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Mehr Normalität: Neue Corona-Schutzverordnung für NRW

Mehr Normalität : Neue Corona-Schutzverordnung für NRW

Für Gesundheitsminister Laumann ist es eine „Zeitenwende“: Nordrhein-Westfalen verabschiedet sich von den komplizierten Corona-Einschränkungen. Das gesellschaftliche Leben für die Millionen geimpften oder genesenen Menschen wird ab Freitag leichter.

Nordrhein-Westfalen macht nach den langen Coronavirus-Einschränkungen einen großen Schritt in Richtung Normalität zurück. Geimpften, genesenen und getesteten Menschen stehen künftig auch bei höheren Ansteckungszahlen viele Angebote des gesellschaftlichen Lebens weiter offen. Einen neuen Lockdown angesichts der wieder steigenden Corona-Neuinfektionen schloss Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag aus.

Ein Lockdown lasse sich angesichts der vielen geimpften Menschen und flachen Krankheitsverläufe „in keiner Art und Weise mehr rechtfertigen“. Den vielen geimpften Menschen dürfe der Staat keine Einschränkungen mehr machen.

Nicht-Geimpfte müssen sich dagegen auf mehr Corona-Tests einstellen, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Laumann sprach von einer „Zeitenwende“, weil vielen Menschen die Freiheiten wieder zurückgegeben werden könnten.

Neue Corona-Schutzverordnung

Die neue Corona-Schutzverordnung für NRW umfasst nur noch acht Seiten - die letzte Version hatte noch 37 Seiten. Tatsächlich sind die Regeln nun auch einfacher: Als einzige Kennziffer gibt es nur noch die 7-Tage-Inzidenz 35, ab der die „3G-Regeln“ (geimpft, genesen oder getestet) zum Beispiel für Besuche in der Innengastronomie gelten. Zuvor hatte es in NRW mehrere Inzidenzstufen gegeben. Die neue Corona-Schutzverordnung gilt ab Freitag. Die „3G“-Regel soll zunächst bis zum 17. September gelten, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte.

Sie gilt auch für Veranstaltungen in Innenräumen (zusätzlich Hygienekonzept), für körpernahe Dienstleistungen und Großveranstaltungen im Freien ab 2500 Personen. Für Clubs und Diskotheken reicht kein Schnelltest, sondern es muss ein PCR-Test vorgeleget werden. Gleiches gilt bei sexuellen Dienstleistungen.

Für den Besuch von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen gilt die „3G-Regel“ laut Ministerium generell - also nicht erst ab einer 7-Tage-Inzidenz von 35.

Die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie im Handel und in Innenräumen bleibt bis auf wenige Ausnahmen etwa am Tisch im Restaurant bestehen. Auch bei Großveranstaltungen draußen oder großen Menschenansammlungen bleibt die Maske Pflicht.

Impfquote

Derweil sind rund 80 Prozent der über 16-Jährigen in Nordrhein-Westfalen geimpft. Diese Quote verkündete Laumann in Düsseldorf. Damit seien rund drei Millionen Menschen in NRW im Alter über 16 noch nicht geimpft. Davon gelte es noch etwa die Hälfte zu überzeugen, um eine Quote von 90 Prozent zu erreichen.

Der Intensivmediziner Gernot Marx rief gemeinsam mit Laumann angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen eindringlich dazu auf, sich möglichst bald impfen zu lassen. „Wir sind noch nicht über dem Berg“, sagte Marx. Um einen deutlichen Anstieg der Zahlen im Herbst und Winter zu verhindern, müssten sich in den kommenden Wochen noch deutlich mehr Menschen impfen lassen. Wer vollständig geimpft sei, sei vor schweren Verläufen wirksam geschützt. Laumann sagte: „Es war noch nie so unkompliziert, sich impfen zu lassen, wie jetzt.“

Impfungen ab 12 Jahren

Nach dem Votum der Ständigen Impfkommission zu Corona-Impfungen für alle Kinder ab zwölf Jahren sollen auch die Impfzentren in Nordrhein-Westfalen entsprechende Angebote machen. Das teilte Laumann mit. Es sei vorgesehen, dass die Eltern bei der Vorlage einer schriftliche Erklärung nicht unbedingt dabei sein müssten. Auch sei vorgesehen, dass in Schulen Termine für die Impfzentren vereinbart werden können. Der Minister verwies außerdem auf die bereits laufenden Impfungen bei den Kinder- und Hausärzten.

Bisher waren spezielle Impfangebote für Schüler in den Impfzentren und Schulen nur für die Sekundarstufe II vorgesehen. Das Schulministerium hat darauf hingewiesen, dass die Einwilligung der Erziehungsberechtigten vorliegen müsse und dass eine ärztliche Beratung, die den Empfehlungen und Vorgaben der Ständigen Impfkommisssion folgt, vor Ort sichergestellt werden müsse.

Die Möglichkeit zum Schulbesuch werde weiterhin natürlich nicht vom Impfstatus der Schülerinnen und Schüler abhängen, betonte das NRW-Schulministerium erneut. Allerdings sei für vollständig geimpfte oder genesene Schülerinnen und Schüler die Teilnahme an den Corona-Tests in den Schulen nicht mehr erforderlich.

Auflösung von Impfzentren

Die Impfzentren in den Kreisen und kreisfreien Städten werden wie geplant Ende September aufgelöst. An ihre Stelle treten in jeder Kommune sogenannte „koordinierende Covid-Impfeinheiten“, so Laumann. Die vom Land finanzierten Koordinationsstellen sollen vor Ort dezentrale Impfaktionen etwa in Vereinsheimen oder Turnhallen und auch Auffrischungsimpfungen in Altenheimen organisieren.

Rasche Auffrischugsimpfungen

Außerdem ließ Laumann verlauten, dass die Corona- Auffrischungsimpfungen in Nordrhein-Westfalen rasch beginnen sollen.  Auffrischungsimpfungen für Menschen, die mit Vektor-Impfstoffen wie Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden, sollen frühestens sechs Monate nach der Zweit- bzw. Einfachimpfung stattfinden. Das ist bei Astrazeneca frühestens ab Ende Oktober der Fall. Das Ministerium korrigierte damit Aussagen Laumanns, der zuvor September als Startzeitpunkt genannt hatte.

Dies betrifft besonders auch die rund 460.000 Menschen, die Ostern mit Astrazeneca geimpft wurden und nun zum Jahreswechsel ihre Auffrischungsimpfung bekommen könnten. Damit kommen für diese Zielgruppe die Impfzentren nicht mehr in Frage, da diese Ende September schließen. Die Menschen könnten sich an die niedergelassenen Ärzte wenden und sollten mit Moderna oder Biontech geimpft werden.
Auch bei den Menschen, die jünger als 80 Jahre sind, seien Auffrischungsimpfungen zu erwarten, ähnlich wie bei der Grippe-Impfung, sagte der Aachener Intensivmediziner Gernot Marx, der auch Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin ist. Es gebe aber derzeit noch keine medizinischen Aussagen zu der Frage des Zeitpunkts.

(dpa)