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Aachen: Nach Arztfehler: 90.000 Euro für Eltern

Aachen : Nach Arztfehler: 90.000 Euro für Eltern

Schmerzensgeld in Höhe von knapp über 90.000 Euro hat das Landgericht Aachen jetzt den Eltern eines Ende 1996 gestorbenen Kindes zugesprochen. Dessen Leiden hatten vier Krankenhausärzte falsch eingeschätzt.

Das Mädchen war nicht einmal vier Jahre alt geworden. Mit Atembeschwerden war es das erste Mal in eine Kinderklinik gekommen, als es 15 Monate alt war. Vor Ort stellten die Ärzte eine „obstruktive Bronchitis” fest. Das Kind wurde stationär behandelt.

Einen Monat später suchten die Eltern mit ihrem nach Luft schnappenden Mädchen einen Kinderarzt auf. Der verabreichte ein Medikament und sprach die Empfehlung aus, sich sofort an die Notaufnahme eines Krankenhauses zu wenden, falls keine Besserung auftrete.

Hier befanden Ärzte, die Kleine gehöre auf die Kleinkinderstation, wo es bald zu einem dramatischen Zwischenfall mit Atem- und Herzstillstand kam, während die Ärzte bei einer Mittagsbesprechung waren und nur ein Student im praktischen Jahr nach dem Rechten sah.

Das Mädchen wurde zwar erfolgreich wiederbelebt, hatte aber bereits einen sehr schweren Hirnschaden davongetragen. Es war seitdem ein Schwerstpflegefall. Kurz vor seinem vierten Geburtstag war das Mädchen gestorben - einen Tag vor Heiligabend 1996.

Jetzt, siebeneinhalb Jahre später, befand die 11. Zivilkammer, dass sämtliche verklagten Ärzte die Situation falsch eingeschätzt haben (Az.: 11 O 141/96). Schon bei der Aufnahme hätte das Kind zur Überwachung auf die Kinderintensivstation gehört, wo auch frühzeitig ein Zugang hätte gelegt werden müssen.

Lange mit dem Fall beschäftigt waren nicht nur die Richter, sondern auch verschiedene medizinische Experten. Zum Teil waren sie aber abgelehnt worden, weil die Gutachten unbrauchbar waren.