Nach Notre-Dame-Feuer: Aachener Dom hat "sehr guten Brandschutz"

Viel Holz verbaut : Aachener Dom hat „einen sehr guten Brandschutz“

Nach Notre-Dame: Wie sicher ist der Aachener Dom?

Wie die Kathedrale in Paris und anders als der Kölner Dom hat der Aachener Dom Dachstühle aus Holz. Aber Dombaumeister Helmut Maintz und sein Team, Handwerker und Feuerwehr tun alles, damit keine Katastrophe passiert.

Würde ein derart verheerendes Feuer wie am Montagabend in der Kathedrale Notre-Dame den Aachener Dom treffen, wäre der Schaden unübersehbar. Auf jeden Fall ließe er sich nicht beziffern. „Es wäre vor allem ein immenser ideeller Schaden“, sagt Aachens Dombaumeister Helmut Maintz im Gespräch mit unserer Zeitung. „Das kann niemand abschätzen; und so ist es jetzt ja auch in Notre-Dame. Denken Sie nur an das Wasser im Mauerwerk, an die Steine, die durch die große Hitze womöglich ihre Festigkeit verloren haben.“ Die gesamte Statik des Gebäudes sei zu kontrollieren.

Maintz hat sich das Drama wie so viele Menschen vor dem Fernsehschirm angeschaut. „Es ist ganz schlimm, schmerzlich und traurig. Ich kann mich gut in die Pariser Kollegen hineinversetzen, die so viel Arbeit in diese Kirche gesteckt haben. Wir haben hier auch 31 Jahre lang eine Baustelle gehabt; und zum Glück ist nichts passiert. Wenn man das dann sieht in Notre-Dame – unvorstellbar.“ Maintz wird genau verfolgen, wie es in Paris weitergeht, und alle Sicherheitsmaßnahmen in Aachen überprüfen.

Feuer und Wasser

Wie die Kathedrale in Paris und anders als der Kölner Dom hat der Aachener Dom Dachstühle aus Holz. „Darauf sind wir auch stolz, weil sie sehr alt sind – von 1656.“ Im Laufe der Zeit sind die Konstruktionen hier und da auch mit Holz ergänzt worden. Das Risiko eines Brandes will Maintz weder kleinreden, noch überbewerten. „Wenn ein solcher Dachstuhl brennt, brennt er ganz schnell und ganz gut. Aber wir sind bestens gerüstet, wir haben einen sehr guten Brandschutz. Wir haben vorbeugend viel gemacht, und das halten wir auch in Schuss.“

Sicher ist sicher: Dombaumeister Helmut Maintz kontrolliert ständig auch im Dachstuhl des Aachener Münsters (oben), die Feuerwehr übt regelmäßig drinnen wie draußen. Foto: ZVA/HARALD KROEMER

Wenn am Aachner Dom gebaut wird, gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen. Es darf nirgendwo geraucht und Sägespäne müssen sofort beseitigt werden. „Der Strom kommt nur von außen über eine separate Leitung und wird abends vom letzten Handwerker für die gesamte Baustelle ausgeschaltet. Da läuft kein Ladegerät mehr.“ Maintz weist Handwerker genau ein. „Das darf keine Routine werden. Die müssen sensibel sein, und wir alle müssen wach sein und mögliche Gefahrenquellen sofort erkennen.“

Feuerlöschanlage von 1929

Die Feuerlöschanlage im Dom stammt aus dem Jahr 1929 und ist nach wie vor voll funktionstüchtig. Sie wird in der kommenden Woche turnusmäßig überprüft und ist kombiniert mit einer Brandmeldeanlage, deren Rauchmelder überall im Dom verteilt sind und die im Notfall automatisch die Feuerwehr alarmieren. „Die Hitze setzt die Sprinkleranlage in Gang, und es wird sofort gelöscht. So kann man im besten Fall das Feuer schon eindämmen, bevor größerer Schaden entsteht.“

Aber kann Wasser nicht genauso verheerenden Schaden anrichten wie Feuer? „Ja“, sagt Maintz, „deshalb sind alle Gewölbe im Aachener Dom mit einem Estrich überzogen. Es gibt Sammelkessel und Rohre, die nach draußen führen und das Löschwasser sofort ableiten.“ Erst vor drei Wochen seien die Estriche in der Chorhalle überprüft und auf Risse untersucht worden.

Den Kontakt zur Feuerwehr nennt Maintz gut und eng. „Wir arbeiten sehr kooperativ zusammen. Die Feuerwehrleute wissen im Ernstfall genau, wohin sie müssen, kennen die Wege. Es wird regelmäßig gemeinsam geübt.“ Zudem sei für jedes einzelne Kunstwerk genau festgelegt, was im Ernstfall mit ihm zu geschehen hat. Zum Beispiel Karlsschrein und Marienschrein, die in Vitrinen aus Panzerglas stehen, würden zunächst mit einer Branddecke geschützt und im schlimmsten Fall herausgetragen.

„Da befinden sich unwiederbringliche Werte, die schnell gerettet werden müssten“, sagt Feuerwehrchef Jürgen Wolff unserer Zeitung. Die Pläne lägen in den Schubladen würden aber regelmäßig praktisch geübt. Groß angelegt ist beispielsweise eine jährliche Übung mit der Drehleiter am Dom. Auch nach dem Drama von Paris sieht Wolff keinen Anlass, diese Pläne zu überdenken. „Wir sind davon überzeugt, dass wir eine optimale Vorplanung haben“, sagt der Feuerwehrchef. Trotzdem könne man Gefahren nie hundertprozentig ausschließen. „Unmöglich ist nichts. Wir habenAnfang 2011 einen dramatischen Brand in der Aachener Citykirche erlebt, bei dem der Hochaltar abgebrannt ist.“

Lob für die Kollegen in Paris

Vollständig zerstört wurden damals in der Silvesternacht die drei Bilder des Rubens-Schülers Abraham van Diepenbeeck (1596-1675) und einige Heiligenfiguren. Der materielle Wert des barocken Hochaltars wurde gegenüber der Versicherung auf 385.000 Euro beziffert worden, der kunsthistorische Wert dürfte wesentlich höher sein. So sagte Pastoralreferent Dieter Spoo seinerzeit: „So einen frühen Barockaltar gab es im ganzen Maasland nicht mehr.“

In Notre Dame hatten Bauarbeiten stattgefunden. Wenn im Aachener Dom solche „feuerkritischen“ Arbeiten stattfinden, gibt es in der Regel einen engen Austausch zwischen Dom und Feuerwehr. Wolff erklärt, dass dann mitunter zur Prävention sogenannte mobile Überwachungen beschlossen werden. „Das sind quasi mobile Rauchmelder.“ Als Feuerwehrmann lobt er den Einsatz der Pariser Kollegen. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass meine Männer das genauso leisten könnten. Dieser Beruf ist keine Tätigkeit, sondern Berufung“, sagt Wolff. Die Feuerwehrmänner in Paris seien sicher stolz, aber auch traurig.

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