Neubaugebiet in Mechernich schwer mit Blei belastet

Strafanzeige gestellt : Neubaugebiet in Mechernich schwer mit Blei belastet

Vor mehr als zehn Jahren hat Jürgen M. (Name geändert) ein Grundstück in einem der großen Neubaugebiete in Mechernich gekauft. Gemeinsam mit Frau und Kind entschied sich der Freund von Weite und Natur ganz bewusst für die Eifel.

Jetzt gab es das böse Erwachen: „Im Kaufvertrag war von hochgradig bleibelastetem Boden keine Rede.“ Doch die Bleikarte des Kreises Euskirchen, die den betroffenen zufällig in die Hände fiel, weist eine Belastung von 5000 Milligramm Bleierz pro Kilogramm für das Baugebiet aus. Damit liegt die Belastung 12,5 Mal so hoch wie der erlaubte Grenzwert von 400 Milligramm pro Kilogramm Erde.

Jürgen M. erinnert sich: „Es gab beim Verkauf keine Aufklärung durch den städtischen Erschließer und Veräußerer“, sagt M. „Uns wurde das Grundstück im Baugrundgutachten sogar als ehemaliges Ackerbauland vermittelt.“ Im Bebauungsplan stand zwar der Satz, dass ein Bauherr „bleibelastetes Erdreich nach Vorschriften des Kreises zu entsorgen habe“, doch wo die Bleibelastung konkret wie hoch war oder ist und warum überhaupt bleibelastete Wohngebiete ohne Sicherungsmaßnahmen veräußert wurden, das erfuhren die Käufer aus dem Rheinland nicht.

Jürgen M. und seine Frau entschieden sich für den Bau eines Einfamilienhauses ohne Keller. Dennoch musste die Bodenplatte präpariert werden. Die Baufirma übernahm den Aushub des Bodens und fuhr diesen auch ab. Wie hoch der Boden belastet war, wohin er gefahren wurde, ob er ordnungsgemäß entsorgt wurde, darauf gibt die Kommune keine Antwort. Dass der Boden im an das Haus angrenzenden Bereich immer noch schwer belastet ist, kam nun erst mehr als zehn Jahre später ans Licht.

Hochgiftigen Staub

Zur Verkaufsförderung der Baugrundstücke sorgte die Stadt Mechernich dafür, dass keine Baufristen aufgestellt wurden.Die Folge: Einige Grundstücke sind noch immer unbebaut und klaffen wie große Wunden mit ihrer roten, steinigen Erde zwischen den inzwischen bebauten Stücken und verwuchern. Jürgen M.: „Seit 14 Jahren wird hier nun gebaut und immer wieder ziehen dicke Staubwolken von den frisch ausgehobenen Baugruben durch die Straßen.“ Während der großen Trockenheit 2018 war die Belastung für die Anwohner besonders groß. Seit Jahren spielen Kinder zwischen den bebauten Flächen, stecken die rotversandeten Finger in den Mund und atmen, ebenso wie die Erwachsenen, immer wieder den hochgiftigen Staub ein. Das Einatmen von Bleistaub führt unstrittig zur Aufnahme des Schwermetalls im Blut und lagert sich dort vorübergehend ab. Jürgen M.: „Wir Anwohner dachten, dass wir aufgrund der Baugrundgutachten auf der sicheren Seite seien, doch wie sich herausstellte, ermitteln Baugrundgutachten gar keine toxikologischen Werte.“

Eine Bürgerinitiative, die sich dem Thema inzwischen widmet, erwirkte im Sommer 2018 einen vorübergehenden Baustopp und das Wässern der Bauflächen. Jürgen M., der der Stadt viele Fragen stellte, aber keine Antworten erhalten habe, sagt: „Die Behörden versuchen zu verharmlosen, was passiert ist.“ Inzwischen liegt gegen Bürgermeister Hans-Peter Schick eine Dienstaufsichtsbeschwerde vor. Die Bürgerinitiative stellte Strafantrag wegen Körperverletzung. Die Betroffenen beklagen zudem die einseitige Informationspolitik der Stadt und den ignoranten Umgang mit den Bürgern.

Der Bürgermeister wollte sich auf wiederholte Nachfrage unserer Zeitung nicht zu den Vorfällen äußern.

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