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Stolberg: „Mutter Teresa” darf Papier sammeln

Stolberg : „Mutter Teresa” darf Papier sammeln

Als der Kampf um das Altpapier auf dem Höhepunkt tobte, lag der Durchschnittspreis für den Wertstoff bei rund 95 Euro pro Tonne.

Das war von Februar bis April letzten Jahres. Ab Oktober gerieten die Erlöse ins Rutschen - erst langsam, dann im freien Fall. Der Tiefpunkt war Ende 2008 erreicht: fünf Euro pro Tonne. Dieser Kursverfall war eine Folge der Wirtschaftskrise.

Zu den Hoch-Zeiten, bevor die Preise in den Keller rauschten, interessierten sich viele Geschäftemacher für den Rohstoff der Papierindustrie. Die Folge: In vielen Orten, in denen „blauen Tonnen” eingeführt wurden, starteten private Firmen ein Rennen gegen die Uhr: Sie wollten die Bürger mit ihren Behältern beglücken, bevor die Städte ihre Tonnen verteilten.

Dies war auch in dem Stolberger Stadtteil Venwegen zu beobachten: Die Aldenhovener Braun-Umweltdienste erkoren das Dorf zum „Pilotbezirk” frei nach dem Hase-Igel-Wettlauf: „Ich bin schon da!”

Kraftvoll hatte sich Mitte 2008 Stolbergs Bürgermeister Ferdi Gatzweiler (SPD) ins Zeug gelegt, um die Bürger zu überzeugen, die „fairen Tonnen” des öffentlich dominierten Unternehmens Regio-Entsorgung zu akzeptieren. Denn das Papier, das darin landet, kommt den Bürgern unmittelbar - über günstigere Müllgebühren - wieder zugute, während die Erlöse sonst in privaten Taschen landen. Gatzweiler hatte Erfolg: 13000 blaue Tonnen verteilte der Kommunalentsorger in Stolberg, die Privatfirma brachte es nach städtischen Angaben nur auf äußerst bescheidene 300 Tonnen.

Am Freitag hat das Oberverwaltungsgericht in Leipzig zugunsten der Kommunen entschieden. Inzwischen ist der Altpapiererlös wieder auf 20 bis 25 Euro pro Tonne gestiegen, fast eine Verfünffachung gegenüber dem Negativrekord. Die Klettertour dürfte weitergehen, erwartet Sven Poschen vom Stolberger Umweltamt. Übrigens: Organisationen wie der Arbeitskreis „Mutter Teresa” in Stolberg-Atsch dürfen auch künftig Altpapier sammeln.