Aachen: Neonazis planen „Ballermann-Party“ im Raum Aachen

Aachen : Neonazis planen „Ballermann-Party“ im Raum Aachen

Es klingt nach Feierlaune. Am kommenden Samstag findet im Raum Aachen „die offizielle Ballermann-Party“ statt. Auf eine so markante Weise dafür werben darf nur, wer eine Lizenz erworben hat und unter dem Label „Ballermann“ Stimmung verbreiten will. Allerdings gibt es einen Schönheitsfehler: Veranstaltet wird diese offiziell lizenzierte Party durch Neonazis, teilweise ist sie konspirativ organisiert.

Seit Wochen bewerben der Kreisverband Aachen-Heinsberg der neonazistischen Splitterpartei „Die Rechte“ (DR) und ihre Unterorganisation „Syndikat 52“ (S52) die Party über ihre Homepages und via Facebook. S52 ist die indirekte Nachfolgeorganisation der verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL).

Die Lizenz für die „Ballermann-Party“ dürfte die DR einige hundert Euro gekostet haben. Daher werben der regionale Parteiverband und S52 damit, dass man „Lizenzpartner“ der A. Engelhardt Markenkonzepte GmbH ist. Die GmbH hat solche Lizenzen auch schon an den TV-Sender RTL und eine Kinofilmproduktion verkauft.

S52 und DR nutzen zwecks Werbung so auch völlig legitim den offiziellen Schriftzug für „Ballermann-Partys“. Die Nachfolger einer Neonazi-Gruppe, die 2012 wegen ihrer Verfassungsfeindlichkeit und Radikalität verboten wurde, dürften das wohl als Erfolg werten.

Im Landesverfassungsschutzbericht heißt es über die Partei „Die Rechte“, sie sei „in struktureller Hinsicht ein Sammelbecken für Neonazis, ideologisch wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus und tritt in aggressiv-kämpferischer Weise auf“. Kreisverbände seien „in der Führungs- und Mitgliederstruktur weitgehend mit den verbotenen Kameradschaften identisch“. S52 sei ein „Projekt der regionalen Parteienstrukturen“ in Aachen, Düren und Heinsberg.

Jeder kann eine Lizenz beantragen

André Engelhardt von der Markenkonzepte GmbH teilte unserer Zeitung auf Anfrage mit, dass die Partei „ordentlich eine Lizenz für die Nutzung der Marke ‚Ballermann‘ für eine Party erworben und die Lizenzgebühr ordentlich gezahlt“ habe. Die Partei sei nicht verboten, Hintergründe zu ihr und der Party seien ihm bisher nicht bekannt gewesen. Jeder könne eine solche Lizenz erwerben, solange es eine zugelassene Organisation sei und Behörden nicht einschritten. Öffentliche Partys seien beim Gewerbeamt anzumelden, befand Engelhardt. Sollte etwas dabei nicht mit rechten Dingen zugehen, müsse die GmbH „aktiv werden“. Man unterstütze die lizenzierte Veranstaltung nicht logistisch, es sei auch „nicht bekannt, welche Künstler dort auftreten“.

DR und S52 bewerben die Party bisher teils konspirativ. Als Ort wird nur Aachen genannt, was in der jüngsten Vergangenheit letztlich darauf hinauslief, dass ähnliche rechtsextreme Treffen in Heinsberg oder Erkelenz stattfanden. Wie in der Szene üblich sollen Interessierte am Tag selbst erst über eine spezielle Rufnummer oder via Messenger erfahren können, wo die „Ballermann-Party“ gastiert.

Häme und Provokation

Was indes fasziniert die Neonazis an der Nutzung des offiziellen Labels? Vielleicht Häme und Provokation: Rechtsextremisten hatten in diesem Sommer auf der Ferieninsel Mallorca und in den Party-Lokalen „Bierkönig“ und „Ballermann“ mehrfach für negative Schlagzeilen gesorgt. So kam es unter anderem zu unschönen Szenen bei einem Auftritt der Sängerin Mia Julia.

Die Polizei kennt die Werbung der Neonazis. Aachens Polizeisprecher Paul Kemen sagte auf Anfrage, der Behörde und der Staatsschutzabteilung sei „bekannt, dass eine solche Veranstaltung stattfindet“. Mehr sei „zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht“ bekannt. Falls nötig, sei die Polizei allerdings „jederzeit in der Lage, Maßnahmen zu treffen, wenn wir sie für erforderlich halten“, sagte Kemen.

Die „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Köln“ rät seit Jahren in Stellungnahmen dazu, Vermieter sollten vorsichtig sein, weil Rechtsextremisten „sich regelmäßig in Tagungsräumen von Sport-, Schützen- und Kleingartenvereinen, Gaststätten und Hotels einmieten“. Oft geschehe das ohne genaue Angaben über den wahren Charakter der Veranstaltung. Vermieter stünden dann „unfreiwillig vor einer großen Herausforderung“.

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