. Konkret geht es um die Märkte Informations- und Kommunikationswirtschaft, Bildung und Forschung, Produktionstechnik und Werkstoffe, Mobilität und Logistik, Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft sowie Gesundheitswirtschaft und Life Science, in denen verschiedene Branchen zusammengefasst werden.

Im Leitmarkt Informations- und Kommunikationswirtschaft waren 2015 rund 13.600 Menschen In der Region Aachen beschäftigt — ein Zuwachs von 17,1 Prozent gegenüber 2008. Kennzeichnend ist ein Mix aus Mittelständlern, Start-ups und Unternehmen, die sogar Weltmarktführer sind. Der von den 2300 Unternehmen erzielte Umsatz im Jahr 2014 lag bei 2,09 Milliarden Euro.

Der Leitmarkt Bildung und Forschung bot 2015 knapp 32.500 Beschäftigten in der Region Aachen einen Arbeitsplatz, ein Plus von 21,8 Prozent gegenüber 2008. Hier spielen natürlich die Hochschulen und Forschungseinrichtungen eine besondere Rolle. 3080 Unternehmen generierten im Jahr 2014 einen Umsatz von 1,54 Milliarden Euro. Der Teilmarkt Forschung und Entwicklung ist mit einem Beschäftigungsanteil von 34,5 Prozent und einem hohen Wachstum der stärkste in diesem Bereich.

Der Leitmarkt Produktionstechnik und Werkstoffe ist mit über 51.400 Beschäftigten (2015) sehr beschäftigungsintensiv, obwohl er zwischen 2008 und 2015 um rund 1,7 Prozent schrumpfte. Bemerkenswert: Lediglich 3,5 Prozent aller Unternehmen sind diesem Bereich tätig, doch die erzielten 2014 22,2 Prozent des regionalen Umsatzes, konkret: rund 12,1 Milliarden Euro. Metall-Unternehmen dominieren mit einem Anteil von rund 30 Prozent den Leitmarkt.

Dem Leitmarkt Mobilität und Logistik konnten 2015 rund 42.150 Beschäftigte zugerechnet werden, ein Plus von 4,1 Prozent gegenüber 2008. Die 6938 Unternehmen erwirtschafteten 2014 einen Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro. Mit 3356 Unternehmen dominiert der Teilmarkt Großhandel.

Im Leitmarkt Energie-, Wasser- und Abfallwirtschaft waren 2015 knapp 6300 Menschen beschäftigt, 17,8 Prozent mehr als 2008. 832 Unternehmen erwirtschafteten 2014 einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro. Mit einem Anteil von fast 75 Prozent überwiegen Unternehmen aus der Energieerzeugung und -versorgung.

Mit 72.600 Beschäftigten für das Jahr 2015 bietet der Leitmarkt Gesundheitswirtschaft und Life Science den meisten Menschen Arbeit, ein Zuwachs von 23,5 Prozent gegenüber 2008. 5324 Unternehmen in diesem Bereich machten 2014 einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Allein 63.000 Menschen sind in dem Teilmarkt der stationären und ambulanten Versorgung beschäftigt. Das ist jeder sechste Beschäftigte in der Region Aachen.

Auf Basis dieser Daten arbeitet die Studie Themen mit hohem Innovationspotenzial heraus, die sich leitmarktübergreifend etablieren und deren Bindeglied die Digitalisierung ist: „Produktion der Zukunft“, „Energie 4.0“, „Digitale Gesundheitswirtschaft“ oder „Intelligente Mobilität“. Diese Themen haben den Charme, dass Zeit und Kosten bei der Forschung durch die Nutzung von Ergebnissen aus anderen Wirtschaftszweigen eingespart werden können.

Interessant wird die Studie, wenn sie daraus Handlungsansätze ableitet — mit dem Ziel, eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln, die regionsweit getragen wird. Dies habe hohe Priorität für das Bemühen, eine „nachhaltige Bestandssicherung des Unternehmertums“ zu gewährleisten. Unter der Überschrift „Modernisierung der Transferstrategie“ plädiert die Studie für eine engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.

Weitere Schlagworte sind die Fachkräftesicherung, die Stärkung des Logistikstandortes im Hinblick auf zukunftsfähige Mobilitätskonzepte, die Gestaltung des Strukturwandels für die Zeit nach der Braunkohle mit Blick auf eine neue Ausrichtung des Energiesektors, die Betonung der Chancen, die die Grenzlage mit sich bringt, sowie die Forderung, die digitale Gesundheitswirtschaft in den Fokus zu rücken. Dies alles verbunden mit einer Schärfung des Profils der Region — Stichwort Marketing.

Das hört sich in der Zusammenfassung viel abstrakter an, als es in der Studie, die im Rahmen des vom NRW-Wirtschaftsministerium und der EU geförderten Projektes „Science Link — Business meets Future“ erstellt wurde, formuliert ist. Die Prognos-Experten liefern durchaus konkrete Orientierungspunkte, an denen sich die Region ausrichten kann — als „Arbeitsprogramm für die nächsten Jahre“, sagt Prof. Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin des Zweckverbands Region Aachen.