Nationalparkregion Eifel stellt Kampagne gegen Motorradlärm vor

„Silent Rider“ : Nationalparkregion Eifel stellt Kampagne gegen Motorradlärm vor

Es ist ein vertrackter Konflikt, ein Konflikt zwischen Anwohnern, die Ruhe schätzen, der Natur der Eifel und den Motorradfahrern, die zu laut und zu schnell auf den kurvigen Strecken durch eben diese schöne Landschaft unterwegs sind.

An sonnigen Tagen kommen viele Touristen und Ausflügler in die Eifel – sie suchen die Ruhe auf Wanderwegen des Nationalparks, erkunden die kleinen Städtchen. Andere stören diese Ruhe, knattern mit manipulierten Auspuffanlagen an ihren Motorrädern über die Straßen und rasen mit entsprechendem Dezibel-Pegel durch die kurvigen Strecken. Der Konflikt in der Eifel ist alt, ihn vor Ort zu lösen aber nicht möglich. Dabei ist es nicht so, dass es an Versuchen mangelt. Es gab Gesprächsrunden, Appelle, Polizeiaktionen. „Was wir aber brauchen, sind Gesetzesänderungen auf Bundes- und Europaebene“, sagt Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns (CDU). Gestern stellte er mit anderen eine neue Kampagne gegen Motorradlärm vor.

Die Bürgermeister von sieben Eifel-Kommunen haben sich zusammengetan, um im Schulterschluss mit anderen Motorradregionen in Deutschland einen Forderungskatalog an die Bundespolitik zu richten. Außerdem wollen sie mit einer groß angelegten Kampagne unter dem Titel „Silent Rider“ (deutsch „Leise Fahrer“) mit Auftritten in den Sozialen Netzwerken, Plakaten und Veranstaltungen auch die Bikerszene für das Thema Lärmbelastung sensibilisieren.

Um das alles organisieren und finanzieren zu können, gehen die Initiatoren davon aus, dass sie 40 Mitstreiter brauchen. Beim ersten Zusammentreffen von Interessenten am Montag waren 50 Vertreter aus ganz Deutschland waren dabei – unter anderem aus dem Sauerland, dem Bergischen Land, der Rhön, dem Odenwald, Südhessen und dem Südschwarzwald – auch der Bundesverband der Motorradfahrer. Insgesamt bekundeten 20 Vertreter recht zügig ihre Absicht, mit dabei zu sein, darunter die Motorradfahrer. Vor den Sommerferien sollen verbindliche Zusagen vorliegen. Sind 40 Mitstreiter mit an Bord, kann die Kampagne nach Angaben der Eifeler Initiatoren starten, der Forderungskatalog in die Post gegeben werden. „Nur mit vielen, die mit den selben Problemen zu kämpfen haben, können wir die notwendige Durchschlagskraft erreichen“, unterstreicht Hermanns.

Zehn Forderungen hat die Arbeitsgemeinschaft „Region Nationalpark Eifel“ unter anderem mit Mitstreitern aus dem Schwarzwald und Südhessen erarbeitet. Zentrale Forderungen betreffen die Vorgaben für den Bau von Motorrädern. „Sie müssen wesentlich leiser werden, Grenzwerte müssen EU-weit massiv verschärft werden und deren Einhaltung strikter kontrolliert werden“, nennt Hermanns zentrale Aspekte. Darüber hinaus fordert die Arbeitsgemeinschaft, dass Strafen für Manipulationen am Auspuff und Luftfilter drastisch verschärft werden müssten, lärmsteuernde Auspuffklappen und elektronische Regelungen müssten verboten werden „Es muss möglich sein, dass manipulierte Motorräder sofort stillgelegt werden dürfen. Die Fahrer können nicht einfach ein anderes Fahrzeugteil einbauen und dann weiterfahren, wenn sie gezielt manipulieren“, sagt Hermanns.

Die sogenannte Panoramastraße ist bei sportlich ambitionierten Bikern ein beliebtes Terrain. Foto: ZVA/Sarah Maria Berners

Eine weitere zentrale Forderung sind Frontkennzeichen für Motorräder. „Es darf nicht sein, dass die Motorradfahrer winkend durch die Radarkontrolle fahren“, betont der Simmerather Bürgermeister. Alternativ könne ein persönliches Helmkennzeichen sinnvoll sein. Eine schon oft geforderte Gesetzesänderung hat ebenfalls Einzug in den Katalog gehalten: die Halterhaftung oder zumindest die Pflicht, dass der Halter eines Fahrzeuges die Kosten trägt, wenn ein Fahrer mit seinem Bike geblitzt wird.

In der Arbeitsgemeinschaft „Region Nationalpark Eifel“ haben sich die Kommunen Simmerath, Nideggen, Heimbach, Hürtgenwald, Schleiden, Bad Münstereifel und Nettersheim zusammengeschlossen. Mitglied sind auch das Nationalparkforstamt Eifel, der Förderverein Nationalpark Eifel, der Landesbetrieb Wald und Holz, die Kreise Euskirchen und Düren sowie die Städteregion Aachen, die drei Polizeibehörden dieser Region und der Landesbetrieb Straßenbau. Start der von einer Kommunikationsagentur erarbeiteten Werbe- und Sensibilisierungskampagne könnte dann im Frühjahr 2020 sein.

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