Düsseldorf: Nach Bonner Parteitag: Zahl der Eintritte bei der NRW-SPD steigt in die Höhe

Düsseldorf : Nach Bonner Parteitag: Zahl der Eintritte bei der NRW-SPD steigt in die Höhe

Die Zahl spontaner Parteieintritte bei der nordrhein-westfälischen SPD schießt nach oben. Seit dem knappen Bundesparteitagsvotum für Koalitionsverhandlungen mit der Union am Sonntag sind bei der NRW-SPD bis Mittwoch bereits rund 1300 Online-Anträge auf SPD-Mitgliedschaft eingegangen.

Allein seit Dienstag hat sich die Zahl der Anträge beim größten SPD-Landesverband mehr als verdoppelt. Die Aufmerksamkeit für das Phänomen der Parteintritte könnte einen „Multiplikatoreffekt” bewirkt haben, sagte ein Sprecher der NRW-SPD am Mittwoch.

Dem stehe „eine Handvoll” Austritte gegenüber. Die Anträge würden jetzt bearbeitet. Über die Aufnahme der neuen Mitglieder entscheiden die jeweiligen Ortsvereine.

Ob es sich bei den Antragstellern vor allem um Gegner einer Neuauflage der großen Koalition handelt, die dem Aufruf der Jusos zum Parteieintritt folgen, ist unklar. Die Jungsozialisten (Jusos) als entschiedene Gegner einer Neuauflage der großen Koalition von CDU, CSU und SPD trommeln derzeit verstärkt für Parteieintritte. Denn über den Koalitionsvertrag sollen am Ende alle mehr als 400.000 SPD-Mitglieder abstimmen. Die Jusos hoffen über den Mitgliederentscheid, eine große Koalition noch stoppen zu können. Die SPD-Führung will Anfang kommender Woche einen Stichtag festlegen, ab wann Neumitglieder an dem Mitgliederentscheid teilnehmen dürfen.

„Die Stimme jedes Mitglieds — ob Parteivorsitzender oder Neumitglied - ist gleich viel wert”, heißt es in einem Aufruf des NRW-Juso-Chefs Frederick Cordes. Zugleich machte ein Juso-Sprecher in Düsseldorf aber deutlich, dass die Partei nicht auf kurzfristige Protest-Aktivisten zähle, sondern auf dauerhaft bleibende Parteimitglieder.

Bei der Untersuchung der Altersstruktur der ersten 1000 Antragsteller sei herausgekommen, dass ein Fünftel, also etwa 200 Personen, unter 30 Jahre alt seien, sagte der Sprecher der NRW-SPD. Allerdings seien 250 weitere Antragsteller zwischen 50 und 59 Jahre alt. Die Anträge werden von den zuständigen SPD-Ortsvereinen geprüft. Diese müssen auch die Brief-Anträge bearbeiten.

Wie viele neue Mitglieder letztlich aufgenommen werden, ist noch unklar. Zum Vergleich: Nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump waren bei der NRW-SPD im Februar 2017 mehr als 1500 Anträge eingegangen, aufgenommen wurden 1250 Neumitglieder. Derzeit hat die NRW-SPD als größter Landesverband rund 111.000 Mitglieder, rund 3000 mehr als 2016.

(dpa)